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Fall Adoboli - UBS hat laut FINMA in vielen Punkten versagt Hintergrund

Die UBS hat die betrügerischen Transaktionen von Kweku Adoboli nicht früher entdeckt, weil Verantwortlichkeiten bei der Überwachung unklar und Kontrollfunktionen zu schwach waren.

Dies zeigt der am Montag veröffentlichte Bericht der Finanzmarktaufsicht (FINMA). Adobolis Linienvorgesetzten war laut der Untersuchung unklar, was ihre Aufgaben und Verantwortung in der Überwachung des fraglichen Handelsdesks in London waren. Zudem sei der direkte Vorgesetzte ab April 2011 in New York stationiert gewesen. Warnhinweise landeten aber weiterhin beim ehemaligen Linienvorgesetzten in London. Zwischen Juni und Juli 2011 wurde demnach mindestens vier Mal offensichtlich, dass Adoboli seine Handelslimiten überschritten hatte. In einem Fall legte er seinem Vorgesetzten in New York sogar offen, dass er einen Gewinn von 6 Millionen Dollar erzielt hatte, indem er Positionen von über 200 Millionen Dollar eingegangen war, «weit über der ihm erlaubten Risikolimite». Der Linienvorgesetzte habe Adoboli «zuerst gratuliert, bevor er ihm mit Verzögerung in Erinnerung rief, dass er eine Bewilligung brauche, wenn er seine Limite überschreite». Unregelmässigkeiten in Milliardenhöhe Die ungenügende Überwachung zeigte sich laut FINMA auch bei einem Vorfall im August 2011, als fiktive Geschäfte mit aufgeschobener Abrechnung Unregelmässigkeiten im Umfang von über einer halben Milliarde Dollar generierten. Dies sei ohne weitere Nachforschungen akzeptiert worden. Neben den Linienvorgesetzten seien auch die drei Kontrollfunktionen (Operations, Produktkontrolle und Risikokontrolle) den vielen Warnhinweisen zu wenig nachgegangen. So wurden laut FINMA die auffällig hohen Gewinne aus dem Eigenhandel von Adobolis Desk nicht kritisch hinterfragt. Im Londoner Handelsraum sei bekannt gewesen, dass das Desk viele Abstimmungsfehler verursachte, oft wegen verspäteten oder falsch verbuchten Abschlüssen. Dabei gingen die ungeklärten Beträge ab Juni 2011 manchmal über eine Milliarde Dollar hinaus. Zu gutgläubig Sogar wenn die Abstimmungsfehler mehrere Wochen dauerten, die Erklärungen nicht glaubwürdig waren und Ungereimtheiten vereinzelt eskaliert wurden, waren die Vorgesetzten und Kontrolleure zu rasch zufrieden mit den Erklärungen von Adoboli, wie die FINMA schreibt. Noch am 24. August 2011 seien Führungsleute an einer Sitzung zum Schluss gekommen, dass keine grossen Beträge in Gefahr seien. Im August 2011 überzeugte Adoboli die Produktkontrolle noch davon, dass die Handelssysteme fälschlicherweise Verluste von einer Milliarde Dollar anzeigten. Seine Beteuerung, er werde diesen «Buchungsfehler» demnächst korrigieren, wurde anstandslos akzeptiert. Ein wichtiger Kontrollbericht wurde über Monate hinweg gar nicht erstellt, ohne dass jemand bemerkte, dass er fehlt. In ihrem Bericht unterstellt die FINMA aber neben Adoboli niemandem eine kriminelle Energie: Adoboli hingegen habe über eine ganze Reihe von verbotenen Mechanismen während längerer Zeit Ausmass und Risiko seiner Handelspositionen verdeckt. Dazu gehörten einseitige interne Futurepositionen, zu spätes Abbuchen von Geschäften oder fiktive Geschäfte mit aufgeschobenen Abwicklungsdaten. Adoboli schuf laut FINMA unter dem Namen «umbrella» (»Schirm») einen Mechanismus, um anfallende Gewinne und Verluste zu glätten. Der 32-Jährige ist vergangenen Dienstag von einem Geschworenengericht in London des Betrugs in zwei Fällen für schuldig gesprochen und zu sieben Jahren Haft verurteilt worden.

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