Die politischen Folgen des Milliardenverlusts

Während die Folgen des Frankenschocks zunehmend verblassen, geben die negativen Folgen der Geldpolitik den Kritikern der Nationalbank Auftrieb.

Das Nationalbankdirektorium mit Fritz Zurbrügg, Thomas Jordan und Andréa Maechler (von links). Foto: SNB

Das Nationalbankdirektorium mit Fritz Zurbrügg, Thomas Jordan und Andréa Maechler (von links). Foto: SNB

Markus Diem Meier@MarkusDiemMeier

Auf 15 Milliarden Franken schätzt die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Verlust für das vergangene Jahr. Das ist eine gigantische Zahl. Einen öffentlichen Aufschrei wird es dieses Mal dennoch kaum geben, weil die Ausschüttungen an Bund und Kantone von 2 Milliarden noch immer gesichert bleiben. Das liegt daran, dass die SNB 2017 einen Gewinn von 54 Milliarden Franken erzielt hat und die Ausschüttungsreserven dadurch noch prall gefüllt sind.

Hohe Verluste und Gewinne ergeben sich bei der SNB auch künftig schon nach relativ geringen Veränderungen an den Devisen-, Anleihen- und Aktienmärkten. Das liegt daran, dass die Nationalbank auf Devisenreserven im Umfang von 775 Milliarden Franken sitzt, die sie hauptsächlich in ausländische Anleihen und Aktien investiert hat. In diese Anlagen hat sie die Devisen investiert, die sie in den letzten Jahren aufgekauft hat, um sich dem starken Aufwertungsdruck auf den Franken entgegenzustemmen. Mittlerweile machen diese Devisenreserven rund 94 Prozent der gesamten SNB-Bilanz aus. Der Umfang dieser Bilanz hat mit einem Verhältnis von rund 120 Prozent des Wirtschaftsaustosses den Weltrekord unter den Notenbankbilanzen inne.

Nach wie vor tut die SNB alles, um eine erneute starke Aufwertung des Frankens zu verhindern. Diesem Zweck dienen auch die im Finanz­sektor und bei Sparern extrem unbeliebten Negativzinsen. Sie sollen vor Investitionen in den Franken abschrecken und die Zinsdifferenz zur Europäischen Zentralbank aufrechterhalten, deren Leitzinsen sich ebenfalls auf einem historischen Tiefststand befinden.

Es gibt Anlass zu Zweifeln

Der gestern angekündigte Verlust der Notenbank dürfte die Kritik an ihrer Politik nun weiter befeuern, wie sie schon im Vorfeld laut geworden ist. Selbst Finanzminister Ueli Maurer liess sich trotz dem Gebot der Unabhängigkeit der SNB nicht davon abhalten, deren aufgeblähte Bilanz infrage zu stellen.

Auf berneroberlaender.ch/Newsnetz stösst in einem Interview auch Klaus Wellershoff ins gleiche Horn. Der einstige Chefökonom der UBS und Gründer des gleichnamigen ökonomischen Beratungsbüros hält die Massnahmen der SNB nicht für vertretbar. Er verweist auf die nach wie vor sehr gute Wirtschaftslage in der Schweiz. Dass die Inflation tiefer lag als von der SNB in den vergangenen Jahren angestrebt, hält er sogar für positiv. Eine weitere Aufwertung des Frankens könne die Schweiz ohnehin gut verkraften, wie sie auch die letzte verkraftet hat.

Es gibt gute Gründe, an solchen Einschätzungen zu zweifeln. Die Folgen der Überbewertung in den letzten Jahren dürften nach Schätzungen bis zu 100'000 Stellen in der Industrie gekostet haben. 

Bei der SNB sollte man Argumente wie jene von Wellershoff dennoch nicht leichtfertig in den Wind schlagen, denn er dürfte nicht der Letzte bleiben, der sie ins Feld führt. Die negativen Folgen der letzten Frankenaufwertung verblassen zusehends. Viele haben sie sogar in guter Erinnerung – etwa weil das ihre Auslandferien verbilligt hat. Argumente zur korrekten Bewertung des Frankens und zur Zinsdifferenz wirken zudem technisch. Die negativen Folgen der aufgeblasenen Bilanz und der Negativzinsen dagegen sind leicht verständlich und schmerzhaft spürbar – etwa durch den Milliardenverlust der SNB oder durch geringe Erträge der Pensionskassen.

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