«Wer Porsche fahren will, muss einen Porsche bezahlen»

Die Zahl der Skifahrer steigt – aber nicht in den Schweizer Skigebieten. Das liegt auch an den Preisen, befindet eine aktuelle Studie. Die Skigebiete sind diese Diskussion leid.

Moderne Infrastruktur habe ihren Preis: Gäste geniessen ihren Skitag in Arosa. (Archivbild)

Moderne Infrastruktur habe ihren Preis: Gäste geniessen ihren Skitag in Arosa. (Archivbild)

(Bild: Keystone)

Raphael Rehmann@tagesanzeiger

Skifahren boomt: Im gesamten Alpenraum nahm die Anzahl der Skitage in den letzten zwölf Jahren um 13 Prozent zu. Es wären gar über 20 Prozent, wenn man die Schweiz nicht mitrechnen würde. Denn hier ging die Zahl der Skitage im gleichen Zeitraum um 18 Prozent zurück. In den letzten zehn Jahren hat die Zahl der Skitage in Schweizer Skigebieten jedes Jahr um zwei Prozent abgenommen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie des Wirtschaftsforums Graubünden.

Die Schlussfolgerung: Skifahrer gehen ihrem Hobby lieber im Ausland nach – auch aus finanziellen Gründen. Die Kommentarschreiber auf berneroberlaender.ch/Newsnetz bestätigten diesen Befund schnell: «Unverschämte Preise» oder «Schweineteuer» waren Argumente, die gegen einen Besuch in Schweizer Wintersportorten vorgebracht wurden.

Nur in der Wahrnehmung teurer

Während die Skigebiete Zahlen und Erkenntnisse der Studie bestätigen, haben sie für das Geldargument wenig Verständnis. «Ehrlich gesagt: Wir sind die Preisdiskussion leid», sagt Bruno Fläcklin, Tourismusdirektor der Lenzerheide. Schweizer Skigebiete seien nicht teurer geworden, sondern würden oft bloss so wahrgenommen. «Der Preisnachteil, den wir heute haben, liegt meist am starken Franken», erklärt er und macht ein Rechenbeispiel. «Im österreichischen Ischgl kostete die Tageskarte früher 40 Euro. Beim damaligen Wechselkurs waren das 60 Franken. Heute kostet sie 50 Euro, das sind noch immer 60 Franken. Die Preise sind also nur für die Schweizer gleich geblieben.»

Die Preisdiskussion werde insbesondere von den Medien immer wieder befeuert. «Wir wollen uns aber mehr über die Leistung verkaufen und nicht über den Preis», sagt Fläcklin. Hier habe gerade die Lenzerheide einen Vorteil, etwa durch die moderne Infrastruktur. «Wir sind ein Porsche unter den Skigebieten. Und wer einen Porsche fahren will, der muss einen Porsche bezahlen.»

Anders kommunizieren

Um den negativen Trend zu stoppen, den die Studie feststellt, setzen Fläcklin und die Lenzerheide deshalb auf Kommunikation. Die Konkurrenz durch andere Angebote, ob in den Skigebieten oder am Wohnort der Gäste, sei gross. Und Skifahren sei nicht mehr in erster Linie ein Sport; an einem Skitag gehe man auch mal Langlaufen, ebenso im Zentrum stünden der Unterhaltungsfaktor und die Geselligkeit. «Das müssen wir auch so verkaufen, dann kommen die Gäste wieder.»

Auch andere Wintersportdestinationen wollen in diesem Bereich ansetzen. «Wir wollen nicht nur Skifahren promoten, sondern das Schneesporterlebnis ins Zentrum rücken», sagt Pascal Jenny, Kurdirektor von Arosa Tourismus. Zudem trage man der Konkurrenz durch andere Angebote Rechnung, indem man auch anderes fördere – und etwa die Skigebiete für Wanderer öffne. «Die Chance auf Ausgaben am Berg steigt so wieder an.» Wie man die Leute einen bis zwei Tage mehr auf die Piste bringe, darüber müsse man sich noch Gedanken machen, sagt Jenny.

Attraktiver für Kinder und Ältere

Eine Hoffnung ist der Nachwuchs. Arosa und die Lenzerheide setzen sich dafür ein, dass die Kleinen möglichst unkompliziert Zugang zu den Skigebieten haben und bereits früh mit dem Wintersport in Berührung kommen. Auch in Bezug auf ältere Personen sei «einiges am Tun», sagt Fläcklin von der Lenzerheide. «Die Branche ist aktiv und kreativ.»

Die Umsetzung solcher Ideen dauere wenige Jahre. Wenn das Angebot dann stimme, spiele auch der Preis nicht mehr eine so grosse Rolle – ein Angebot solle kosten, was es eben wert sei, sagt Fläcklin. «Im Moment ist das bei uns der Fall. Und mit all den Investitionen, die anstehen, haben wir sogar noch etwas Luft nach oben.»

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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