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«Aufsicht hat riesige Schwachstelle»

Konrad Hummler, Präsident der Schweizer Privatbankiers, glaubt, dass das Geschäftsmodell der Privatbanken intakt ist. Doch in der übrigen Finanzbranche sieht er viel Korrekturbedarf. Und er geisselt das Versagen der Aufsicht.

Die Kunden Ihrer Bank haben in den vergangenen Tagen die Depotauszüge per Ende Jahr erhalten. Wie haben diese auf die erlittenen Verluste reagiert?

Konrad Hummler: Natürlich haben auch unsere Kunden Verluste erlitten. Ihre Portefeuilles sind diversifiziert. Da hat es natürlich Anlageformen darunter, die im vergangenen Jahr happige Verluste verzeichneten. Tragischerweise kam dies nicht nur bei den Aktien, sondern auch bei den Obligationen vor. Wenn man als Bank über eine langjährige Beziehung zu den Kunden verfügt und diese pflegt, dann sind solche Verluste a priori kein so grosses Problem. Die im vergangenen Jahr erlittenen Verluste waren zwar happig, doch es handelt sich um eine von vielen Episoden, die es in einer langjährigen Beziehung gibt. Sie hatten aber sicher auch Kunden, die verärgert waren?

Ja natürlich. Vor allem Kunden, die relativ neu bei einer Bank sind, haben manchmal übertriebene Erwartungen und daher hohen Erklärungsbedarf in Bezug auf die Vermögensverwaltung. Man muss ausführlich erläutern, warum es sinnvoll ist, ein diversifiziertes Portefeuille zu haben, und warum es jetzt keinen Sinn macht, nur liquide Mittel zu halten. Auf der anderen Seite hat aber jede negative Entwicklung auch ihre positiven Seiten. So ist jetzt zum Beispiel die Beratungsdienstleistung wieder gefragt.

Aber es gab Privatbankiers, die an ihrem Geschäftsmodell zu zweifeln begannen.

Das Geschäftsmodell der meisten Privatbanken ist nicht komplex. Ich glaube nicht, dass man da grosse Änderungen vornehmen muss. Es stellt sich aber die Frage, wie rasch die Banken wachsen können. Das muss jede Bank für sich selbst beantworten. Doch der hohe Anteil an Eigenkapital und das Fehlen von komplexen Strukturen in der Bankführung haben sich als grosse Vorteile erwiesen.

Wird es bei den Privatbanken zu Entlassungen kommen?

Ich glaube nicht, dass es bei den echten Privatbanken zu grösseren Veränderungen kommen wird: Aber der Finanzsektor insgesamt wird grossen Veränderungen ausgesetzt sein. Die Verdoppelung der Bilanzsummen und der Stellenetats werden die Grossbanken rückgängig machen müssen.

Konnten die Privatbanken im vergangenen Jahr immerhin von der Krise der Grossbanken profitieren, indem ihnen Gelder von UBS und CS zuflossen?

Ich gehe davon aus, dass die verwalteten Vermögen der Privatbanken wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten um rund 20 Prozent abnahmen. Ihnen gelang es im Gegenzug, dies durch den Zufluss von Neugeldern zu einem guten Teil zu kompensieren.

Einzelne Privatbanken wie die Luzerner Bank Reichmuth sorgten im Fall des Milliardenbetrügers Madoff für Negativschlagzeilen, weil sie ihren Kunden relativ viele Madoff-Papiere ins Depot gelegt hatten.

Beim Fall Madoff geht es um Betrug. Die echten Privatbanken waren von diesem Fall nur am Rande betroffen. Stark involviert war indes der Bankenplatz Genf, wobei die Genfer Privatbanken vergleichsweise glimpflich davonkamen. Letztlich stellt sich auch die Frage der breiten Diversifikation. Denn wenn ein Betrüger so raffiniert vorgeht, dann ist es auch mit der schärfsten Prüfung schwierig, dem Betrug auf die Schliche zu kommen.

Welche Folgen wird der Fall Madoff für die Finanzbranche haben?

Für mich steht die Frage im Vordergrund, wie der Fall die Hedgefonds-Industrie verändern wird. Ich bin der Ansicht, dass rund die Hälfte der Hedgefonds verschwinden werden. Als weitere Konsequenz erwarte ich, dass man Fondsmanagern, die über Jahre in etwa gleich hohe Ergebnisse ausweisen werden, nicht mehr trauen wird.

Welche Lehren sind nun aus dem Fall Madoff zu ziehen?

Es braucht nicht mehr Gesetze. Der Markt wird das selbst regeln. Der Fall hat den Kunden und den Bankberatern vor Augen geführt, wie wichtig eine funktionierende Kontrolle ist. Sie haben die Aufsichtsbehörden öfters scharf kritisiert. Warum? Die Tatsache, dass weltweit eine solche Verschuldungsblase entstehen kann und niemand sagt, dass da ein kollektiver Irrlauf stattfinde, ist ein riesiges regulatorisches Versagen. Den Schaden trägt nun die Öffentlichkeit, welche diese Regulatoren angestellt hat. Das System hat also eine riesige Schwachstelle.

Wieso fordern Sie höhere Löhne für die Mitarbeiter der Finanzmarktaufsicht?

Die Löhne der Angestellten der Aufsichtsbehörde dürfen keinen Regeln, die für Beamte gelten, unterstellt sein. Es muss möglich sein, Fachleute aus dem Markt zu holen, welche das Geschäft verstehen. Da spielt die Lohnhöhe auch eine Rolle.

Das heisst im Klartext, Sie befürworten Löhne, die zumindest im Bereich von 500000 bis einer Million Franken liegen?

Vielleicht braucht es tatsächlich so hohe Löhne. Wenn wir dank dieser Massnahme einen guten Regulator haben, dann ist dies das investierte Geld hundert Mal wert.

Konrad Hummler (55) ist Präsident der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers und geschäftsführender Teilhaber der St.Galler Privatbank Wegelin & Co.

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