Zum Hauptinhalt springen

«China interessiert sich für die Familienjuwelen»

Das hochverschuldete Italien sucht Hilfe in China. Die Hoffnung auf mögliche Käufe von Staatsanleihen erhält nun jedoch einen Dämpfer – mit Folgen für die Anleihenzinsen.

Italien wirbt um chinesische Investments: Ministerpräsident Silvio Berlsuconi (rechts) und der chinesische Präsident Hu Jintao (Archivbild: Rom, 6. Juli 2009)
Italien wirbt um chinesische Investments: Ministerpräsident Silvio Berlsuconi (rechts) und der chinesische Präsident Hu Jintao (Archivbild: Rom, 6. Juli 2009)
Reuters

Bei Gesprächen mit chinesischen Investoren in der vergangenen Woche sei es lediglich um industrielle Beteiligungen gegangen, nicht etwa um den Kauf von Staatsanleihen, sagte Staatssekretär Antonio Gentile heute. «Wir haben keine spezielle Hilfe von China verlangt», versicherte Gentile italienischen Medienberichten zufolge. «Die Nachfrage nach Staatsanleihen läuft gut.»

Ein Sprecher von Finanzminister Giulio Tremonti hatte zuvor bestätigt, dass dieser in der vergangenen Woche in Rom mit einer chinesischen Delegation zusammengetroffen war, zu der auch der Chef des unabhängigen Investmentfonds CIC, Lou Jiwei, gehörte. Laut der «Financial Times» ging es nicht nur um eine Beteiligung Chinas an strategisch wichtigen italienischen Unternehmen, sondern auch um den Kauf von Staatsanleihen. Marktgerüchten zufolge war China aber an Staatspapieren nicht interessiert.

Diversifikation zum Dollar

«China interessiert sich für die Familienjuwelen: Es will in den Umweltsektor investieren, in neue Technologien und vor allem in Mode und Haushalts-Design», sagte der Mailänder Wirtschaftsprofessor Giuliano Noci der Nachrichtenagentur AFP. Peking habe einen Grossteil seiner Währungsreserven in Dollar angelegt und suche nun nach weiteren Anlagemöglichkeiten auch in Italien.

Eine Sprecherin des chinesischen Aussenministeriums bekräftige, Peking werde mit den europäischen Ländern kooperieren, um die Finanzkrise zu bewältigen. «Europa wird weiterhin einer von Chinas wichtigsten Investitionsmärkten sein», sagte Sprecherin Jiang Yu. Peking hoffe, die Länder der Eurozone würden «effektive Massnahmen zur Sicherung der chinesischen Investitionen unternehmen».

Hilfe für die Schuldenländer Europas könnte von der Gruppe der Schwellenländer kommen, zu der neben China auch Indien, Brasilien, Russland und Südafrika gehören. Die Gruppe werde sich in der kommenden Woche in Washington treffen und dort beraten, wie sie der EU bei der Bewältigung der Schuldenkrise helfen könne, sagte der brasilianische Finanzminister Guido Mantega in Brasilia.

Rekordzinsen

Italien wurde seine am Dienstag angebotenen Staatsanleihen alle los – die Zinsen, die die Investoren dafür verlangten, stiegen aber auf Rekordhöhe. Der Zinssatz für Papiere mit einer Laufzeit von fünf Jahren sprang von 4,93 auf 5,60 Prozent und damit so hoch wie noch nie seit Bestehen der Eurozone. Insgesamt verkaufte die Regierung neue Anleihen für fast 6,5 Milliarden Euro.

Die Bank UniCredit beurteilte die Auktion zwiespältig. «In Bezug auf den Preis betrachten wir die Auktion als enttäuschend, die Nachfrage war unserer Ansicht nach gut, wenn man das aktuelle Marktumfeld und das hohe Ausgabevolumen beachtet», sagte Chiara Cremonesi, Strategin für festverzinsliche Anlagen bei UniCredit.

Sparpaket im Eiltempo

Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi will ihr geplantes Milliardensparpaket am Mittwoch im Eiltempo verabschieden. Der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, lobte die Sparpläne der italienischen Regierung am Dienstag als «Signal für Entschlossenheit». Bei einem Gespräch mit Berlusconi forderte Barroso in Strassburg zugleich die «rasche, effiziente und strikte» Umsetzung der Sparmassnahmen. Dies sei wichtig, um das Vertrauen «in Italien und die Euro Zone» zu gewährleisten.

Der Sparplan wurde vergangene Woche vom Senat in Rom gebilligt und muss nun noch vom Abgeordnetenhaus verabschiedet werden. Zuvor hatte Berlusconi die geplanten Sparmassnahmen in Brüssel dem EU- Ratsvorsitzenden Herman Van Rompuy erläutert.

Berlusconi zuversichtlich

Er sei zuversichtlich, für das 52-Milliarden-Europaket am Mittwoch die Zustimmung des Abgeordentenhauses zu bekommen, sagte er. Die Regierung will bei dieser Gelegenheit die Vertrauensfrage stellen. Zusammen mit dem ersten Sparpaket vom Juli über 48 Milliarden Euro plant Rom, mehr als 100 Milliarden Euro einzusparen.

Italien, dessen Staatsverschuldung im Juni auf 1,9 Billionen Euro stieg, ringt um seine Glaubwürdigkeit. Mit dem «Blut- und Tränenplan» will Rom schon 2013 ein ausgeglichenes Budget vorweisen und sich so aus der Schusslinie der Finanzmärkte bringen.

AFP/ dapd/ sda/rub

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch