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Extreme im Euroland - Deutsche Anleihen im Renditetief Von Rochus Görgen, dpa Hintergrund

Frankfurt Die Finanzkrise bewirkt Extreme im Euroland: Deutschland muss für seine Schulden rekordverdächtig niedrige Zinsen zahlen, Anleihen aus Griechenland versprechen dagegen zweistellige Renditen.

Das hat weitreichende Folgen. Für Sparer in Deutschland sind harte Zeiten angebrochen. Egal, ob Tagesgeldkonten, Bundesschatzbriefe oder auch die Tagesanleihe des Bundes: Für sichere Geldanlagen sind die Zinsen auf einem Rekordtiefstand. Nicht einmal 0,3 Prozent wirft etwa die Tagesanleihe des Bundes ab. Und die Umlaufrendite, ein Durchschnitt von Renditen deutscher Staatsanleihen, liegt bei mageren 2,0 Prozent. Trotzdem ist die Nachfrage nach sicheren Anlagemöglichkeiten hoch. So hatten Privatanleger zur Jahresmitte Bundesschatzbriefe im Wert von 9,5 Mrd. in ihren Depots - exakt so viel wie ein Jahr zuvor, wie die Deutsche Finanzagentur berichtete, die die Schulden des Bundes verwaltet. Und die Mitte 2008 eingeführte Tagesanleihe kam trotz Mini-Rendite noch auf ein Volumen von 2,1 Mrd. Euro - nach 3,2 Mrd. Euro zum Vorjahreszeitpunkt. «Deutlich wird, dass die seit Monaten rückläufige Zinsentwicklung sich nur zum Teil als Grund für das Anlageverhalten von Privatkunden in unterschiedlichen Produkten heranziehen lässt», sagt der Sprecher der Finanzagentur, Jörg Müller. Es gebe einen Trend zu mehr Sicherheit und weniger Risikobereitschaft. Und seit wenigen Wochen ist nicht mehr die Tagesanleihe das am stärksten von Privatkunden bei der Finanzagentur nachgefragte Produkt, sondern die teils bis zu sieben Jahre laufenden Bundesschatzbriefe. Hier gab es zuletzt bis zu rund 1,6 Prozent Rendite. Drei wesentliche Punkte Die Ursachen der niedrigen Zinsen sind vielfältig. Commerzbank- Chefökonom Jörg Krämer nennt drei wesentliche Punkte: Zunächst einmal liegt die Kerninflationsrate in der Eurozone bei lediglich rund einem Prozent und die Inflationserwartungen sind niedrig. Zweitens sind die Wachstumsaussichten im Eurogebiet gedämpft, was Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Preisentwicklung hat. Und schliesslich hat die Europäische Zentralbank (EZB) in der Wirtschaftskrise ihren Leitzins auf nur noch 1,0 Prozent gedrückt. Damit versorgt sie die Banken in grossem Stil mit extrem billigem Geld, was vor allem die Zinsen für kurzfristige Kredite nach unten drückt. Doch niedrige Zinsen wie in Deutschland gibt es nicht überall im Euroraum. So werfen zehnjährige Anleihen Griechenlands weiterhin deutlich mehr als zehn Prozent Zinsen ab. Die Unsicherheit, ob das Mittelmeerland wirklich seine Schulden zurückzahlen kann, lässt viele Anleger einen Bogen um griechische Staatsanleihen machen. Auch Spanien oder Irland müssen deutlich höhere Zinsen versprechen. Der Aufkauf von Anleihen wackeliger Länder durch die EZB hat dies immerhin abgefedert. Die Folgen der niedrigen Zinsen in Deutschland sind vielfältig. So könnte sich Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble eigentlich freuen, dass er prozentual so wenige Zinsen zahlen muss wie noch nie ein deutscher Finanzminister. «Das macht das Leben für den Finanzminister leichter», sagt Krämer. Noch nie so grossen Schuldenberg Doch andererseits hatte auch noch nie ein Finanzminister seit dem Zweiten Weltkrieg so einen grossen Schuldenberg zu verwalten - allein die Verschuldung des Bundes lag zur Jahresmitte bei mehr als einer Billion Euro - das sind 1000 Mrd. Euro. Krämer warnt vor dem «süssen Gift niedriger Zinsen», das etwa in Japan zu einer immensen Staatsverschuldung geführt habe. Für Anleger ist es dagegen schwierig geworden, mit sicheren Anleihen Geld zu verdienen. Vor allem für die Altersvorsorge könnte das zum Problem werden. Denn wer heute ein Monatsgehalt zurücklegt, um davon in 30 Jahren zu profitieren, muss neben den Zinsen auch mit Steuern und Inflation rechnen. «Etwas Gefährliches» Volkswirtschaftlich wirken sich die Zinsunterschiede im Euroland auch aus: Deutsche Unternehmen können sich im Zuge der niedrigen Zinsen für deutsche Staatsanleihen preiswerter Geld leihen. Besonders spüren derzeit aber Grossanleger die Folgen. «Gewaltige Auswirkungen gibt es für institutionelle Anleger» wie Versicherungen oder Pensionsfonds, sagt Chefökonom Krämer. Denn diese Anleger würden fast gezwungen, in risikoreichere Anleihen zu gehen, um die einkalkulierten Renditen zu erreichen. «Das ist etwas Gefährliches», so Krämer.

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