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CS-Banker ist auch eine Bankerin – und sorgt damit für rote Köpfe

Philip Bunce schafft es als Pippa in die Top 100 der britischen Geschäftsfrauen. Die Nomination löst einen Sturm der Entrüstung aus.

Unterwegs am «Out Leadership Summit» in London: CS-Bankerin Pippa Bunce. Foto: PD
Unterwegs am «Out Leadership Summit» in London: CS-Bankerin Pippa Bunce. Foto: PD

Es ist eine besondere Ehre. Zum zweiten Mal veröffentlicht die «Financial Times» eine Liste mit den 100 Geschäftsfrauen, die sich besonders stark für die Förderung von Frauen einsetzen, und wieder hat es CS-Bankerin Pippa Bunce in die Ränge geschafft. Diesmal auf Position 32. Bei der Schweizer Grossbank rangiert sie als Direktor und arbeitet in London. Der genaue Titel lautet: Head of Global Markets Core Engineering Strategic Programs. Die Abteilung setzt konzernweite Projekte um.

Pippa Bunce heisst aber auch Philip. Sie ist als Mann geboren und ist «genderfluid». Das bedeutet, Philip oder Pippa Bunce ist manchmal er und manchmal sie. «Wie ich mich geschlechtlich verstehe, ist von Zeitpunkt zu Zeitpunkt verschieden», sagte Philip/Pippa Bunce kürzlich dem «Magazin».

Seit ihrem vierten Lebensjahr kenne sie diesen Teil von sich. «Meiner Frau verriet ich es kurz nach der Hochzeit. Sie nahm es gut auf», so Bunce. Und weiter: «Auch die zwei Kinder haben mich immer so geliebt, wie ich bin. Ob Pippa oder Phil, sie schauen auf das Wesen.»

An der Arbeit war Bunce vorsichtiger. Im Sommer 2014 entschied sie sich zum ersten Mal, in Frauenkleidern zur Arbeit zu gehen. Am Arbeitsplatz erlebte sie dann aber eine grosse Unterstützung. Die Bank gratuliert ihr denn auch per Tweet zum Erfolg:

Doch in Grossbritannien löst die Nomination zahlreiche kritische Reaktionen aus. S0 spricht sich Kiri Tunks, Mitgründerin der Frauenorganisation Woman’s Place UK, in der «Times» gegen die Nominierung aus. Sie sei ein Hohn für Frauen und werfe eigentlich die Frage auf, weshalb Bunce nicht auch auf der Liste der einflussreichsten Männer zu finden sei. Die Transaktivistin Kristina Harrison empfindet die Nomination sogar als Beleidigung. Kritische Voten gibt es auch aus der Schweiz.

Der «Times» gab Bunce keine Auskunft. Die CS sagte gegenüber der Zeitung, dass die Bank stolz darauf sei, ein offener Arbeitgeber zu sein, der sich für Vielfältigkeit einsetze.

Suki Sandhu, bei der «Financial Times» verantwortlich für die Ranglisten, sagte gegenüber der «Times»: «Die Listen werden zusammengestellt, um Personen auszuzeichnen, die sich mit ihrer Arbeit für Gender Diversity einsetzen.» Das sei das wichtigste Kriterium für die Aufnahme.

Listen sorgen für Aufmerksamkeit. Sie helfen dabei, ein Thema in die Öffentlichkeit zu tragen. Doch vielleicht zeigt die Debatte um Bunce aber einfach, dass die Zeit von Frauen-/Männer-Listen abgelaufen ist. Stattdessen könnten einfach die Personen ausgezeichnet werden, die sich besonders engagieren.

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