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Draghi hält für Montag die Geldspritze bereit

Kommt es am Montag nach der Griechenland-Wahl zum grossen Börsenbeben? Dies wollen die Notenbanken in einer weltweit koordinierten Aktion verhindern. Die Märkte sollen mit Geld geflutet werden.

Stellt eine weitere Geldspritze in Aussicht: Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi.
Stellt eine weitere Geldspritze in Aussicht: Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi.
Keystone

Die Zentralbanken geben sich Mühe, die Angst an den Finanzmärkten vor der griechischen Parlamentswahl am Sonntag zu mildern. Überwiegend mit Kursgewinnen reagierten die Börsen in Asien und Europa bis am Nachmittag auf die Erwartung, die Notenbanker könnten die Märkte mit Geld fluten, um die Auswirkungen eines möglichen Euro-Austritts der nächsten Athener Regierung abzufedern.

Die britische Zentralbank hatte gestern Abend eine weitere Geldspritze in Aussicht gestellt, auch der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, stellte heute Morgen eine weitere Öffnung der Geldschleusen in Aussicht. «Das Euro-System wird zahlungsfähigen Banken weiter Liquidität bereitstellen, wenn das benötigt wird», sagte er in Frankfurt.

Während der gesamten Krise habe die EZB darauf geachtet, dass sich die Institute ausreichend mit Geld versorgen könnten, um die Realwirtschaft zu schützen, sagte der EZB-Chef weiter. Bereits vor wenigen Monaten habe eine Geldspritze die gewünschte Wirkung erzielt.

Angst vor Austritt Griechenlands

Besonders im Falle eines Wahlsiegs der radikalen Linken wäre der weitere Rettungskurs Athens fraglich, ein Austritt aus dem Euro wahrscheinlich. Dies aber würde zu grossen Verwerfungen und Unsicherheiten besonders in der Eurozone, aber auch in der restlichen Welt führen.

Griechenland mit seinen knapp elf Millionen Einwohnern könnte im schlimmsten Fall das weltweite Bankensystem kollabieren lassen. Ein solcher Zusammenbruch war schon nach der Pleite der Investment Bank Lehman Brothers nur knapp abgewendet worden. Dennoch löste der Schock eine weltweite Wirtschaftskrise aus.

Rest der Welt in die tiefe reissen

Die Zentralbanken wollen nun offenbar dafür sorgen, dass Griechenland nicht den Rest der Welt in die Tiefe reisst. Sie könnten den Banken hohe Kredite zu niedrigen Zinsen anbieten, die dann an die Kunden weitergereicht werden könnten.

Die eine Billion Euro, die die EZB den Banken vor einigen Monaten zusätzlich zur Verfügung gestellt hat, habe bereits dazu beigetragen, eine mögliche Kreditklemme und die damit verbundenen Probleme für die Konjunktur zu verhindern, erklärte Draghi. Befürchtungen, das zusätzliche Geld könne die Inflation anheizen, hätten sich nicht bewahrheitet. «Die Inflationserwartungen bleiben fest verankert, und es gibt in keinem Euro-Land ein Inflationsrisiko», sagte Draghi.

Zweifel an Wirkung der Geldspritze

In Grossbritannien mehrten sich dagegen bereits im Laufe des Freitags Stimmen, die am Effekt einer weiteren Finanzspritze der Bank von England zweifelten. Die Banken könnten zögern, in unsicheren Zeiten noch mehr Kredit an Kunden auszugeben, erklärten mehrere Analysten. Die Wirkung des zusätzlichen Geldes auf die Realwirtschaft könnte also begrenzt sein.

Die Märkte reagierten dennoch freundlich auf die in Aussicht gestellte zusätzliche Liquidität. Der Index Hang Seng in Hongkong gewann 2,3 Prozent, während der Nikkei praktisch unverändert blieb. In der Schweiz notierte der SMI um 14.11 Uhr ganz knapp im Plus. In Deutschland baute der DAX seine Gewinne bis gegen 13.40 Uhr auf 1,6 Prozent aus. Der EuroStoxx 50 der 50 grössten Unternehmen der Eurozone legte um 1,7 Prozent zu. Auch die Londoner Börse verzeichnete im Leitindex FTSE leichte Kursgewinne.

dapd/bru

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