«Es ist eine brutale Situation»

Der Solarzulieferer Meyer Burger baut 250 Stellen ab. Der CEO Peter Pauli sieht keine Alternative zu dieser neuen Entlassungswelle. Er selbst will bleiben.

Peter Pauli, der CEO von Meyer Burger nimmt Stellung zur Entlassungswelle.

Peter Pauli, der CEO von Meyer Burger nimmt Stellung zur Entlassungswelle.

(Bild: Keystone)

Herr Pauli, Meyer Burger baut rund 250 Stellen ab. Davon betrifft ein Drittel die Schweiz, insbesondere den Standort Thun. Warum nennen Sie keine Zahl, wie viele Arbeitsplätze Sie am Stammsitz streichen?Peter Pauli: Die genaue Zahl ist noch nicht definiert. Wir haben am Donnerstag das Konsultationsverfahren mit den Arbeitnehmervertretern gestartet, damit diese angehört werden. Entsprechend ist auch noch nicht bestimmt, wie stark die einzelnen Bereiche wie Produktion, Entwicklung, Vertrieb oder Verwaltung betroffen sein werden.

Wie schwer fällt Ihnen der Entscheid?
Ich möchte betonen, dass uns der Stellenabbau extrem schwerfällt. Es ist eine brutale Situation, nachdem wir hier in Thun gewachsen sind mit all diesen Kollegen. Zwei Drittel des Abbaus realisieren wir im Ausland, an unseren Standorten in Deutschland, den USA, China und weiteren Ländern, quer hindurch.

Es geht Ihnen also einfach darum, die Kosten querbeet um 50 Millionen Franken zu drücken?
Nein, wir haben ein Programm mit vier Stossrichtungen: Neben tieferen Personalkosten wollen wir die Marge kurz- und mittelfristig erhöhen durch Verbes­serungen im Materialeinkauf und höherwertige Produkte. Als drittes Element wollen wir unsere Anwendungstechnologie stärken, also unsere führenden Produkte, die wir jetzt in der Schweiz einführen, auch global vermarkten. Schliesslich wollen wir im Servicegeschäft wachsen. Ins­gesamt soll uns dies unter dem Strich wieder schwarze Zahlen ermöglichen. Wir müssen es ganz einfach schaffen, auch auf Stufe Nettoergebnis wieder die Gewinnschwelle zu erreichen.

Wie viel Umsatz ist nach der Sparrunde noch nötig, um die operative Gewinnschwelle zu erreichen? Bislang sprachen Analysten von 400 Millionen Franken.
Wir wollen künftig bereits mit einem Jahresumsatz von rund 300 Millionen Franken die Gewinnschwelle auf Stufe Ebitda – also vor Zinskosten, Steuern, ­Abschreibungen und Amortisationen – erreichen können. Wir arbeiten aber natürlich daran, mehr Umsatz zu erzielen. Im ersten Halbjahr 2016 haben wir beim Ebitda einen Gewinn erwirtschaftet. Aber wir müssen unbedingt auch beim Nettoergebnis wieder ins Plus zurückkehren, daher auch die Kostensenkungsmassnahmen. Nur so verbleiben gewisse Mittel für Investitionen, vor allem schrumpft das Eigenkapital nicht weiter.

Wie laufen denn die Geschäfte seit der Hoffnungen weckenden ersten Jahreshälfte?
Der Geschäftsverlauf ist erwartungsgemäss. Die einzelnen Monate sind aber unterschiedlich, wie im Projektgeschäft üblich. Projekte kommen in einem Monat, oder vielleicht einen Monat später. Alles in allem sind wir in einem vernünftig guten Bereich.

Haben wieder Kunden Aufträge storniert?
Nein, es sind keine Projekte verloren gegangen. Aber hie und da gibt es Verschiebungen aufgrund von Finanzierungsfragen bei den Kunden. Das ist in der Maschinenindustrie üblich. Wir sind in diesem Rahmen unterwegs.

Welche Rolle spielt bei dem Sparprogramm die Anleihe über 130 Millionen Franken, die Meyer Burger im nächsten April zurückzahlen muss?
Das ist nicht im direkten Zusammenhang zu sehen. Wir müssen das Unternehmen beim Nettoergebnis wieder in die Gewinn­zone zurückführen. Separat müssen wir diese Obligation refinanzieren. Das Strukturprogramm ist keine Bedingung dafür.

Haben Sie Fehler gemacht, das Unternehmen zu schnell ausgebaut und die Konkurrenz unterschätzt?
Wir haben Entwicklungen frühzeitig vorausgesehen und sehr viel richtig eingeleitet. Dabei waren wir besser als viele Konkurrenten, die es heute nicht mehr gibt. Aber man macht auch Fehler, das ist normal. Die Summe der Fehler ist aber wahrscheinlich kleiner als die Summe dessen, was wir gut gemacht haben.

Dann sehen Sie sich weiterhin als der richtige Mann an der Spitze von Meyer Burger?
Das entscheide nicht ich, sondern der Verwaltungsrat. Ich setze mich mit Herzblut für das Unternehmen ein und kenne die Industrie sowie unsere Kunden sehr gut. Solange ich etwas beitragen kann, bringe ich mich mit vollem Engagement ein, so wie ich das auch die letzten 15 Jahre gemacht habe. Interview: Julian Witschi

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