Die Schweiz profitiert von einem Abkommen weit mehr als die USA

Bei den Warenausfuhren verzeichnet die Schweiz einen massiven Überschuss. Umgekehrt profitieren die USA von hohen Schweizer Investitionen.

US-Präsident Donald Trump hat immer wieder deutlich gemacht, dass er Defizite seines Landes gegenüber anderen als Ausdruck unfairer Handelspraktiken sieht. Foto: Keystone

US-Präsident Donald Trump hat immer wieder deutlich gemacht, dass er Defizite seines Landes gegenüber anderen als Ausdruck unfairer Handelspraktiken sieht. Foto: Keystone

Markus Diem Meier@MarkusDiemMeier

Mit Blick auf den Warenhandel sind die Interessen an einem Freihandelsabkommen zwischen den USA und der Schweiz nicht die gleichen. Gemäss Daten zum Jahr 2018 lag der US-Anteil der Warenexporte aus der Schweiz bei rund 13 Prozent. Umgekehrt hat die Schweiz nur einen Anteil von 1,3 Prozent an den Exporten der Amerikaner.

Die Schweizer Ausfuhren in die USA haben sich zudem im laufenden Jahrzehnt beinahe verdoppelt. Und die USA haben auch im Verhältnis zu anderen Absatzmärkten der Schweiz deutlich zugelegt. Im Jahr 2010 lag ihr Anteil an den Gesamtexporten der Schweiz erst bei 10 Prozent. Jetzt sind die USA nach Deutschland der wichtigste Export- und Importpartner der Schweiz.

Schweiz steht auf Beobachtungsliste

Da die Warenausfuhren der Schweiz die Einfuhren deutlich übersteigen, weisen die USA gegenüber der Schweiz im Jahr 2018 ein hohes Aussenhandels­defizit von mehr als 19 Milliarden Franken aus – und dieses Defizit hat zudem seit 2016 noch um mehr als ein Drittel zugenommen. US-Präsident Donald Trump hat immer wieder deutlich gemacht, dass er Defizite seines Landes gegenüber anderen als Verlust und Ausdruck unfairer Handelspraktiken sieht.

Das US-Defizit gegenüber der Schweiz – aus Schweizer Sicht ein Handelsüberschuss – sowie die hohen Überschüsse der Schweiz in ihrem Aussenhandel generell sehen die Amerikaner daher als Hinweis für ein unfaires Gebaren: Unter anderem deshalb steht die Schweiz zusammen mit China, Deutschland und weiteren Ländern auf einer Beobachtungsliste wegen möglicher unfairer Praktiken.

Nummer 1 bei Direktinvestitionen

Anders als im Warenhandel sieht das Bild bei den Dienstleistungen aus, die allerdings wertmässig weniger ins Gewicht fallen. Hier verzeichnen die Amerikaner gegenüber der Schweiz einen Überschuss. Gemäss US-Angaben belief sich dieser im Jahr 2017 auf 10 Milliarden Dollar. Auch dieser US-Überschuss ist in jenem Jahr deutlich angestiegen: um rund 16 Prozent gegenüber 2016.

Noch deutlicher wird die Bedeutung der wirtschaftlichen Beziehungen, wenn auch die Ebene der Unternehmen mit einbezogen wird. 2017 beliefen sich die Direktinvestitionen von Schweizer Firmen in den USA auf 253 Milliarden Franken. Ein Fünftel aller Schweizer Direktinvestitionen fliessen in die USA – so viel, wie in kein anderes Land. Und nur sechs Länder investieren mehr dort. Selbst in Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich zusammengenommen investieren Schweizer Firmen nur halb so viel wie in den USA. Gemäss US-Daten beschäftigen Schweizer Unternehmen in den USA 463'000 Personen. Allein der Nahrungsmittelkonzern Nestlé gibt an, in den USA rund 50'000 Beschäftigte zu haben – in der Schweiz sind es 10'000.

Dass es der Schweiz bisher noch nicht gelungen ist, mit den Amerikanern ein Freihandelsabkommen abzuschliessen, lag weniger an den Überschüssen im Aussenhandel durch die Schweiz als am Umstand, dass die Amerikaner an einer weitgehenden Öffnung auch für Landwirtschaftsprodukte interessiert waren. Diese Forderung hat im Jahr 2006 zum Abbruch von Verhandlungen durch die Schweiz geführt.

Grafik vergrössern

Die Landwirtschaft dürfte auch in künftigen Verhandlungen zentral sein. US-Präsident Donald Trump könnte es sich politisch kaum leisten, seine Farmer aussen vor zu lassen, nachdem sie durch den Handelskrieg mit China hohe Verluste verkraften müssen. Wie sehr ihm die US-Landwirtschaft am Herzen liege, hat der US-Präsident jüngst besonders oft betont.

Angesichts der engen und über die Warenströme hinausgehenden Wirtschaftsbeziehungen zu den USA ist die Schweiz auch stark an einem Doppelbesteuerungsabkommen interessiert. Bisher wurde eine Ratifizierung des Abkommens vom US-Sentator Rand Paul verhindert. Jüngst hiess es, dieser habe seinen Widerstand aufgegeben und die Amerikaner wollten hier nun vorwärtsmachen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt