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Ein Stück einer Schweizer Ikone ergattern Swissair-Souvenirs sind auch zehn Jahre nach dem Aus noch beliebt Von Johanna Wedl, sda Hintergrund

Auch zehn Jahre nach dem Grounding ist die Swissair noch immer sichtbar: Zwar nicht mehr in der Luft, dafür durch zahlreiche Erinnerungsstücke am Boden.

Zu Geld gemacht wurden und werden nebst Tafelsilber und Weingläsern auch die beliebten Flugzeugtrolleys. Liquidiert wurde das gesamte Swissair-Material von Karl Wüthrich von Wenger Plattner, der als Sachwalter den Konkurs der Swissair abwickelte. Zwischen 2002 und 2005 gab es gemäss Filippo Beck, Partner bei Wenger Plattner, vier Liquidationsverkäufe. Erhältlich waren dort gemäss Beck unter anderem Silberbesteck, Geschirr oder Decken. Veräussert wurden zudem Waren aus dem Bordverkauf wie Armbanduhren oder Wecker sowie Büromöbel und EDV- Geräte, so beispielsweise 580 Computer. Welche Menge insgesamt liquidiert wurde, liesse sich nicht beziffern. Allein von den Swissair-Aussenstationen - etwa in Asien oder Amerika - wurden aber 300 Tonnen Material nach Zürich geflogen. Einen Eindruck der Grössenordnung geben aber die Kaffeelöffel ab: Von ihnen sind 1,5 Millionen Stück über den Ladentisch gegangen. An den Verkäufen klingelten die Kassen kräftig: Insgesamt 150'000 Personen besuchten die Liquidationsverkäufe 2002 und 2003, wie Beck sagt. «Der Verkaufserlös beläuft sich auf 5,5 Millionen Franken.» Wirtschaftlich gesehen habe dieser Betrag keinen massgeblichen Einfluss auf die Dividendenzahlungen an die Gläubiger gehabt. Dafür seien die Beträge zu klein gewesen. Der Andrang an den Liquidationen war dennoch gross, jeder wollte sich von der «Schweizer Ikone» noch ein Stück ergattern. Heute verwaltet Wenger Plattner keine Waren mehr. Grosse Nachfrage auch zehn Jahre später Voll sind die Regale jetzt dafür in den Lagern des Aviatik-Shops, einem der grössten Verkäufer von Swissair-Gegenständen. Die Flugbegleiter Simon Ludwig und Thomas Mannhart gründeten den Shop 2002. «Wir wurden ständig nach Swissair-Souvenirs gefragt», erzählt Ludwig im Gespräch. «Da wir zudem selbst bei Liquidationen dabei waren, sahen wir, wie gross die Nachfrage ist.» So sei die Idee entstanden, einen Shop zu eröffnen. Die Männer erstanden mehrere hundert Tonnen Erinnerungsstücke und lagerten diese ein. Auch zehn Jahre nach dem Grounding der Swissair sei die Nachfrage ungebrochen gross. «Unsere Telefone klingeln täglich bis zu 15 Mal», sagt Ludwig. Viele Leute seien nach wie vor stolz auf die Swissair - entweder weil sie mit Herzblut für die Firma gearbeitet hätten oder weil sie mit damit geflogen seien. Aus Ware wird gutes Geld Ludwig und sein Partner Mannhart organisieren zwei bis drei Mal jährlich am Flughafen Zürich in Kloten einen Stand. Dort verkaufen sie während vier bis sieben Tagen Swissair-Gegenstände. Zudem machen sie fürs Swiss-Personal Mitarbeiterverkäufe und sind an Aviatikbörsen und Flugshows präsent. Der Verkaufsschlager schlechthin seien die Trolleys, sagt Ludwig. Mit diesen rollenden Wägelchen werden im Flugzeug Essen und Getränke serviert. Die Trolleys liessen sich sehr gut im Alltag einsetzen. Gefragt seien auch Container oder Gürtel mit Schnallen von Flugzeugsitzen. Konkurrenz spüre der Aviatik-Shop praktisch keine, da sich kaum mehr Ware aufkaufen lasse. Der Aviatik-Shop erzielt einen Jahresumsatz von rund 350'000 Franken. Vom Geschäft leben können Ludwig und Mannhart nicht. Sie arbeiten zu 100 respektive 80 Prozent als Flugbegleiter für Swiss. «Wir waren bereits bei der Swissair und wollen unseren Beruf in nächster Zeit nicht aufgeben», sagt Ludwig. Die rund 20 Tonnen Swissair-Artikel, welche die beiden noch besitzen, verkaufen sie deshalb weiterhin in ihrer Freizeit.

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