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4 Millionen Seiten Beweismaterial gegen Raoul Weil

Der ehemalige UBS-Banker muss sich diese Woche vor einem Geschworenengericht in Florida verantworten. Einer der Zeugen, die Weil am stärksten belasten, ist sein ehemaliger Untergebener.

Plädiert auf unschuldig: Raoul Weil (links) mit seinem Anwalt David Mendel. (7. Januar 2014)
Plädiert auf unschuldig: Raoul Weil (links) mit seinem Anwalt David Mendel. (7. Januar 2014)
Keystone

Fast genau ein Jahr nach seiner Festnahme in Italien beginnt morgen in Fort Lauderdale der Prozess gegen Raoul Weil, den einstigen Chef der UBS-Vermögensverwaltung. Ihm wird vorgeworfen, mit der UBS über 20 Milliarden Dollar Vermögen von amerikanischen Steuerzahlern vor den Behörden verborgen zu haben.

Als Weil am 19. Oktober 2013 in einem Hotel in Bologna verhaftet wurde, war die Klage gegen ihn wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung schon fast sechs Jahre alt. Die Grossbank UBS, deren Überseegeschäfte den Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA 2008 auslösten, hatte 780 Millionen Dollar Busse bezahlt und rund 4450 Datensätze von Kunden an die Amerikaner überwiesen. Die Rahmenbedingungen im Fall UBS hatten die Schweiz und die USA in einem Staatsvertrag fest gehalten.

Sturm schien vorbei

Zwar waren in den USA weitere Banken angeklagt – so etwa die Credit Suisse, Julius Bär, die Basler und die Zürcher Kantonalbank. Für die UBS und ihre einstige Führungscrew schien der Sturm aber vorbei.

Weil, nach der Anklage in den USA zunächst suspendiert, verliess die UBS bereits im April 2009, um sich auf seinen Gerichtsfall zu konzentrieren. Er trat später eine Stelle bei der Zuger Beratungsfirma Reuss Private Group an, deren Führung er Anfang 2013 übernahm, bis er zehn Monate später in Italien unerwartet verhaftet wurde und kurz darauf an die USA ausgeliefert wurde.

Beste Strafverteidiger

Weil plädierte auf unschuldig und verlangte einen raschen Prozess vor Geschworenen – ungewöhnlich für einen Mitarbeiter einer Schweizer Bank, da diese in den USA allgemein im Ruf stehen, Gelder reicher Amerikaner vor dem Zugriff des Staates zu horten. Raoul Weil kam bis zum Prozess auf Kaution frei und bereitete in New Jersey mit einem Team hochbezahlter Anwälte seine Verteidigung vor. Sein Hauptanwalt ist Aaron Marcu, der in den USA als einer der besten Strafverteidiger gilt.

Zu tun gab es viel: 4 Millionen Seiten Beweismaterial legten die Kläger vor, rund 60 Zeugen will Staatsanwalt Mark Daly in den nächsten Tagen und Wochen aufrufen. Gefährlicher Kronzeuge soll Martin Liechti sein, der bei der UBS einst Chef des Überseegeschäftes mit Nordamerika war und in dieser Stellung auch Weils Untergebener. Liechti wurde bereits im April 2008 von den US-Behörden in Miami abgefangen und zur Kooperation gezwungen.

Bis zu 5 Jahre Gefängnis

Weils Verteidigung hat es geschafft, wenigstens drei Zeugen, die zu Gunsten von Weil aussagen sollen, per Videoschaltung aus London vor Gericht auftreten zu lassen. Laut Medienberichten befürchteten die Zeugen – selber ehemalige Banker – in den USA bei der Einreise auch festgenommen zu werden.

Sonst scheint das Material zur Verteidung Weils eher dünn. Marcu beklagte sich bei dem Richter, die Verteidigung versuche, jegliches Material zur Entlastung Weils vor Gericht zu unterdrücken. Der Anwalt hält weiter fest, Weil sei unschuldig. Medienvertretern sagte Marcu: «Er ist das Opfer seiner Untergebenen – jener, die nun für die Anklage gegen ihn aussagen».

Nach Einschätzung von Richter James Cohn wird der Prozess zwei bis vier Wochen dauern. Raoul Weil, 54 Jahre alt und verheiratet, drohen im Höchstfall 5 Jahre Gefängnis.

SDA/rar

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