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Geld in Kühe statt in Aktien anlegen

Statt in Wertpapiere in eine Kuh investieren? Der Naturschützer Guido Leutenegger will die Leute genau dazu ermuntern.

Der Naturschützer Guido Leutenegger hütet seine Hochlandrinder in Avegno TI.
Der Naturschützer Guido Leutenegger hütet seine Hochlandrinder in Avegno TI.
zvg

Kuhleasing, das gibt es bereits. Wer will, kann eine Kuh der Familie Wyler bei Brienz einen Alpsommer lang mieten und erhält im Gegenzug Käse zum Vorzugspreis sowie Besuchsrecht. Der Ostschweizer Guido Leutenegger geht nun einen Schritt weiter. Sein neues Konzept ist bestechend einfach: Kunden investieren einmalig 2500 Franken. Für das Geld setzt Leutenegger ein Hochlandrind für seine Landwirtschaftsprojekte im Tessin ein. Als Gegenleistung liefert er seinen Klienten über die nächsten zehn Jahre hinwegjährlich Ökoalpfleisch vom Hochlandrind im Wert von insgesamt 3500 Franken.

20 machen mit

«Das funktioniert für beide Seiten», versichert Leutenegger. «Wer sich engagiert, geht ein gewisses Risiko ein, dafür erhält er einen Mehrwert. Für mich ist der Deal attraktiv, weil ich diesen Mehrwert in Form von Fleisch zurückgeben kann.»

Auf die Idee zum Kuhinvestment gekommen sei er beim Gespräch mit einem befreundeten Bankangestellten. «Beim Fachsimpeln kamen wir darauf, dass die Banken früher Kühe belehnten», erzählt Leutenegger. «Da dachte ich, vielleicht finde ich ja privat Leute, die das machen würden.»

Tatsächlich: 20 Personen hat das Konzept sofort überzeugt. «Das mag nach wenig klingen, doch immerhin handelt es sich um eine 10-jährige Verpflichtung – und die Leute geben mir einen grossen Vertrauensvorschuss», meint der Initiant.

Über den Naturschutz

Der Thurgauer kommt nicht aus der Landwirtschaft. «Ich wusste vorher kaum, wo bei einer Kuh vorne und wo hinten ist», gesteht er. Doch der ehemalige Lehrer war lange im Naturschutz tätig: «So eignete ich mir das Fachwissen an.» Im Jahr 1990 gründete Leutenegger die Firma Natur Konkret, die sich zunächst auf Naturgartenbau und Schutzgebietpflege konzentrierte. Doch der Schwerpunkt verschob sich immer mehr in Richtung Landschaftspflege durch Hochlandrinder. Leutenegger befand schliesslich, er ziehe sich 2003 von seinem Amt als Stadtrat in Kreuzlingen zurück und widme sich endgültig seinen Hochlandrindern in Avegno TI.

Keine totale Neuerfindung

Könnte sein Konzept des Kuhinvestments Schule machen? Bei der Landwirtschaftlichen Organisation Bern und angrenzende Gebiete (Lobag) hat man zwar noch nichts vom Projekt des Ostschweizers gehört. Doch der Medienverantwortliche Christian Streun meint: «Natürlich wäre das eine Option.» Er verweist darauf, dass ähnliche Ideen im Raum Bern bereits lange Tradition haben. So schliessen bei der sogenannten Vertragslandwirtschaft Bauer und Kunde einen Vertrag miteinander ab. Dabei legen sie fest, zu welchem Preis und wie häufig Lebensmittel geliefert werden. Leutenegger hat nun eine neue Variante entdeckt.

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