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Handytarife: «Wir zahlen mehr als alle anderen»

Telefonieren mit dem Handy kostet in der Schweiz bis zu 80 Prozent mehr als im EU-Durchschnitt. Konsumentenschützer finden das «schockierend». Sie fordern Ordnung im Tarifdschungel und eine Gesetzesrevision.

BZ Grafik: Signer

Die Schweiz hat mehr SIM-Karten als Einwohner. Mit einer Marktdurchdringung von 110,9 Prozent nutzt statistisch gesehen jeder Mensch in der Schweiz mehr als ein Handy. Und er zahlt verhältnismässig viel dafür: Die Mobiltelefontarife in der Schweiz liegen noch immer weit über dem europäischen Durchschnitt. Dies zeigt eine Untersuchung des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom), die gestern in Biel vorgestellt wurde. Letztes Jahr zahlten Schweizer Handynutzer durchschnittlich 57 Prozent mehr als jene in der EU. Wenigtelefonierer mit Abo gaben gar 80 Prozent mehr aus. Auch die Terminierungsgebühren, welche die Telekommunikationsgesellschaften für die Umleitung von Anrufen in ein anderes Mobilfunknetz verrechnen, sind hier zu Lande hoch. Diese Gebühren liegen 36 Prozent über dem EU-Durchschnitt.Komplizierte AngeboteDie neusten Zahlen seien «schockierend», sagt Andreas Tschöpe von der Stiftung für Konsumentenschutz in Bern gegenüber dieser Zeitung. Dass mobiles Telefonieren in der Schweiz massiv teurer ist als in der EU, hat für den Konsumentenschützer zwei Hauptgründe. Einerseits wirkten die vielen verschiedenen Angebote von Swisscom, Sunrise und Orange auf Kunden «verwirrend». Dadurch sei es für viele Handynutzer zu kompliziert, Tarife zu prüfen – und den Anbieter zu wechseln. Der Marktanteil von Swisscom beträgt in der Schweiz denn auch satte 62 Prozent. Im EU-Durchschnitt kommen die sogenannten historischen Anbieter auf einen Anteil von lediglich 38,3 Prozent.«Andererseits», so Tschöpe, «gibt es zum Beispiel bei den Terminierungsgebühren eine Art Stillhalteabkommen unter den Anbietern. Niemand tritt dem anderen auf die Füsse.» Die Kommunikationskommission ComCom kann heute lediglich dann (preis-)regulierend eingreifen, wenn sich einer der drei Anbieter beschwert. Die St. Galler FDP-Ständerätin Erika Forster-Vannini möchte diesen Teil des Fernmeldegesetzes ändern. Der Ständerat hat ihre entsprechende Motion Anfang März angenommen. Der Nationalrat hat das Geschäft noch nicht behandelt.Festnetz ist günstigBesser als bei der Mobiltelefonie steht die Schweiz beim Telefonieren im Festnetz da. Zwar sind Ortsgespräche hier zu Lande teurer als in den meisten europäischen Ländern. Dafür liegen die Tarife für Gespräche ins Ausland markant unter dem europäischen Durchschnitt. Einen Spitzenplatz belegt die Schweiz bei der Versorgung mit Breitbandanschlüssen für den Internetzugang. Der Versorgungsgrad lag Anfang 2009 bei 32,9 Prozent. Unter den 30 OECD-Staaten belegt die Schweiz hinter Dänemark, Holland und Norwegen den vierten Platz.

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