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Getrübte Freude im Jubiläumsjahr

Das 100-Jahr-Jubiläum der Uhrenmesse steht unter einem schlechten Stern. Die Baselworld startet heute im Zeichen von Unsicherheit und Flaute. Umso mehr besinnen sich die Organisatoren auf die Wurzeln des Anlasses zurück.

Präzision und Sexappeal: Hostessen an einem Messestand von Jacob & Co. (16. März 2016)
Präzision und Sexappeal: Hostessen an einem Messestand von Jacob & Co. (16. März 2016)
Walter Bieri, Keystone
Hinter Sicherheitsglas: Die Schweizer Uhrenbranche musste im vergangenen Jahr nach einem Rekordjahr 2014 einen Rückgang hinnehmen. Die Ausfuhren gingen um 1,6 Prozent auf rund 28,1 Millionen zurück.
Hinter Sicherheitsglas: Die Schweizer Uhrenbranche musste im vergangenen Jahr nach einem Rekordjahr 2014 einen Rückgang hinnehmen. Die Ausfuhren gingen um 1,6 Prozent auf rund 28,1 Millionen zurück.
Michael Buholzer, AFP
Präzisionsarbeit: Ein Uhrenmacher arbeitet am Uhrwerk einer Armbanduhr.
Präzisionsarbeit: Ein Uhrenmacher arbeitet am Uhrwerk einer Armbanduhr.
Michele Tantussi/Getty Images
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Es waren Krisenzeiten, welche die Baselworld in ihrer heutigen Form hervorgebracht haben: Im Jahr 1917 fand in Basel die erste Schweizer Mustermesse statt, kurz Muba. Sie war ins Leben gerufen worden, um die einheimische Wirtschaft während des Ersten Weltkriegs zu unterstützen. Von den 831 Schweizer Ausstellern gehörten lediglich 29 zur Gruppe Uhren und Bijouterie.

Für ihre weltweite Bedeutung war die Branche damals untervertreten. Anfang der 1910er-Jahre beherrschte die Schweizer Uhrenindustrie mit einem Anteil von knapp 90 Prozent den Weltmarkt deutlich. Inzwischen ist dieser Wert auf 60 Prozent geschrumpft.

100 Jahre später sind die 220 Schweizer Aussteller in Basel erneut mit schwierigen Zeiten konfrontiert: Zwei Tage vor der heutigen Eröffnung der Baselworld 2017 wurde bekannt, dass die Schweizer Uhrenexporte im Februar weiter abgenommen haben. Für die exportorientierte Uhrenbranche ist dies der 20. Monat in Folge mit einem Rückgang.

Die Unsicherheit spürt auch die Baselworld, wo sich dieses Jahr vor allem aus Kostengründen 200 Aussteller weniger angemeldet haben. Nur noch 1300 Unternehmen stellen ihre Produkte aus. Bedeutende Luxus­uhrenmarken wie Omega, Rolex, Breitling und TAG Heuer leisten sich mehrstöckige Messestände, die mehrere Millionen Franken kosten. Kein Wunder, müssen sie um jeden Preis auffallen. Die Aussteller bringen an der Baselworld bis zur Hälfte ihres Jahresumsatzes in trockene Tücher.

Aussteller abgelehnt

Allerdings haben die Organisatoren der Uhrenmesse auch Aussteller abgelehnt, wie am Mittwoch bekannt wurde. Die Baselworld solle den globalen Markt repräsentieren, sagte Direktorin Syl­vie Ritter: «Bei diesem Prozess kommt es immer darauf an, Qualität über Quantität zu stellen.» Mit anderen Worten: Hersteller ohne Tradition, die nur schnellen Profit wollen, sind unerwünscht.

Ausserdem erwartet die Baselworld heuer 100 000 Besucher weniger. Nur noch 140 000 Händler und Uhrenliebhaber dürften bis 30. März 2017 durch die fünf Hallen auf dem Messegelände in Basel schlendern.

Mit Blick auf die Historie erinnerte der Präsident des Ausstellerkomitees an das Wesen der Baselworld, das gerade in schwierigen Zeiten eine Stärke gewesen sei. Die Messe habe sich durch ständige Veränderung stets dem Marktumfeld angepasst, sagte Eric Bertrand. Er spielte auf zwei Meilensteine an: 1973 öffnete sich die Muba europäischen Ausstellern. Elf Jahre später löste sich die Uhrenmesse vollständig von der Muba und positionierte sich als internationaler Anlass.

Vergleich mit gutem Essen

François Thiébaud, Präsident des Schweizer Ausstellerkomitees und Chef der Marke Tissot, wies auf das schwierige Ex­portjahr 2016 hin. Ein Einbruch bei den Ausfuhren von 9,9 Prozent gegenüber 2015 sei zwar schmerzhaft, aber «nicht kata­strophal». Thiébaud verglich die aktuelle Situation mit einem ­Restaurantbesuch: «Wer weniger Geld hat, verzichtet eher auf die Vorspeise statt auf den Hauptgang.» Die Branche müsse mit ­Innovation und Qualität dafür sorgen, dass Schweizer Uhren aus Sicht der Konsumenten weiterhin ein Hauptgang blieben.

Übrigens: Die Pioniere von 1917 schlossen an der Muba Geschäfte im Wert von 20 Millionen Franken ab. Heute würde dies 127 Millionen Franken entsprechen. Seither hat sich vieles bewegt. Allein der weltgrösste Uhrenkonzern – die Swatch Group in Biel mit Marken wie Tissot, Omega und Longines – erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 7,5 Milliarden Franken.

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