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Das will Christine Lagarde beim IWF besser machen

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde musste zum Bewerbungsgespräch beim Internationalen Währungsfonds antraben. Als erstes übte sie Kritik an der Institution.

Musste darlegen, was man beim IWF besser machen könnte: Christine Lagarde.
Musste darlegen, was man beim IWF besser machen könnte: Christine Lagarde.

Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde hat bei ihrer Bewerbung um den Chefposten beim Internationalen Währungsfonds (IWF) weitere Reformen der Institution angemahnt und ihre Unabhängigkeit von französischen oder europäischen Interessen beteuert. Der IWF müsse effektiver werden und mehr für seine Legitimität tun, sagte Lagarde, nachdem sie drei Stunden lang vom 24-köpfigen IWF-Exekutivrat befragt worden war.

Es gebe viel Potenzial für mögliche Verbesserungen beim IWF, sagte Lagarde nach dem Treffen mit dem Exekutivrat. So müsse die Finanzinstitution «reaktionfähiger, engagierter» sein und bei allen 187 Mitgliedsstaaten eine grössere Legitimität geniessen. Das jedenfalls wäre ihr Ziel, sollte sie gewählt werden. Zugleich sei eine Fortführung der vom Mitte Mai wegen Vergewaltigungsvorwürfen zurückgetretenen IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn begonnenen Reformen notwendig, den sie als ihren «Vorgänger» bezeichnete.

Lagarde will keine Partikularinteressen vertreten

Bereits am Mittwoch hatte Lagarde erste Gespräche am IWF-Sitz in Washington geführt. Im Anschluss an die Gespräche sagte sie, bei ihrem Treffen mit den Mitgliedern des Exekutivrats habe sie die Möglichkeit gehabt, über ihre «Vision für den Währungsfonds» zu diskutieren. «Jetzt müssen die Mitgliedsstaaten entscheiden.»

Bei der Anhörung selbst betonte sie, im Falle einer Ernennung an die Spitze des IWF nur dessen Interessen zu vertreten. «Wenn ich gewählt werde, werde ich nur an eine Sache denken, wenn es um Hilfen für ein Mitglied der Euro-Zone geht: Die absolute Kohärenz mit der Mission des Fonds sicherzustellen und eine besonnene Verwaltung der Mittel des Fonds zu gewährleisten», sagte sie laut vom IWF veröffentlichtem Wortlaut. «Ich bin hier nicht um die Interessen einer bestimmten Region zu vertreten, sondern alle Mitgliedsstaaten (des IWF).» Es gebe daher keinen «Interessenskonflikt» zwischen ihrer französischen Nationalität und den IWF-Hilfen für die Euro-Länder Griechenland, Irland und Portugal.

Viel Lob von Geithner

Am Donnerstagvormittag hatte Lagarde auch US-Finanzminister Timothy Geithner getroffen. Dessen Sprecherin lobte später Lagardes «Führungsstärke und Erfahrung», die sie zu einer «aussergewöhnlich talentierten Bewerberin» für den IWF-Chefposten machten. Die USA haben sich bislang öffentlich weder für Lagarde noch für deren einzigen Konkurrenten, den mexikanischen Zentralbankchef Agustín Carstens, ausgesprochen und auch diesen in hohen Tönen gelobt.

Carstens hatte die zweitägigen Vorstellungsgespräche beim IWF bereits am Montag und Dienstag durchlaufen. Er warb dabei für höhere finanzielle Ressourcen des Währungsfonds, ausserdem machte er sich für einen grösseren Einfluss der Entwicklungs- und Schwellenländer in der Institution stark. Er hat aber eingeräumt, dass Lagardes Chancen auf eine Ernennung «ziemlich gross» sind.

Der Exekutivrat, das oberste Entscheidungsgremium des IWF, will nach eigenen Angaben bis zum 30. Juni über die Nachfolge Strauss-Kahns entscheiden. Dabei soll es zu einer einvernehmlichen Entscheidung kommen; gelingt dies nicht, kommt es zu einer Abstimmung. Das nächste Treffen des Gremiums ist für kommenden Dienstag angesetzt. Bislang wurde der IWF-Chefposten traditionell immer von einem Europäer besetzt, während die USA im Gegenzug stets den Weltbank-Chef stellten.

AFP/miw

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