Zum Hauptinhalt springen

Bei Gratifikationen gilt ein Gewohnheitsrecht

Viele Angestellte erhalten zusätzlich zu ihrem Lohn ein mehr oder weniger üppiges Weihnachtsgeld. Auf die Zulage Ende Jahr ist aber nur Verlass, wenn es so im Arbeitsvertrag steht oder wenn es ein Gewohnheitsrecht gibt.

Der Arbeitgeber als Weihnachtsmann: Viele Angestellte erhalten neben dem 13. Monatslohn Ende Jahr weitere Belohnungen.
Der Arbeitgeber als Weihnachtsmann: Viele Angestellte erhalten neben dem 13. Monatslohn Ende Jahr weitere Belohnungen.
GettyImages

Der Dezember ist für die meisten Haushalte ein teurer Monat: Weihnachtsgeschenke, Einladungen und viele Rechnungen, die zum Jahreswechsel fällig werden, lassen den Betrag auf dem Lohnkonto schneller schwinden als üblich. Gut, wenn es vom Arbeitgeber am Jahresende zusätzliches Geld gibt.

Allerdings verteilen die Berner Unternehmen ihr Weihnachtsgeld ganz unterschiedlich: Einen zusätzlichen halben Monatslohn, ein Weihnachtsessen und ein Geschenk: Das erhalten zum Beispiel die Angestellten der Krankenkasse KPT dieses Jahr zu Weihnachten. Auch für die Angestellten der Stadt Bern gibt es einen halben Monatslohn. Hingegen gibt es bei Loeb im Dezember keinen Zusatzlohn, dafür 20 Prozent zusätzlichen Personal­rabatt. Nochmals anders ist es bei den Mitarbeitern des Reisebüros Globetrotter: Sie erhalten im Dezember gleich einen ganzen zusätzlichen Monatslohn.

Unterschiedliche Termine

Alle vier Arbeitgeber zahlen ihren Angestellten einen 13. Monatslohn – allerdings zahlen sie diesen zu ganz unterschiedlichen Terminen aus: Bei der KPT und der Stadt Bern gibt es eine Hälfte des «Dreizehnten» bereits im Juni. Das Warenhaus Loeb zahlt ihn traditionsgemäss schon im November.

Vertragliche Zusicherung

Doch auch wenn der 13. Monatslohn nicht überall am Ende des Jahres aufs Lohnkonto kommt, können sich alle Mitarbeiter trotzdem darauf verlassen: Ist ihnen im Arbeitsvertrag ein 13. Monatslohn zugesichert, dann erhalten sie ihn auch – unabhängig davon, wie das Geschäft läuft oder was die Angestellten geleistet haben.

Weniger verlässliche Weihnachtsgeschenke sind Gratifikationen, Treueprämien oder ein Bonus. Solange im Arbeitsvertrag nichts Genaueres dazu steht, sind solche Sonderleistungen freiwillig. Der Arbeitgeber kann in diesem Fall bestimmen, ob und wie viel er den Angestellten zahlt, und ob die Gratifikation zum Beispiel davon abhängig ist, wie das Geschäft gelaufen ist.

Gratifikationen dürfen die Arbeitgeber aber trotzdem nicht völlig willkürlich verteilen. Heisst es im Arbeitsvertrag zum Beispiel: «Gratifikation: 13. Monatslohn», dann gilt eine solche Gratifikation gemäss Gerichtsentscheiden nicht als freiwillig, sondern als 13. Monatslohn.

Gewohnheitsrecht

Es gibt bei Gratifikationen zudem eine Art Gewohnheitsrecht. Das heisst: Wenn die Firma über mehrere Jahre ohne jeden Vor­behalt immer einen bestimmten Betrag als Gratifikation auszahlt, dann gilt das als stillschweigend getroffene Vereinbarung, und die Arbeitnehmer haben ein Anrecht darauf.

Freier sind die Firmen, wenn sie eine Treueprämie oder einen Bonus versprechen. Wenn im Arbeitsvertrag keine fixe Regelung für solche Sonderzahlungen festgelegt ist, kann ein Unternehmen von Jahr zu Jahr darüber entscheiden. Globetrotter, zum Beispiel, zahlt seinen Mitarbeitern nicht nur einen 13. Monatslohn, sondern zusätzlich einen Bonus – aber nur dann, wenn das Geschäftsjahr erfolgreich war. Die Mediensprecherin Sandra-Nathalie Studer betont: Der Bonus sei nicht garantiert, und er werde auch nicht an Weihnachten, sondern erst nach dem Jahreswechsel ausbezahlt.

Frage der Wertschätzung

Auch andere Firmen wollen sich nicht nur im Dezember erkenntlich zeigen. «Das Jahresende ist ein idealer Zeitpunkt, sich bei den Mitarbeitenden zu bedanken», erklärt Barbara Weber, Mediensprecherin der Krankenkasse KPT. Es sei aber wichtig, den Angestellten ganzjährig Wertschätzung entgegenzubringen.

Das Warenhaus Loeb achtet ­sogar speziell darauf, seine Geschenke aufs Jahr zu verteilen. Das Unternehmen hat nicht nur die Auszahlung des 13. Monatslohns auf den November vorverschoben. Auch das Personalfest feiert Loeb bereits im Oktober. «Denn der Dezember ist im Detailhandel eine besonders intensive Zeit», erklärt Béatrice Zürcher, Leiterin der Personalabteilung. Trotzdem müssen Loeb-Angestellte auch im Advent nicht völlig auf kleine Aufmerksamkeiten von der Firma verzichten: Es gibt zum Beispiel eine Chlousetag-Überraschung. Und die Angestellten, die an den Sonntagsverkaufstagen arbeiten, erhalten ein Sonntagsmenü serviert.

Steuern und Versicherungen

Bei aller Grosszügigkeit der Arbeitgeber dürfen Angestellte nicht vergessen: Von allen Auszahlungen – sei dies in Form eines 13. Monatslohns, einer Gratifikation oder eines Bonus – werden wie beim Lohn die Beiträge für Sozialversicherungen abgezogen. Und: Die Lohngeschenke müssen auch ganz normal versteuert werden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch