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«Derzeit gibt es keine Pläne, die Schweiz zu verlassen»

Syngenta will mit der neu gegründeten Syngenta Group in China wachsen. Für Konzernchef Erik Fyrwald bleibt Basel ein wichtiger Standort.

Maren Meyer
«In China werden wir statt der bisher 300 Millionen Dollar 4 Milliarden umsetzen»: Erik Fyrwald über den Grössenvorteil der Syngenta Group. Foto: Samuel Schalch
«In China werden wir statt der bisher 300 Millionen Dollar 4 Milliarden umsetzen»: Erik Fyrwald über den Grössenvorteil der Syngenta Group. Foto: Samuel Schalch

Erik Fyrwald, Syngenta ist seit 2017 in chinesischer Hand. Die Eigentümer gaben das Versprechen, den Hauptsitz bis fünf Jahre nach der Übernahme nicht zu verlegen. Bleibt Syngenta auch nach 2021 in Basel?

Ja. Unser neuer Finanzchef, Chen Liechtenstein, wird demnächst nach Basel ziehen. Und ich lebe auch dort. Derzeit gibt es keine Pläne, die Schweiz zu verlassen.

Es wird viel über den Zeitpunkt des Börsengangs spekuliert. Wie realistisch ist dieser 2021 oder 2022?

Als wir 2017 von der Chemchina gekauft wurden, war es das Ziel, uns innerhalb der nächsten fünf Jahre an die Börse zu bringen. Das wäre also im Sommer 2022. Diese Zielsetzung werden wir aus heutiger Sicht einhalten können.

Wo wird der Börsengang stattfinden – in China oder Europa?

Wir wollen an zwei verschiedenen Handelsplätzen an die Börse gehen. In China und dann in den USA oder in Europa.

Von was hängt dieser Entscheid ab?

Von den jeweiligen Marktbedingungen oder den Interessen der Investoren.

Wie macht sich Syngenta bereit für den Börsengang?

Anfang Januar haben wir die Gründung der Syngenta Group angekündigt. Neben Syngenta sind die israelische Adama Group und die chinesische Sinochem beteiligt. Wir gehen davon aus, dass der Zusammenschluss der neuen Gruppe Ende Februar abgeschlossen ist. Damit steigern wir unseren Umsatz von 14 Milliarden Dollar auf insgesamt 23 Milliarden. In China werden wir statt der bisher 300 Millionen Dollar 4 Milliarden umsetzen. Damit werden wir im chinesischen Markt endlich die Grösse erreichen, die es braucht, um ein erfolgreiches Geschäft aufzubauen.

«Wir bieten den Bauern eine Möglichkeit, dort anzubauen, wo sie leben.»

Syngenta ist hoch verschuldet. Wie wirkt sich die Neugründung auf den Schuldenabbau aus?

Der Zusammenschluss mit der Adama Group stärkt unsere Bilanz. Und führt zu einem tieferenVerschuldungsgrad.

Wie tief?

Das hängt von der Grösse des Börsengangs ab.

Die Zusammenarbeit mit den Chinesen soll nach der Übernahme schwierig gewesen sein. Die neuen Eigner sollen gemäss Medienberichten Gelder aus dem Unternehmen abgesaugt haben, gar von einer «Aushöhlung» von Syngenta war die Rede. Wie ist die Beziehung heute?

In den letzten dreieinhalb Jahren seit dem Verkauf war die Beziehung mit Chemchina gut. Die chinesischen Eigentümer planen auf lange Sicht. 2020 sollte für Syngenta ein gutes Jahr werden. Wir haben schon sehr lange versucht, im chinesischen Markt Fuss zu fassen. Was uns bisher nicht wie gewünscht gelungen ist. Selbst nach der Übernahme durch Chemchina hat sich nicht viel geändert. Erst als Frank Ning vor eineinhalb Jahren als Verwaltungsratspräsident übernommen hat, entstand die Idee, die Syngenta Group zu gründen.

Jetzt erst gewinnt der chinesische Markt immer mehr an Bedeutung?

Ja, wobei er mit einem Umsatz von 4 Milliarden Dollar nur rund 20 Prozent vom Gesamtgeschäft ausmachen wird. Doch in der Landwirtschaft liegt der chinesische Markt weit hinter den globalen Standards zurück. Es gibt viele Probleme mit verunreinigtem Ackerland und verschmutzten Gewässern. Denn es werden zu viele Düngemittel und chemische Stoffe eingesetzt. Die Ernte und die Erträge der Bauern schrumpfen. Die chinesische Regierung will, dass wir die Landwirtschaft nach vorn bringen. Neben unserem Hauptgeschäft wird die Syngenta Group den lokalen Bauern helfen, ihr Land besser zu bewirtschaften.

Bisher war Brasilien ein wichtiger Markt für Syngenta. Ändert sich das jetzt?

Nein. Wir haben dort gerade das Projekt «Reverte» begonnen, das den Bauern eine Alternative zur Abholzung des Regenwaldes bieten soll. Wir haben uns verpflichtet, Ackerland in der Fläche von rund 1 Millionen Fussballfeldern wieder fruchtbar zu machen. Denn in Brasilien gibt es sehr viel brachliegendes Land, das nicht mehr bewirtschaftet wird. Wir bieten den Bauern Saatgut, das den Boden wieder mit den richtigen Mineralstoffen anreichert. So erzielt der Bauer nach fünf Jahren wieder eine gute Ernte.

Unter Präsident Jair Bolsonaro wird die Abholzung des Regenwaldes vorangetrieben. Würde die Aussicht auf Saatgut für einen fruchtbaren Boden die Rodungen nicht eher unterstützen?

Nein, denn das Ackerland befindet sich in einem ganz anderen Teil Brasiliens als der Regenwald. Wir bieten den Bauern eine Möglichkeit, dort anzubauen, wo sie leben. Statt in den Norden in die Amazonasregion zu gehen und Wald zu roden, sollen sie bereits bestehendes Land wiederbeleben.

Brasiliens Bauern sind mehrheitlich arm, viele können sich das Saatgut von Syngenta wahrscheinlich gar nicht leisten.

Wir arbeiten mit Naturschutzorganisationen und Banken vor Ort zusammen. Die Banken haben eingewilligt, den Bauern einen Kredit zu geben, den sie erst in einigen Jahren zurückzahlen müssen. So haben die Bauern Zeit, ihr Land wieder gewinnbringend zu bewirtschaften.

Der Gedanke ist gut, aber warum sollten sich die Bauern verschulden und fünf Jahre warten, bis sie profitabel ernten können, wenn sie stattdessen gratis einen Teil des Regenwaldes abbrennen können?

Bisher hatten wir gute Rückmeldung von den Bauern. Sie wissen, dass sie mit dieser Investition ihre Zukunft absichern können.

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