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«Diese Sollzinsen sind im aktuellen Umfeld absolut überrissen»

Wer sein Konto überzieht, zahlt schnell eine hohe Summe. In Deutschland verschleiern Banken diesen Sollzins. Wie steht es um Schweizer Banken?

Banken verlangen hohe Zinsen für minimale Kontoüberzüge: Der Zürcher Paradeplatz mit UBS und Credit Suisse. Bild: Keystone
Banken verlangen hohe Zinsen für minimale Kontoüberzüge: Der Zürcher Paradeplatz mit UBS und Credit Suisse. Bild: Keystone

In Deutschland schlägt zurzeit eine Diskussion über die Höhe des Dispozinses hohe Wellen. Den Banken wird vorgeworfen, diesen zu hoch anzusetzen und die Höhe des Zinses nicht genügend transparent zu kommunizieren. Die Anzahl der Banken, die 13 oder mehr Prozent auf Minusguthaben verlangen, sei ausserdem von 35 auf 11 gesunken. Jedoch liegt der Zins in den Augen von Stiftung Warentest immer noch zu oft über 10 Prozent, zum Teil betrage er sogar bis zu 16 Prozent. Dabei wurden 1472 Geldinstitute befragt. Davon hätten nur gerade 420 bereitwillig Auskunft gegeben. Bei 480 mussten die Tester persönlich vor Ort die Zinsen erfragen – bei dreien ohne Erfolg. Erfreulicher ist jedoch, dass der Dispozins im Durchschnitt gesunken ist. Nämlich von 10,65 auf 10,25 Prozent.

Dispozins – was ist das?

Grundsätzlich spricht man in der Schweiz eher vom «Sollzins auf Minusguthaben». Unter diesem ist der Preis zu verstehen, den ein Bankkunde zahlen muss, wenn er sein Privatkonto kurzfristig überzieht. Er bezeichnet also den Preis für eine kurzfristige «Mini-Verschuldung».

Der Dispozins für Privatkunden dürfe keinesfalls über 10 Prozent liegen, fordert nun Stiftung Warentest. Zumal die Banken den Sparern zurzeit kaum Zinsen zahlen und sich selbst zu Niedrigstzinsen Geld beschaffen könnten. Der gesamte Test erscheint in der Septemberausgabe der Zeitschrift «Finanztest». Als PDF gibt es den Artikel bereits hier.

Situation in der Schweiz ähnlich

Laut Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), zeige sich die Situation in der Schweiz ähnlich. Die Banken würden auch hierzulande kaum über ihre Sollzinssätze auf Minusguthaben informieren. Diese seien – wenn überhaupt – nur mit Mühe im Internet zu finden. Meist seien sie in der Gebührenordnung geregelt. «Diese Zinssätze sind natürlich im momentanen Zinsumfeld absolut überrissen und können mit keiner Begründung gerechtfertigt werden.» Stalder weist weiter darauf hin, dass die Thematik bei Kleinkrediten gerade aktuell sei. Darüber berichtete der «Tages-Anzeiger» Ende Juli.

Tatsächlich ist die Information über die Höhe des Zinssatzes online oftmals nur ganz am Ende der Zinskonditionen zu finden. Wer über keine Onlineaffinität verfügt, hat kaum Chancen, diesen schnell ausfindig zu machen. In der Regel befindet sich diese Information unter «Zinsen und Konditionen». Von einer aktiven Verschleierung kann nicht unbedingt die Rede sein.

Wie transparent sind Schweizer Banken wirklich?

Tagesanzeiger.ch/Newsnet befragte heute elf Banken zur Höhe ihres Dispozinses. Zwar antworteten von sich aus innerhalb des Morgens bereits fünf Banken, und nach intensivem Nachhaken kamen bis zum Abend auch die restlichen sechs Ergebnisse hinzu, jedoch bewegen wir uns nur minim – wenn überhaupt, eine konkrete Erhebung liegt nicht vor – unter dem Zinsniveau von Deutschland. Auch in der Schweiz verdienen Banken also viel Geld mit den Kleinstschulden privater Kunden.

Sollzinsen auf Minusguthaben bei Privatkonti

Die folgenden Sollzinssätze sind grundsätzlich als Kontoüberzug ohne Deckung zu verstehen.

BankSollzinsCredit Suisse12.5 %UBS12.5 %St. Galler Kantonalbank12 %Basler Kantonalbank12 %Coop-Bank11,5 %Raiffeisen10 %Zürcher Kantonalbank9.75 %Graubündner Kantonalbank9,75 %Bank Linth9.5 %Postfinance9,5 %Migros-Bank*

* Bei der Migros-Bank sei eine Kontoüberschreitung auf Privatkonti – Spezialfälle vorbehalten – technisch gar nicht möglich. Die Migros-Bank bestätigt auf Nachfrage, dass dies seit Jahren die Praxis sei.

Bei der St. Galler Kantonalbank seien Überzüge bei Privatkonti ebenfalls aussergewöhnlich. Ab 200 CHF suche die Bank schnell den persönlichen Kontakt. Der Zinssatz werde nur auf Anfrage bekannt gegeben.

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