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Die Opec lässt das Öl sprudeln

Das Erdölkartell kürzt die Fördermenge nicht. Der Ölpreis gab nach dem Entscheid gleich nochmals deutlich nach. Auch der Rubel fiel.

Können sich nicht auf eine Kürzung der Produktion einigen: Teilnehmer am Treffen der Organisation Erdölproduzierender Länder Opec in Wien. (27. November 2014)
Können sich nicht auf eine Kürzung der Produktion einigen: Teilnehmer am Treffen der Organisation Erdölproduzierender Länder Opec in Wien. (27. November 2014)
Herbert Pfarrhofer, Keystone
Vor allem er trat auf die Bremse: Der Erdölminister Saudiarabiens Ali Al-Naimi (Mitte).
Vor allem er trat auf die Bremse: Der Erdölminister Saudiarabiens Ali Al-Naimi (Mitte).
Herbert Pfarrhofer, Keystone
Grosses Medieninteresse nach der Sitzung in Wien.
Grosses Medieninteresse nach der Sitzung in Wien.
Samuel Kubani, AFP
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Die Ölminister der zwölf Mitgliedstaaten der Organisation Erdölexportierender Länder (Opec) beschlossen am Donnerstag in Wien, weiterhin 30 Millionen Barrel Öl pro Tag zu fördern. Die Entscheidung war erwartet worden, weil Saudiarabien als grösstes Förderland des Kartells diese Linie angedeutet hatte.

Die Opec befindet sich in einer Klemme: Drosselt sie ihre Produktion, dürfte der Weltmarktanteil des ausserhalb der Opec – insbesondere den USA – produzierten Schieferöls steigen. Der Ölpreis würde dadurch wohl nicht zulegen.

Gleich nochmals ein Preisrutsch

Seit dem Sommer wurde Rohöl an den Weltmärkten um mehr als 30 Prozent billiger. Auch während der Gespräche in Wien und nach Bekanntwerden der Entscheidung fielen die Preise weiter. In London kostete ein Barrel (159 Liter) der europäische Referenzsorte Brent aus der Nordsee am Nachmittag nur noch 74,36 Dollar; die US-Sorte West Texas Intermediate wurde für 70,87 Dollar gehandelt. In beiden Fällen war dies der niedrigste Preis seit August 2010.

Nicht nur die boomende Schieferölproduktion in den USA, auch eine schwächelnde Wirtschaft in einigen der grössten Industrieländer haben die Nachfrage nach Opec-Öl zurückgehen lassen. Die Opec-Mitglieder haben mit ihrer Ölproduktion einen Weltmarktanteil von gut einem Drittel.

Sind 60 Dollar pro Fass möglich?

Der saudi-arabische Ölminister Ali Naimi sagte am Dienstag, der Ölmarkt werde sich letztendlich selbst stabilisieren. Das wurde so verstanden, dass Saudiarabien die derzeitige Ölschwemme einfach aussitzen will.

Die derzeitigen Preise tun Saudiarabien nicht wirklich weh, da es auf vollen Kassen und relativ billig zu förderndem Öl sitzt. Andere Opec-Mitglieder haben wesentlich höhere Förderkosten und sind daher auf einen höheren Ölpreis angewiesen. Sie hätten eine Drosselung befürwortet, womöglich aber ihre eigene Quote nicht eingehalten. Da derzeit sehr viel Öl auf dem Markt ist, hätte eine Kürzung recht deutlich ausfallen müssen.

Saudiarabien ist nach Einschätzung von Analysten offenbar bereit, den Preis so weit fallen zu lassen, bis sich die Schieferölförderung nicht mehr rechnet. Das wäre Experten zufolge bei einem Preis von 60 Dollar pro Barrel der Fall.

Der Rubel fällt

Die Entscheidung der Opec hat zudem den russischen Rubel weiter fallen lassen. Kurz nach Bekanntwerden verlor er gegenüber dem Euro 2,1 Prozent und gegenüber dem US-Dollar 2,4 Prozent. Für einen Euro müssen damit 60,01 Rubel gezahlt werden, das ist nahe dem Rekordhoch von Anfang November.

Russland als grosses Ölförderland ist in hohem Masse angewiesen auf die Devisen, die der Verkauf des Erdöls im Ausland einbringt. Mitglied der Opec ist Russland nicht.

SDA/ldc

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