Gift in Schweizer Matratzen

Wer «ä tüüfe, gsundä Schlaaf» will, wünscht auch, sich giftfrei zu betten. Doch aktuell liegen in Schweizer Schlafzimmern wohl schon Tausende unlängst erworbene Matratzen, die giftige Stoffe enthalten.

Giftige Stoffe in Schweizer Matratzen: Wie viele Produkte verunreinigt sind, ist noch unklar.

Giftige Stoffe in Schweizer Matratzen: Wie viele Produkte verunreinigt sind, ist noch unklar. Bild: Fotolia

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Toluoldiisocyanat (TDI) ist ein Zwischenprodukt bei der Herstellung von Schaumstoffen, die unter anderem in der Matratzenproduktion verarbeitet werden. Wie Spiegel.de berichtete, hat der deutsche Chemiekonzern BASF über einen Monat lang TDI mit erhöhter Konzentration des mutmasslich Krebs erregenden Dichlorbenzol ausgeliefert. Betroffen sind auch einige Schweizer Firmen. Gemäss «20 Minuten» wurde der grösste Schweizer Produzent Bico, der mit dem bekannten Slogan «für ä tüüfe, gsundä Schlaaf» wirbt, vor zwei Tagen von einem Zulieferer informiert.

Wie viele Produkte verunreinigt sind, ist noch unklar. Die entsprechenden Matratzen müssen möglicherweise zurückgerufen werden. Insgesamt könnte es sich um Tausende handeln.

Bico, Recticel, Riposa

«Es kann sein, dass wir bei einem Teil unserer Marken betroffen sind», erklärte Catherine Röth­lin, Sprecherin des Herstellers Recticel in Büron LU am Donnerstag gegenüber «20 Minuten». Sie habe die Händler informiert, dass die Firma das Risiko und die Auswirkungen dieses Problems auf die Schaumstoffmatratzen noch nicht abschliessend einschätzen könne. «Als sofortige Vorsichtsmassnahme haben wir die Herstellung und Lieferung aller Matratzen gestoppt», so Röthlin. Nicht betroffen ist offenbar die Marke Superba.

Auch der Glarner Hersteller Riposa hat einen Produktionsstopp angeordnet. «Wir sind möglicherweise über Lieferanten von belasteten Produktbestandteilen betroffen. Wir klären momentan die ganze Beschaffungskette ab», gab Gründer Walter Schnellmann zu Protokoll. Aus Sicherheitsgründen habe man die Kunden informiert und notwendige Massnahmen getroffen. Bis auf weiteres verarbeite Riposa nichts.

Der Schweizer Zulieferer Foam­partner aus Wolfhausen ZH teilt mit, dass seine Kunden ebenfalls betroffen seien. Die Firma stehe mit BASF und Betroffenen in Kontakt. Die wirtschaftlichen Folgen der notwendigen Massnahmen seien noch nicht abschätzbar, dürften aber weitgehend durch die Lieferanten und Versicherungen gedeckt sein, so die Firma in einer Mitteilung.

5000 Tonnen zurückgeholt

Auf Anfrage nannte eine BASF-Sprecherin Zahlen: 50 Kunden in Europa, Afrika und dem Mittleren Osten seien mit verunreinigtem TDI aus Ludwigshafen beliefert worden. Etwa zwei Drittel der 7500 Tonnen verunreinigten TDIs seien noch nicht weiterverarbeitet worden. Bei bereits verarbeiteten Produkten steht BASF «im intensiven Austausch mit den Kunden» und hat 75 Spezialisten zur Unterstützung aufgeboten. Unverarbeitetes TDI und noch nicht eingenähte Schaumblöcke werden zurückgeholt. (tu)

Erstellt: 13.10.2017, 06:49 Uhr

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