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Das zyklische Ende des Bonus-Wahnsinns

Der Chef der Royal Bank of Scotland muss auf politischen Druck hin auf seinen Millionenbonus verzichten. Für Banker brechen härtere Zeiten an.

Verzichtete auf Druck der Regierung: Stephen Hester, CEO der vom Staat geretteten Royal Bank of Scotland, muss ohne Millionenbonus auskommen.
Verzichtete auf Druck der Regierung: Stephen Hester, CEO der vom Staat geretteten Royal Bank of Scotland, muss ohne Millionenbonus auskommen.
Keystone

In der Schweiz ist die Abzocker-Initiative ein politisches Trauerspiel geworden. In Grossbritannien muss die Politik auch ohne Volksinitiative gegen Boni vorgehen. Der Druck der Strasse und der Volkszorn sind einfach zu gross geworden. Das hat soeben der CEO der Royal Bank of Scotland (RBS), Stephen Hester, erfahren. Er hat seinen «freiwilligen» Verzicht auf einen Millionenbonus bekannt gegeben.

Zur Vorgeschichte: Die RBS ist eine Art UBS, nur noch schlimmer. Vor der Finanzkrise war sie eine der grössten Banken der Welt. Dann übernahm sie die holländische ABN Amro Bank. Diese hatte beim US-Immobilienboom falsch gewettet und riesige Verluste in ihren Büchern. Die RBS musste für diese Verluste geradestehen. Das konnte sie nicht, der Staat musste einspringen und die Bank mit 45 Milliarden Pfund Steuergeldern retten. Heute sind deshalb 83 Prozent der RBS in Staatsbesitz.

Der RBS-Kurs brach letztes Jahr ein

Der neue CEO von RBS heisst Stephen Hester. Wie alle Banker hat auch er einen leistungsbezogenen Vertrag. Gemäss diesen Abmachungen wäre ihm dieses Jahr ein Bonus von rund zwei Millionen Pfund zugestanden. Die «Financial Times» bekam Wind davon und machte es öffentlich. Ein Sturm der Entrüstung war die Reaktion. Nach wie vor ist die RBS nämlich alles andere als übermässig erfolgreich. Der Aktienkurs ist letztes Jahr um die Hälfte eingebrochen.

Für die Regierung Cameron braute sich ein Desaster zusammen. Der Premierminister war kurz davor, eine lang erwartete Rede über die Moral des Kapitalismus zu halten. Ein Millionenbonus einer de facto verstaatlichten Grossbank war so ziemlich das Letzte, was er jetzt brauchen konnte. Auf politischen Druck hin wurde der Bonus von Hester unter eine Million Pfund gehandelt. Schliesslich gab der Banker auf und verzichtet nun «freiwillig» auf den gesamten Betrag.

Banker-Löhne spiegeln den Zeitgeist

Der Fall des RBS-CEO ist mehr als ein Einzelschicksal. Wird Hester nun die Bank verlassen und anderswo mehr kassieren? Und wenn ja: Wird dies die Performance der RBS beeinflussen? Sind die Top-Banker ihr Geld wirklich wert, wie sie immer beteuert haben?

Wahrscheinlich nicht. Das zeigt eine Studie der beiden US-Ökonomen Thomas Philippon und Ariell Reshef. Sie ergab, dass die Banker-Löhne weniger mit Leistung als mit dem Zeitgeist zu tun haben. In euphorischen Börsenzeiten explodieren die Boni, in mageren Zeiten kommen sie wieder auf den Boden. Diesen Zyklus konnte man in den 1920er-Jahren bis zum Börsencrash beobachten, in der Grossen Depression verdienten die Banker kaum mehr als Lehrer. Erst in den 1980er-Jahren setzten sie wieder zu einem Boni-Höhenflug an, der jetzt allerdings gebremst wird. «Nach übereinstimmender Meinung der letzte Woche in Davos weilenden Bankchefs liegen die Löhne des mittleren Managements um etwa 30 Prozent tiefer als 2010 und etwa 60 Prozent tiefer als 2007», schreibt die «Financial Times». Es brechen also härtere Zeiten für Banker an – endlich.

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