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«Anleger schütten schnell das Kind mit dem Bade aus»

Trotz einem guten Start ins Jahr: Börsenexperten warnen vor Schwankungen, nervösen Anlegern und schwachen Firmenbilanzen.

Handelsstreit und Brexit halten die Börse auf Trab: Trader an der Frankfurter Börse am Tag der Abstimmung im britischen Parlament am 15. Janaur 2019.
Handelsstreit und Brexit halten die Börse auf Trab: Trader an der Frankfurter Börse am Tag der Abstimmung im britischen Parlament am 15. Janaur 2019.
Kai Pfaffenbach, Reuters

Nach den Kursturbulenzen zum Jahresende 2018 läuft der Börsenmotor in diesem Jahr bislang wieder rund. Seit Anfang Januar legten die Aktienmärkte in Frankfurt und New York jeweils rund fünf Prozent zu. Auch in Zürich gingen die Kurse wieder nach oben.

Doch Analysten warnen, dass die Schwankungen in den kommenden Wochen zunehmen dürften, wenn Unternehmen rund um den Globus ihre Ergebnisse für das Schlussquartal 2018 veröffentlichen. «Die Nervosität mit Blick auf die Bilanzsaison ist gestiegen», sagt Lars Kreckel, Chefanalyst beim Vermögensverwalter Legal & General Investment. «Anleger sind mittlerweile schnell dabei, das Kind mit dem Bade auszuschütten.»

Die Prognosen der Analysten für die im vierten Quartal erzielten Unternehmensgewinne sind bereits deutlich niedriger als im Jahr zuvor. Laut dem Datenanbieter Refinitiv rechnen sie damit, dass die Überschüsse der im europäischen Index Stoxx 600 gelisteten Konzerne im Schnitt um sechs Prozent gestiegen sind. Das wäre nicht einmal die Hälfte des Zuwachses im Schlussquartal 2017.

Die für europäische Aktien zuständige Analystin bei der Investmentbank Goldman Sachs, Sharon Bell, rechnet sogar nur mit einem Gewinnwachstum von maximal vier Prozent. «Das wird ein Realitätscheck», sagt auch Emmanuel Cau, Chefanalyst bei der britischen Bank Barclays. «Die grosse Frage ist, ob die gesunkenen Erwartungen an die Konzerne schon in den Kursen eingepreist sind oder nicht.»

Apple traf Anleger ins Mark

Apple traf Anleger gleich Anfang Januar ins Mark und gab die Marschrichtung vor: Erstmals seit der Einführung des iPhones vor über zehn Jahren verfehlte der US-Konzern seine Umsatzprognose und begründete dies mit einer konjunkturellen Schwäche in China.

Die Aktien rauschten in den Keller. Auch bei Unternehmen aus Europa mehrten sich zuletzt die Warnungen. So enttäuschten etwa das französische Geldhaus Société Générale, der deutsche Konsumgüterhersteller Henkel oder die Schweizer Bank UBS mit Quartalszahlen und einem zurückhaltenden Ausblick auf die kommenden Monate. So hat die UBS im vergangenen Jahr 2018 zwar fast 5 Milliarden US-Dollar verdient.

Allerdings hätte es noch mehr sein können, wenn nicht die Finanzmarktturbulenzen im vierten Quartal gewesen wären. Als die Börsen gegen Jahresende verrückt spielten, waren die Kunden schnell sehr zurückhaltend und bescherten der grössten Schweizer Bank ein Quartalsergebnis deutlich unter den Erwartungen der professionellen Beobachter.

Insgesamt könnten sich gerade die Prognosen der Firmen sich als Knackpunkt erweisen, erläutert Marktexperte Thomas Metzger vom Bankhaus Bauer. «So lange wir keinen Durchbruch bei den übergeordneten Themen Handelsstreit und Brexit sehen, dürften sich die Unternehmen hier nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und eher zurückhaltend bleiben.»

«Grösserer Realismus»

Postbank-Aktienexperte Heinz-Gerd Sonnenschein rechnet jedoch damit, dass die potenziellen Verluste gerade an der deutschen Börse begrenzt sind. «Hier herrscht ein viel grösserer Realismus als an der Wall Street.»

2018 gaben Dax und EuroStoxx50 rund 18 beziehungsweise 14 Prozent nach, während der US-Index S&P 500 nur gut sechs Prozent einbüsste. Einer monatlichen Umfrage der Bank of America Merrill Lynch zufolge sind aktuell 39 Prozent der Marktteilnehmer der Ansicht, europäische Aktien seien unterbewertet. So hoch war der Anteil der befragten Anleger zuletzt vor zwei Jahren.

Im vergangenen Jahr zogen Investoren laut Studien des Fondsdatenanbieters EPFR aus europäischen Investmentfonds über 72 Milliarden Dollar ab, mehr als in jeder anderen Region. Die Kapitalabflüsse gingen in den ersten Wochen 2019 zwar weiter, aber mit einem deutlich geringeren Tempo. Der Trend verlagerte sich laut EPFR in Richtung USA - dort zogen Anleger 15 Milliarden Dollar ab, in Europa nur zwei Milliarden.

SDA/sep

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