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Neue Datenbank gegen Betrug

Die Autoversicherer wollen Betrügern das Handwerk legen: Sie testen eine Datenbank, in der Autos registriert werden, die in einen Schadenfall verwickelt waren. Diese soll verhindern, dass Betrüger Schäden zwei Mal melden.

Bei der Betrugsbekämpfung gehen die Autoversicherer neue Wege: Sie planen eine Datenbank, in welche die Schadenfälle in der Autoversicherung eingetragen werden. Derzeit ist beispielsweise die Mobiliar Versicherung mit Sitz in Bern daran, ihre Kunden zu informieren. Die Information aller Versicherten ist eine Vorbedingung für die Betriebsaufnahme, welche voraussichtlich im dritten Quartal 2009 erfolgen wird. Die Grossen sind dabeiDie grossen Versicherer wie die Mobiliar, Axa Winterthur, «Zürich», Allianz, Generali, Helvetia und Bâloise sind an diesem Projekt beteiligt, das vom Schweizerischen Versicherungsverband getragen wird. In der Datenbank werden Angaben von Autos erfasst, die in einen Schadenfall verwickelt waren. Der Versicherungsverband will nicht im Detail erläutern, welche Daten erhoben werden. Klar ist aber, dass bei jedem Schadenfall Angaben wie Automarke, Typ, Seriennummer sowie die Art des Schadens erfasst werden. Personendaten werden nicht erfasst. Im Autoversicherungsgeschäft ist der Missbrauch ein grosses Thema: «Genaue Zahlen und Statistiken gibt es leider nicht, was in der Natur der Sache liegt», sagt Beat Krieger, Sprecher des Schweizerischen Versicherungsverbandes. Dennoch wagt er eine Schätzung: «10 Prozent der Schadensleistungen beruhen auf ungerechtfertigten Forderungen. Das verteuert die Prämien.» Angesichts der jährlichen Schadenssumme von rund 3,2 Milliarden Franken bei den Autoversicherungen beläuft sich die Betrugssumme auf rund 300 Millionen Franken.Suche nach AuffälligkeitenEntwickelt wird die Datenbank vom Informatikunternehmen Bedag, das mehrheitlich dem Kanton Bern gehört. Das System analysiert die Informationen mit Wahrscheinlichkeitsregeln nach Auffälligkeiten. Die Versicherer hoffen, dass das neue System einen Klassiker unter den Betrugsmethoden verhindern wird: Der Betrüger meldet sich nach einem Hagelschaden an seinem Auto beim Schadencenter seiner Versicherung, kassiert die Versicherungsleistung, ohne den Schaden zu beheben. Dann wechselt er den Versicherer und meldet beim nächsten Hagelschlag den Schaden bei seinem neuen Versicherer zum zweiten Mal. Die Erfassung von Fahrzeug- statt Personendaten hat für die Versicherer einen grossen Vorteil: Ein Betrüger kann nicht mehr mit dem gleichen Auto immer wieder Schäden geltend machen – einfach indem er den Versicherer wechselt, der die Vorgeschichte des Autos nicht kennt. Indem die Versicherer Daten über Fahrzeuge und Schadenfälle statt über Personen erfassen, vermeiden sie geschickt heikle datenschutzrechtliche Fragen. Dem im Datenschutzgesetz verankerten Einsichtsrecht wollen die Betreiber Beachtung schenken, indem die Fahrzeughalter das Recht haben, die über ihre Fahrzeuge erfassten Daten einzusehen. Das Gespür bleibt gefragtAlle Fälle von Versicherungsbetrug kann aber auch die neue Datenbank nicht vermeiden: So wird es für die Versicherungsgesellschaften auch inskünftig schwierig festzustellen sein, wenn ein Versicherter falsche Angaben zum Schadenfall macht. Das gute Gespür der Schadeninspektoren und der Versicherungsdetektive wird also auch weiterhin gefragt sein.>

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