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Bruce Willis und die Investmentbanken

Europas Investmentbanken steht ein Kahlschlag bevor: Zu diesem Schluss kommen Finanzjournalisten von Bloomberg. Sie haben Banken von UBS und Credit Suisse bis zur Deutschen Bank und Barclays durchleuchtet.

In «Last Man Standing» trifft der mysteriöse Charakter John Smith auf eine Gruppe von Kleinstadtganoven. Ein falscher Blick des Revolverhelden auf die schöne Felina genügt, um unter den rivalisierenden Schmugglergangs einen Bandenkrieg auszulösen: Nach wechselseitigen Intrigen und hinterhältigen Morden kommt es am Schluss des Films zu einer wüsten Schiesserei. Neben dem von Bruce Willis gespielten Protagonisten überlebt kaum einer das Gemetzel.

Die Finanzjournalisten von Bloomberg haben den Titel des 1996 gedrehten Films zum Motto einer Analyse über die Lage von Europas Investmentbanken gemacht. Anstatt nur da und dort ein wenig Kosten zu sparen, dürften Investmentbanken bald gezwungen sein, ganze Geschäftsbereiche zu schliessen, heisst es im Artikel. «Viele Banken spielen eine Strategie des ‹Last Man Standing›», zitiert Bloomberg den Finanzverwalter Joao Soares von Bain Capital in London: Sie erhalten ihre Kapazitäten so lange aufrecht, bis andere gezwungen sind, das Spielfeld zu verlassen.

Mehr als ein paar Tausend Entlassungen

Hintergrund der Analyse bildet das schwierige Umfeld des Investmentbankings seit der Finanzkrise. Laut einer Schätzung der Finanzforscher von Freeman & Co. sind die Gebühreneinnahmen im Investmentbanking seit 2009 um 25 Prozent gesunken, wie Bloomberg schreibt. Gleichzeitig würden gemäss einer Studie von Bain & Co. neue Kapitalvorschriften die durchschnittliche Eigenkapitalrendite von 14 Prozent auf 8 Prozent senken. «Um die Entscheidung herauszuzögern, welche Einheiten geschlossen werden, stützten sich Banken auf rekordtiefe Zinsen und die günstige Refinanzierung durch die Europäische Zentralbank», schreibt Bloomberg.

«Last Man Standing» sei ein mittelmässiger Film mit fürchterlich eindrucksvollen Schiessereien, schreibt ein User, der einige Sequenzen des Streifens auf Youtube hochgeladen hat (siehe Video). Die Analogie dürfte zur Entwicklung passen, die auf Europas Investmentbanken zukommt. Manche Banken müssten hinstehen und sagen: «Wir brauchen 30 bis 50 Prozent weniger Leute», zitiert Bloomberg einen Analysten des Assetmanagers Allianceberenstein in London. Der Kahlschlag müsse mehr als ein paar Tausend Angestellte da und dort betreffen, so der Analyst: «Wir befinden uns an einem Wendepunkt.»

Nur die absolut stärksten überleben

Durch die Regulierungen besonders herausgefordert sind die Schweizer Grossbanken. Während die Basel-III-Vorschriften Kapitalquoten von 10,5 Prozent auf die risikogewichteten Aktiven vorsehen, verlangt die Schweizer «Too big to fail»-Gesetzgebung ab 2019 Quoten von bis zu 19 Prozent. Im vergangenen Quartal verzeichnete die UBS einen Vorsteuerverlust von 130 Millionen Franken im Investmentbanking, verursacht durch zurückgehende Einnahmen und den Handelsverlust beim Facebook-Börsengang. Credit-Suisse-Chef Brady Dougan kündigte vergangenen Monat Kostensenkungen im Investmentbanking von 550 Millionen Franken an, ohne auf daraus resultierende Entlassungen einzugehen.

«Es wird noch mehr kommen», zitiert Bloomberg den Chefanalysten des weltgrössten Bondinvestors Pacific Investment Management in London, Philippe Bodereau. Die Aussage ist auf Europas grösste Investmentbanken gemünzt, die bei der Deutschen Bank, der britischen Barclays, der UBS und Credit Suisse beheimatet sind. Gemäss Bloomberg planen auch «kleinere Jungs» wie Unicredit und Credit Agricole mittels Partnerschaften die Konsolidierung. Bereits im Januar kündigte die Royal Bank of Scotland an, im Investmentbanking 3500 Jobs zu streichen.

«Es wird ein ‹survival of the very, very fittest›», sagt der UK-Chef von PricewaterhouseCoopers, Kevin Burrowes, zu Bloomberg. Als mögliche Profiteure stehen nach Ansicht eines Finanzanalysten von J. P. Morgan die US-Banken bereit: Diese seien bereits stärker konsolidiert und könnten Marktanteile hinzugewinnen, wenn europäische Banken Geschäftseinheiten im Investmentbanking aufgeben würden. Wer auch immer am Schluss überleben wird: Es deutet vieles darauf hin, dass im Investmentbanking eine Strukturbereinigung in Wildwest-Manier bevorsteht.

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