Zum Hauptinhalt springen

Der todkranke David gegen den reichen Goliath

Der Gärtner Dewayne Johnson klagt gegen Monsanto, weil er wegen dessen Unkrautvernichter an Krebs erkrankt ist.

Der Kampf geht weiter: Dewayne Johnson bei einem Gerichtstermin in San Francisco. Foto: Paul Elias (AP, Keystone)
Der Kampf geht weiter: Dewayne Johnson bei einem Gerichtstermin in San Francisco. Foto: Paul Elias (AP, Keystone)

Es ist ein Kampf wie David gegen Goliath. Doch David ist krank. Todkrank. Zwei Jahre habe er noch zu leben, sagen seine Ärzte. David heisst in diesem Fall Dewayne Johnson, er ist US-Amerikaner, Gärtner, 46 Jahre alt und leidet an Lymphknotenkrebs.

Johnson kämpft gegen Monsanto, eine Firma, die für 16 Milliarden Dollar Umsatz steht. Eine Firma auch, die seit vier Jahrzehnten mehr als 1,5 Milliarden Liter Glyphosat versprüht hat. Monsanto bewarb es bei der Lancierung 1974 mit den folgenden Worten: Das Mittel vernichtet fast jedes Unkraut, ohne dabei Menschen oder der Natur zu schaden.

Mit diesem Unkrautvernichter kam Johnson 2012 erstmals in Kontakt, als er im kalifornischen Benicia bei den örtlichen Schulbetrieben als Gärtner zu arbeiten begann. Seine Jobbezeichnung: Pest Manager. Seine Aufgabe: Kampf dem Unkraut. Seine Vernichtungswaffen: Roundup und Ranger Pro.

Sechs Jahre später kämpft er um seine Gesundheit – und gegen Monsanto. Dessen Unkrautvernichter sollen verantwortlich sein für den Krebs. Johnson hat Monsanto verklagt, ein Geschworenengericht gab ihm im August recht, eine Richterin hat nun am Freitag das Urteil bestätigt, die Schadenersatzsumme aber aus formalen Gründen von 289 Millionen Dollar auf 78 Millionen gesenkt.

Doch Monsanto ist mit der Reduktion nicht zufrieden, die Firma zieht den Fall weiter. Zu viel steht für die heutige Bayer-Tochter auf dem Spiel, es soll in den USA noch 4000 weitere Klagewillige geben. Also lässt der Konzern verlauten: Man habe zwar Mitgefühl für Johnson, doch das Glyphosat sei ungefährlich.

Das bestreitet Johnson. Er hat jahrelang Glyphosat gespritzt, bei Schulen und auf Sportfeldern, ohne sich über die Gefährlichkeit des Mittels im Klaren zu sein. Es gab keine Warnung an den Behältern, jemand soll ihm gar gesagt haben, das Zeug könne man auch trinken. Trotzdem trägt er bei seiner Arbeit Schutzausrüstung. Nach zwei Jahren spürt er das erste Mal einen Ausschlag, dazu kamen weitere Hautirritationen. Er spürt, dass etwas falsch läuft. «Ich hatte mein Leben lang tadellose Haut», sagte er dem «Guardian». Bald bekommt er auch Flecken im Gesicht und Wunden am ganzen Körper. Nun hat Johnson Angst. Der Doktor rätselt erst über die Gründe und muss wenig später Johnson über die Lymphknotenkrebs­diagnose informieren.

Der Krebs schwächt Johnson. Er kann zeitweise nicht mehr gehen und das Haus verlassen. Irgendwann hörte er von Studien, die Glyphosat mit Krebs in Verbindung bringen. «Ich fühlte mich betrogen», sagt Johnson. Also klagt der dreifache Familienvater als erste Glyphosat-geschädigte Person gegen Monsanto. Seine Anwälte sagen, dass Monsanto hartnäckig kritische Studien und Expertenwarnungen ignoriert habe und dass der Konzern gar mittels Ghostwriter sich wohlgesinnte Studien habe schreiben lassen.

Johnson würde am liebsten von Monsanto eine Entschuldigung hören und Krebswarnungen auf allen Glyphosatbehältern lesen. Doch er ist skeptisch: «Grosse Firmen kämpfen immer bis zum Ende.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch