Darf der Hund an den Arbeitsplatz?

Was tun, wenn der Lohn immer zu spät kommt? Kann man etwas machen gegen die missbräuchliche Kündigung? Müssen Mütter von kleinen Kindern Überstunden leisten? Diese und neun weitere Fragen zum Arbeitsrecht.

Es gibt Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern gestatten, den Hund zur Arbeit mitzunehmen. Dies muss jedoch bei Stellenantritt Vertragsinhalt sein.

Es gibt Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern gestatten, den Hund zur Arbeit mitzunehmen. Dies muss jedoch bei Stellenantritt Vertragsinhalt sein.

(Bild: Keystone)

1. Meine Arbeitgeberin hat mir bei Stellenantritt bewilligt, den Hund an den Arbeitsplatz mitzunehmen. Jetzt will sie das verbieten. Geht das?
Nein, aber sie kann eine Änderungskündigung machen. Eine Änderungskündigung ist die Kündigung eines bestehenden Arbeitsverhältnisses unter gleichzeitigem Anbieten eines neuen Arbeitsverhältnisses zu geänderten Bedingungen. Unterschreibt man den neuen Vertrag, gelten die neuen Bedingungen. Der Hund kann also nicht mehr mit an den Arbeitsplatz genommen werden.

2. Wie viele Wochen Ferien habe ich im Jahr?
Meist steht die Anzahl Ferienwochen im individuellen Arbeitsvertrag, im Personalreglement, auf welches der Arbeitsvertrag verweist, oder in einem anwendbaren Gesamtarbeitsvertrag. Von Gesetzes wegen garantiert sind dem Arbeitnehmer pro Dienstjahr fünf Ferienwochen bis zum vollendeten 20. Altersjahr und danach vier Wochen.

3. Warum bekommt man für die Beerdigung des Bruders mehr freie Tage als für den Schwiegervater?
Gemäss Obligationenrecht sind dem Arbeitnehmer freie Stunden und Tage zu gewähren zur Erledigung dringender persönlicher Angelegenheiten. Dazu gehört auch der Todesfall von Familienmitgliedern. Allerdings ist dabei die Nähe der Verwandtschaft zu berücksichtigen. So können Arbeitnehmende beim Tod eines Geschwisters oder eines Elternteils mehr freie Zeit einfordern als beim Todesfall eines entfernteren Verwandten wie Schwiegereltern.

4. Ich bin Arbeitnehmerin und wurde freigestellt. Was bedeutet das?
Der Arbeitgeber verzichtet bei einer Freistellung bereits während der Kündigungsfrist auf die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers. Das Arbeitsverhältnis läuft rechtlich gesehen trotz Freistellung bis zum Ende der Kündigungsfrist weiter. In der Freistellungszeit hat der Arbeitnehmer Anspruch auf den vollen Lohn.

5. Habe ich während der Freistellung Anspruch auf Zusatzleistungen?
Ja, der Arbeitgeber schuldet bis dahin den vollen Lohn inklusive regelmässiger Zulagen wie etwa 13. Monatslohn, Durchschnittsprovision, vertraglich zugesicherte Privatnutzung des Geschäftswagens oder anderes. Anspruch auf Spesen hat die Arbeitnehmerin während der Freistellungszeit nur, wenn sie Lohncharakter haben.

6. Ich muss regelmässig Überstunden leisten, und der Chef will, dass ich sie durch Freizeit kompensiere. Geht das?
Nach Gesetz darf die Überstundenkompensation durch Freizeit nur erfolgen, wenn der Arbeitnehmer zustimmt. Gibt es dazu keine vertragliche Abmachung, kann er auf Auszahlung beharren. Dabei ist ein Zuschlag von 25 Prozent geschuldet. Ausnahme: Es gibt eine anders lautende schriftliche Abmachung.

7. Ich arbeite Teilzeit als Verkäuferin. Mein Chef will, dass alle Angestellten Überstunden machen. Kann er das verlangen, auch wenn ich Kinder betreuen muss?
Die Arbeitszeiten werden grundsätzlich im Arbeitsvertrag festgelegt. Gemäss Artikel 321c des Obligationenrechts ist jedoch der Arbeitnehmer verpflichtet, Überstunden zu leisten, «soweit er sie zu leisten vermag und sie ihm nach Treu und Glauben zugemutet werden können». Diese sehr vage Formulierung bedeutet, dass es auf die konkrete Situation ankommt. Es kann sein, dass von einem Teil der Mitarbeitenden Überstunden verlangt werden, vom anderen Teil mit gesundheitlichen Problemen oder familiären Pflichten jedoch nicht. Nicht zumutbar sind Überstunden, wenn der Arbeitgeber sie durch zweckmässige Arbeitseinteilung oder die Einstellung zusätzlichen Personals vermeiden könnte.

8. Mein Chef bezahlt mir dauernd den Monatslohn zu spät. Kann ich mich wehren?
Wer den Lohn nicht rechtzeitig Ende Monat erhält, sollte nicht lange warten. Als Erstes muss man den Arbeitgeber schriftlich mahnen. Dabei setzt man ihm eine kurze Frist und verlangt Verzugszins. Das Gesetz schreibt fünf Prozent vor. Bleibt der Lohn trotz Mahnungen aus, kann man die Arbeit niederlegen, bis der Arbeitgeber bezahlt. Vor der Arbeitsniederlegung sollte man unbedingt einen Arbeitsrechtsspezialisten konsultieren.

9. Wie lange kann ich gegen die missbräuchliche Kündigung vorgehen? Wollen Sie deswegen eine Entschädigung geltend machen, müssen Sie unbedingt noch während der Kündigungsfrist schriftlich beim Arbeitgeber protestieren. Ist keine Einigung möglich, muss man innert 180 Tagen seit Beendigung des Arbeitsverhältnisses Klage beim Arbeitsgericht einreichen. Der Gekündigte muss die Missbräuchlichkeit der Kündigung beweisen. Allfällige Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeber sollten daher schriftlich geführt werden, damit man die Vorgeschichte einer Kündigung beweisen kann.

10. Ich, Stundenlöhner, habe eine Grippe. Bekomme ich keinen Lohn?
Doch. Bei Krankheit und Unfall sind Angestellte im Stundenlohn wie alle anderen geschützt. Ist der Lohn variabel, wird ein Durchschnittslohn ausbezahlt.

11. Am 1. September sollte ich eine neue Stelle antreten. Nun habe ich ein besseres Angebot bekommen. Kann ich vor Antritt der Stelle kündigen?
Ja, eine Kündigung vor Aufnahme der Arbeit ist möglich. Die Kündigungsfrist beginnt mit dem vorgesehenen Stellenantritt und endet auf den frühestmöglichen Kündigungstermin. Der erste Monat gilt als Probezeit, sofern nichts anderes abgemacht wurde. Die Kündigungsfrist beträgt sieben Tage. Ganz korrekt müsste der Arbeitnehmer die Stelle antreten und einige Tage arbeiten. Daran hat der Arbeitgeber aber meist kein Interesse, darum einigt man sich, dass der Angestellte die Arbeit nicht aufnehmen muss.

12. Weil mein Mann krank wurde, musste ich während der Arbeit kurzfristig eine Betreuung für unsere Kinder organisieren. Dazu habe ich im Büro telefoniert. Mein Chef war empört und hat mir die fristlose Entlassung angedroht. Zu Recht?
Nein, denn Angestellte dürfen dringende persönliche Dinge während der Arbeitszeit erledigen. Dazu gehören unaufschiebbare Telefongespräche oder Mails.

Berner Zeitung

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