EU kauft mehr Gas aus den USA, obwohl es teurer ist

US-Präsident Donald Trumps Energieminister spielt Flüssiggas gegen deutsche Autos aus.

Das Flüssiggas aus den USA wird mit speziellen Schiffen wie diesem nach Europa transportiert. Foto: Xinhua News Agency, Eyevine

Das Flüssiggas aus den USA wird mit speziellen Schiffen wie diesem nach Europa transportiert. Foto: Xinhua News Agency, Eyevine

Im Handelskonflikt mit den USA hat die EU eine Kernforderung von US-Präsident Donald Trump erfüllt. Seit dessen Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Juli 2018 importierten die EU-Staaten deutlich mehr Flüssiggas (LNG) aus Amerika. Das teilte die EU-Kommission am Donnerstag auf einer Konferenz in Brüssel mit, an der auch US-Energieminister Rick Perry teilnahm.

Der EU-Kommission zufolge stiegen die Einfuhren von US-Flüssiggas innerhalb der letzten neun Monate um 272 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum davor. Im März erreichte der Flüssiggas-Handel zwischen den USA und der EU mit einem Volumen von 1,4 Milliarden Kubikmetern seinen bisherigen Höchststand.

Trump hatte von Juncker gefordert, die EU müsse, neben Sojabohnen, weitaus mehr Flüssiggas importieren – ansonsten könne es zu Zöllen auf europäische Autoeinfuhren kommen. Gemessen am gesamten EU-Gasverbrauch von etwa 480 Milliarden Kubikmetern pro Jahr, ist der US-Anteil immer noch gering. Aus Amerika kommen lediglich 13 Prozent des in die EU importierten Flüssiggases.

US-Energieminister Perry bekräftigte in Brüssel Trumps scharfe Kritik an der Pipeline Nord Stream 2.

Umweltschützer warnen davor, diesen Anteil zu erhöhen. Sie kritisieren die Fracking-Methode, mit der das Gas in den USA gewonnen wird. Beim Fracking wird Gas oder Öl mithilfe von Druck und Chemikalien aus Gesteinsschichten herausgeholt, was Gefahren für die Umwelt birgt.

US-Energieminister Perry bekräftigte in Brüssel Trumps scharfe Kritik an der Pipeline Nord Stream 2. Diese mache Europa noch abhängiger von russischem Gas und erlaube Moskau, Druck auf europäische Staaten auszuüben. Er sei aber ermutigt von der Entscheidung der deutschen Regierung, mehr US-Flüssiggas zu importieren und zwei neue LNG-Terminals in Deutschland finanziell zu unterstützen, sagte Perry.

LNG galt lange als nicht wettbewerbsfähig und zu teuer, weil das Gas zum Transport mit grossem Aufwand verflüssigt werden muss. US-Energieminister Perry warnte die EU allerdings davor, immer wieder das Preisargument anzuführen. «Wenn man sich nur darum kümmert, wie billig das Angebot ist, dann wird man womöglich keinen BMW oder Mercedes-Benz kaufen oder ein anderes der schönen Autos aus der EU», sagte er. «Man kann vielleicht woanders billiger kaufen, aber das ist vielleicht nicht zuverlässig. Das ist dasselbe mit russischem Gas.»

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