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Über 500 Anleger der ASE Investment bangen um ihr Vermögen

Ein Vermögensverwalter lockte mit hohen Renditen. Seit Dienstag sitzt er in Untersuchungshaft. Die Investoren wissen nicht, was aus ihrem Geld geworden ist.

Wurden Dokumente der Basler Kantonalbank gefälscht? Sie diente der ASE Investment als Depotbank.
Wurden Dokumente der Basler Kantonalbank gefälscht? Sie diente der ASE Investment als Depotbank.
Gaëtan Bally, Keystone

Von 600'000 Franken sind noch 9500 auf dem Konto. «Für mich ist das eine Katastrophe», sagt sie. Sie will nicht mit Namen genannt werden. Nennen wir sie Daniela Ratlos. Einerseits ist sie verzweifelt, andererseits ist ihr die Sache peinlich. Eigentlich weiss ja jede und jeder, dass man auf zu hohe Renditeversprechen misstrauisch reagieren und dass man nicht alles in den gleichen Topf legen sollte.

Daniela Ratlos vertraute mit ihren 600'000 Franken «einen grossen Teil des Vermögens» der ASE Investment an. Ein schwacher Trost ist für sie, dass ihre Freundin bei der Gesellschaft mit 1,3 Millionen Franken gar das Doppelte aufs Spiel setzte – «alles, was sie hat». Hatte, muss man heute sagen, auch wenn unklar ist, was vom Geld noch gerettet werden kann. Die Abklärung ist im Gang.

Verfahren auch gegen den Treuhänder

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht M. S., Devisenhändler, Geschäftsführer und Partner der ASE Investment AG mit Sitz in Engelberg und Geschäftsstelle in Frick. Als Wohnort gibt er Bangkok an. Seit Dienstag wohnt er allerdings im Untersuchungsgefängnis des Kantons Aargau. Das bestätigt Elisabeth Strebel, Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft. Es seien mehrere Anzeigen eingegangen.

Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren wegen Verdachts auf Urkundenfälschung und weiterer Vermögensdelikte eröffnet. Das Verfahren richtet sich gemäss Strebel gegen zwei Verantwortliche – auch gegen S. M., Treuhänder, Partner und Verwaltungsratspräsident der ASE. Gegen ihn wurde aber keine Untersuchungshaft angeordnet. Für beide gilt die Unschuldsvermutung.

Verantwortliche unter Aufsicht

Zu sagen haben die beiden Herren in ihrer Gesellschaft seit Ende letzter Woche nichts mehr. Parallel zum Strafverfahren der Aargauer Behörden läuft ein Aufsichtsverfahren der Finanzmarktaufsicht Finma. Diese setzte letzte Woche mittels superprovisorischer Verfügung die Berner Transliq, eine auf Konkurse und Liquidationen spezialisierte Gesellschaft, als Untersuchungsbeauftragte ein. Sie hat gemäss Finma-Sprecher Tobias Lux weitreichende Kompetenzen, ist bei der ASE unterschriftsberechtigt. «Ohne sie geht nichts mehr», sagt Lux. Die bisherigen ASE-Verantwortlichen sind entsprechend entmachtet.

Was sich bei der ASE genau abspielte, ist unklar. M. S. war offenbar vor allem im Geschäft mit Devisen aktiv. In Dokumenten wies die ASE für die Jahre 2002 bis 2012 eine jährliche Durchschnittsrendite von 17,17 Prozent aus. Quartalsweise bediente der Vermögensverwalter Daniela Ratlos mit Kontoauszügen und Marktberichten.

BKB brachte Untersuchung ins Rollen

Als Depotbank diente in diesem Fall die Basler Kantonalbank (BKB). Ratlos erhielt von der BKB immer Ende Jahr einen Kontoauszug beziehungsweise eine Steuerbescheinigung. Die Zahlen dieser Dokumente liessen keinen Rückschluss auf einen Vermögensschwund zu und waren deshalb kein Grund zur Beunruhigung. Es besteht der Verdacht, dass die Auszüge gefälscht worden sind. Die Frage, ob die Dokumente direkt oder über die ASE an die Kunden verschickt worden sind, wollte die BKB gestern nicht beantworten. Genauso wenig die Frage, ob bei der BKB niemand die auflaufenden Verluste auf den Konten der ASE-Kunden bemerkt habe.

Immerhin hat die BKB die Untersuchung ins Rollen gebracht, wie Finma-Sprecher Lux bestätigt. Die Bank teilt zu diesem Punkt mit: «Aufgrund eines konkreten gegen Ende März bei der Basler Kantonalbank eingegangenen Kundenhinweises hat die Bank umgehend Strafanzeige erstattet und die Finma informiert.» Neben der BKB haben mehrere andere Finanzinstitute als Depotbanken mit der ASE zusammengearbeitet – dem Vernehmen nach Swissquote, was diese weder bestätigt noch dementiert.

Vermittler gibt sich schweigsam

Ratlos und ihre Freundin haben sich auf Anraten der Herrliberger Versicherungs-Treuhand VTK Kurz GmbH auf die ASE eingelassen. Hansruedi Kurz, Vorsitzender der Geschäftsleitung, verweigert jede Auskunft und verweist auf seinen Anwalt, der gestern nicht erreichbar war. Verschiedene Vermittler zeigen sich in Briefen an die Geschädigten überrascht und sehen sich selbst als Opfer.

Finma-Sprecher Lux geht davon aus, dass «Stand heute über 500 Kunden betroffen sind». Über die Schadensumme lasse sich noch nichts sagen. Multipliziert man die zurzeit verschollenen 600'000 Franken von Ratlos mit den 500 Kunden, kommt man auf 300 Millionen Franken. Fest steht gemäss Lux, dass die ASE über keine Bewilligung als Effektenhändlerin verfügte.

Der Zürcher Wirtschaftsanwalt Daniel Fischer vertritt mehrere Geschädigte. Er gibt sich zuversichtlich, Geld zurückholen zu können – nicht nur von der ASE: «Ich glaube, dass Verschiedene involviert sind, von denen man Geld bekommen kann. Ich denke an Depotbanken, Vermittler und Revisionsgesellschaften.»

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