Australien und China mit Freihandelsabkommen am Ziel

Die beiden Länder hoffen auf zusätzliche Milliarden in ihren Handelsbilanzen. Und Peking auf nachhaltigen Eindruck im Westen.

Nach langen Verhandlungen: Chinas Staatschef Xi Jinping und Australiens Premierminister Tony Abbott bei der Unterzeichnung des Abkommens.

Nach langen Verhandlungen: Chinas Staatschef Xi Jinping und Australiens Premierminister Tony Abbott bei der Unterzeichnung des Abkommens.

(Bild: Keystone)

Zehn Jahre haben die Verhandlungen gedauert. Am Montag war es dann so weit. Chinas Staatschef Xi Jinping und Australiens Premierminister Tony Abbott unterzeichneten in der australischen Hauptstadt Canberra ein Freihandelsabkommen, das ihre Amtsvorgänger angestossen hatten. Das Interesse an dem Abschluss hat in den vergangenen zehn Jahren zugenommen. China ist inzwischen die zweitgrösste Volkswirtschaft und benötigt immer mehr Rohstoffe, von denen Australien einen erheblichen Teil liefern kann. Ausserdem weckt auch die wachsende Konsumlust in China ­Begehrlichkeiten bei australischen Exporteuren.

Beide Seiten schwärmen deshalb von den vielen Milliarden US-Dollar, die künftig die gemeinsame Handelsbilanz aufpumpen sollen. Für die Chinesen ist die Einigung aber auch eine Portion Eigenwerbung nach dem G-20-Gipfel am Wochenende in Australien. In Peking hofft man auf Freihandelsabkommen mit Europäern und Amerikanern. EU und USA sind die wichtigsten Handelspartner der Volksrepublik. Doch Misstrauen hier und Nationalismus dort haben Protektionismus gefördert, statt Barrieren abzubauen.

Peking versucht deshalb, mit vielen bilateralen Abkommen zum Ziel zu kommen. Erst in der vergangenen Woche verkündeten die Genossen eine Vereinbarung mit Südkorea. Auch mit Neu­seeland, Chile, Argentinien oder der Schweiz haben sich die Chinesen bereits auf freien Handel geeinigt. Doch der grosse Durchbruch fehlt. Globale Industrienormen und zukunftsweisende Technologiestandards können die Chinesen nicht setzen mit bilateralen Abkommen. Das gilt eher für die Verhandlungen zwischen Amerikanern und Europäern über deren Freihandelsvertrag TTIP oder für das Bemühen der USA und Japans, in das transpazifische Abkommen TTP einzusteigen. Alles jeweils ohne chinesische Beteiligung.

Farmen in chinesischer Hand

Das Abkommen mit Australien unmittelbar nach dem G-20-Gipfel soll im Westen nachhaltig das Bild schärfen, dass freier Handel mit China der eigenen Wirtschaft guttut. Abbott sieht Australien jedenfalls als Gewinner und sprach von der «besten Vereinbarung aller Zeiten». Schon heute ist China wichtigster Handelspartner des Landes. 130 Milliarden US-Dollar betrug das Volumen der Geschäfte, die im vergangenen Jahr zwischen beiden Ländern abgeschlossen wurden. Australiens Landwirtschaft hofft jetzt auf einen neuen Boom.

Einfuhrzölle auf Milchprodukte, Rindfleisch und Wein sollen in den kommenden Jahren gänzlich abgebaut werden. Kritiker sagen, dass ein grosser Teil australischer Milchfarmen ohnehin in chinesischer Hand seien und deshalb kein Australier daran verdienen würde. Die Regierung hält dagegen, dass langfristig Arbeitsplätze gesichert würden, wenn chinesische Konsumenten Wein und Milch aus Australien tränken.

Vor allem privaten chinesischen Unternehmen wird es in Zukunft leichter gemacht, in sensible Sektoren wie Rohstoffe, Telekommunikation, Medien und die Verteidigungsindustrie von Down Under zu investieren. Bislang beträgt der Anteil chinesischen Kapitals an den Auslands­investitionen nur 1,3 Prozent.

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