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Kanton Solothurn macht erneut einen Strukturwandel durch Tiefe Arbeitslosenquote trotz des Verlustes vieler Jobs Von Thomas Gerber, sda Hintergrund

Der Kanton Solothurn muss seit Monaten wirtschaftliche Rückschläge verdauen.

Hunderte von Arbeitsplätzen gehen verloren, weil traditionelle Firmen wie die «Papieri» in Biberist den Betrieb einstellen. Der Kanton erweist sich jedoch als erstaunlich widerstandsfähig. Am Ende des Dramas in Etappen platzten alle Hoffnungen: 2008 machte die Zellstofffabrik des norwegischen Konzern Borregaard in Luterbach dicht. Insgesamt 440 Mitarbeitende verloren ihren Arbeitsplatz. Die Hoffnungen auf eine Rettung der Jobs lösten sich auch bei der Papierfabrik Sappi in Biberist in Luft auf. Ende August wird die «Papieri» ihren Betrieb nach 149 Jahren definitiv einstellen. Insgesamt 550 Arbeitsplätze gehen verloren. Der südafrikanische Konzern Sappi konnte keinen neuen Investor finden. Auf der Kippe steht derzeit der Produktionsstandort Dornach des Buntmetallverarbeiters Swissmetal mit 268 Arbeitsplätzen. Und die Papierfabrik Balsthal, Swiss Quality Paper, gab vergangene Woche die Entlassung der Hälfte der Belegschaft bekannt. 56 der 113 Mitarbeitenden droht die Kündigung. Strukturwandel im Industriekanton «Es ist ein Strukturwandel im Gang», sagte Jonas Motschi, Chef des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA), am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda: «Aber ich will den Teufel nicht an die Wand malen und sagen: Wir sind in der Krise.» Die Ursache der Probleme seien sehr unterschiedlich. Bei der Papierfabrik Biberist sei der Grund ein europaweites Überangebot an der Art der produzierten Papiere gewesen. Bei Swissmetal liege die Ursache anders. Es sei vor allem eine finanzielle Frage. Das Unternehmen ist seit Jahren sehr kränkelnd, wie der AWA-Chef ausführte. Das Management hätte möglicherweise schon früher Massnahmen einleiten können. Mit Zuversicht in Zukunft Der Kanton werde auch in näherer Zukunft einen starken Industrieanteil haben, gibt sich Motschi überzeugt: «Wir haben gute und starke Industrien.» Der Wandel in der Uhrenindustrie in den 1970er Jahren habe gezeigt, dass aus der Krise letztlich ein neuer Wirtschaftszweig entstehen könne. Der AWA-Chef nannte als Beispiele die Medizinaltechnik und die Präzisionsindustrie. Der Anteil des Industriesektors im Kanton war 2008 mit 33,7 Prozent mehr als 8 Prozentpunkte höher als im Schweizer Durchschnitt. Der Industriesektor zählte 41'200 Arbeitsplätze. Anderseits lag der Dienstleistungssektor mit 62,5 Prozent um 8 Prozentpunkte tiefer als in der übrigen Schweiz. Trotz der Negativmeldungen der letzten Monate ist der Kanton Solothurn gut aufgestellt. Die Arbeitslosenquote lag im Juli bei 2,3 Prozent - 0,5 Prozentpunkte tiefer als im Schweizer Durchschnitt. Und der Kanton Solothurn ist mit seinen Finanzen auf Kurs. Die Staatsrechnung 2010 weist einen operativen Überschuss von knapp 80 Millionen Franken aus. Die Schulden sind abbezahlt. Wirtschaftsförderung und Industriebrache Als Folge der Uhrenkrise begann der Kanton auf eine aktive Wirtschaftsförderung zu setzen. AWA-Chef Motschi bezeichnete diese als ein «Produkt des Industriewandels». Heute spiele vor allem die Bestandespflege eine grosse Rolle, verbunden mit internationaler Vermarktung im Verbund mit anderen Kantonen und Organisationen. Platz für neue Firmen gibt es jedenfalls. Der Kanton kaufte für knapp 19 Millionen Franken ein riesiges Stück des Industrielandes der ehemaligen Zellstofffabrik Borregaard. Der Regierungsrat will neue Unternehmen anlocken. Derzeit sucht der Kanton Ideen für eine gewinnbringende Nutzung des Areals. Das Gebiet ist mit einer Fläche von 110 Hektaren die grösste erschlossene Industriebrache der Schweiz. Nur der Flugplatz Dübendorf in Norden Zürichs ist grösser - jedoch noch nicht entwicklungsreif.

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