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Hohe Gipfel, hohe Kurse

Hauptsache, ein Gipfel. Bergbahnen, die eine spektakuläre Bergspitze erschliessen, haben oft auch an der Börse kräftigen und anhaltenden Höhenwind. Bei den Besten der Branche hat dieses Rezept jedenfalls überaus gut funktioniert.

Sicher nicht hier. Wer nach helvetischen Wachstumswerten Ausschau hält, der wird sie gewiss nicht in der problembehafteten Tourismusbranche suchen. Zu viel Unbilden haben diesen Wirtschaftszweig in den letzten ­Jahren heimgesucht. Zu leiden hatte diese Branche speziell an der überharten einheimischen Währung.

Die aktuellsten Zahlen aus dem Wintertourismus stimmen denn auch wenig optimistisch. Nach Angaben des Verbandes der Seilbahnen fiel die Zahl der Gäste in diesem Winter im Vergleich zum Vierjahresdurchschnitt um 8,0 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sieht die Bilanz etwas besser aus. Per Ende Januar, nach der Halbzeit der Wintersaison, lag die Zahl der Gäste wieder 3,1 Prozent über jener der Vorjahres­periode.

Angesichts der nach wie vor schwierigen Verhältnisse machen viele Bahnbetreiber aber eine erstaunlich gute Figur. Die Abschlüsse 2015 der Bergbahnunternehmen fielen mehrheitlich gut bis sehr gut aus. Die Branchentopunternehmen Jungfrau, Titlis und Rigi erreichten sogar neue Rekordergebnisse. Resultate, die allerdings im abgelaufenen Geschäftsjahr nicht durchwegs wiederholt werden konnten.

Erstmals seit längerer Zeit mussten auch zwei der sechs Vorzeigeunternehmen (siehe Tabelle) etwas zurückbuchstabieren. Dies hauptsächlich wegen des schwachen Winterauftakts und des unbefriedigenden Geschäfts über Weihnachten und Neujahr. Neue Visumsvorschriften für Chinesen, die Wirtschaftslage im Land der Mitte und die Angst vor Terroranschlägen in Europa haben sich negativ auf das zuvor stark wachsende Asien-Geschäft ausgewirkt. Bei den Titlisbahnen fiel der Gewinn sogar um die Hälfte, und die Dividende musste gekürzt werden. Auch die Jungfraubahnen blieben deutlich hinter dem Rekordergebnis des Vorjahres zurück.

Langlebiges Geschäft

Doch Branchenkenner wissen es: Das Bergbahngeschäft ist stark investitionslastig und alles andere als ein kurzlebiges Mode­geschäft. Wer einmal auf der Erfolgsspur ist, fällt nicht so schnell wieder daraus heraus. Und bei den Branchenbesten wie den Jungfraubahnen, Titlis-, Pilatus-, Rigibahnen, aber auch bei der Schilthornbahn oder der Brig-Visp-Zermatt-Bahn zeigt der Grundtrend nun schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten steil nach oben. Dies scheinbar unabhängig von der Konjunktur und politischen Ereignissen.

Die Aktie der Jungfraubahnen etwa befindet sich seit 2009 in einem steilen Aufwärtstrend und zählt mit einer Kursverdreifachung innert fünf Jahren zu den Topperformern im SPI. Der kleine Rückschlag von 2016 ist für die Geschäftsleitung denn auch kein Anlass zum Pessimismus. Dies umso weniger, als der Start ins laufende Geschäftsjahr 2017 wieder erfreulich verlaufen sei.

Dem Erfolgsrezept der letzten Jahre wollen die Berner Oberländer treu bleiben: Es wird weiter investiert. Bis 2018/2019 will der Bahnbetreiber mit seiner neuen V-Bahn die Reisezeit massiv verkürzen. Die Baubewilligung für das nicht ganz unumstrittene Projekt hat sich in diesem Frühjahr allerdings erneut verzögert.

Die Berner Oberländer wollen ihr Angebot aber auch mittels ­Kooperationen verbessern. Zu diesem Zweck hat man vor kurzem beschlossen, mit dem österreichischen Wintersportort Sölden zusammenzuarbeiten. Eine Idee, der sogar von der Konkurrenz applaudiert wird. «Eine gute Tat, um den Wintersport in der Schweiz zu stärken», findet Norbert Patt, Chef der Titlisbahnen, «mit den Branchenbesten zu kooperieren, macht Sinn.»

Kursrakete Titlisbahnen

Sogar noch ein deutlich rascheres Tempo angeschlagen haben die Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis. Zwar ist die Aktie seit gut einem halben Jahr in einen Seitwärtstrend eingeschwenkt, doch hat sie zuvor während vierzehn Jahren einen beeindruckenden Aufwärtssprint hingelegt. Zwischenzeitliche Kursrückschläge waren jeweils nur von kurzer Dauer. In den letzten zehn Jahren hat sich der Wert der Aktie mehr als verfünffacht. Rascher als jeder andere Bergbahntitel und rascher auch als die meisten übrigen Schweizer Aktien.

Bezüglich Ertragskraft haben nach einer Studie von Philipp Lütolf, Professor am Institut für Finanzdienstleistungen Zug, die Jungfrau-, Pilatus- und Titlisbahnen die Nase deutlich vorn. Die Rigi- und Schilthornbahnen kommen dem Toptrio aber sukzessiv näher. Generell sind all die genannten Bergbahnunternehmen überaus solide finanziert.

Die Pilatusbahnen sind sogar völlig schuldenfrei. Die übrigen Kennzahlen liegen etwa im Rahmen des Gesamtmarktes. Und die Dividendenrenditen liegen mit 1,4 bis 2,3 Prozent in der Grössenordnung anderer Wachstumswerte. In Bezug auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist die Aktie der Titlisbahnen klar am attraktivsten bewertet.

Es geht weiter so

Erfreulich: Bei den Top sechs stimmen die langfristigen Erfolgsfaktoren weiterhin: Die entsprechenden Unternehmen und Destinationen investieren unverdrossen weiter in Bahn- und Beherbergungsangebote, bieten ständig neue Erlebnisse und Attraktionen und legen das Schwergewicht immer stärker auf die Sommersaison: «All diese Unternehmen haben zudem schon früh mit der Bearbeitung der interkontinentalen Märkte begonnen, vor allem des asiatischen Raums», hat Tourimusexperte Philipp Lütolf unlängst an einem Symposium festgestellt.

Norbert Patt, CEO der Titlisbahnen, sekundiert: «Es ist eindeutig, fehlende Investitionen in die Infrastruktur sind die grössten Versäumnisse der Branche.» Bei den Schilthornbahnen sind es neue Investitionen in die neuen Ausflugsangebote Bond World 007, Skyline Walk, Piz Gloria View, Walk of Fame und Thrill Walk, die helfen sollen, die Zukunft zu sichern.

Mit der grossen Kelle rührt, wie schon gewohnt Zermatt an. In einem Grossprojekt bauen die Bergbahnen zunächst die Transportkapazität zum «Matterhorn glacier paradise» mit einer zusätzlichen Bahn aus. Danach soll eine Pendelbahn von Testa Grigia zum «Matterhorn glacier para­dise» erstellt werden. So wird die Verbindung nach Italien auch im Sommer und auch für Fussgänger möglich sein. Zermatt will so vor allem bei asiatischen Gästen punkten.

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