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Europäisches Parlament empfiehlt Draghi offiziell für das EZB-Präsidium

Seine Vergangenheit bei Goldman Sachs wurde nicht zum Stolperstein: Mario Draghi wird vom Europäischen Parlament zum Wunschkandidaten für das frei werdende Präsidium der Europäischen Zentralbank erklärt.

Das siegesgewisse Lächeln: Der italienische Notenbankchef Mario Draghi dürfte nach Jean-Claude Trichet das Präsidium der Europäischen Zentralbank übernehmen.
Das siegesgewisse Lächeln: Der italienische Notenbankchef Mario Draghi dürfte nach Jean-Claude Trichet das Präsidium der Europäischen Zentralbank übernehmen.
Keystone

Der Wirtschafts- und Währungsausschuss im Europäischen Parlament unterstützt die Kandidatur von Mario Draghi als Nachfolger für EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Die heutige Wahl in Brüssel fiel fast einstimmig zugunsten von Draghi aus. Am 23. Juni muss sie noch vom Parlament bestätigt werden. Der italienische Notenbankchef Draghi hatte sich gestern in einer zweieinhalbstündigen Anhörung den Fragen der Ausschussmitglieder gestellt.

Draghi musste sich vor dem Ausschuss wiederholt wegen seiner Zeit bei der Investmentbank Goldman Sachs von 2002 bis 2005 verteidigen. Dies könnte aus Sicht einiger der Parlamentarier seine Integrität für das Amt mindern. Besonders schwer wiege, dass er etwa zur gleichen Zeit bei der US-Bank arbeitete, als diese Griechenland half, die strengen europäischen Schuldenregeln zu umgehen. Draghi bekräftigte, er habe in dieser Zeit ausschliesslich Unternehmen beraten.

Draghi vertritt gleiche Positionen wie Trichet

In der Frage einer Beteiligung privater Gläubiger an künftigen Rettungsaktionen für Griechenland teilt der designierte EZB-Chef die Haltung der Zentralbank. Man dürfe nicht verschiedene Kredite herausgreifen und diese umschulden, sagte Draghi. Alle Konzepte einer Umschuldung, die nicht auf freiwilliger Basis seien, schliesse er als Lösung aus. Solche Massnahmen könnten eine Ansteckungskette lostreten, deren Ausmass nicht vorherzusehen seien, sagte der 63-Jährige.

Vor dem Hintergrund der Diskussion um die Griechenland-Hilfen will die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel den designierten Chef der Europäischen Zentralbank morgen zu einem Gespräch in Berlin empfangen. Die Begegnung solle «dem vertieften gegenseitigen Kennenlernen» dienen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert heute in Berlin. Dabei sollen die Lage der Währungsunion und andere wirtschafts- und finanzpolitische Fragen besprochen werden.

Was die Griechenland-Hilfen angeht, waren zuletzt Differenzen zwischen Berlin und der EZB sichtbar geworden. Trichet hatte sich gegen den Vorschlag von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ausgesprochen, der eine Umschuldung Griechenlands mit finanziellen Beiträgen auch der Privatwirtschaft verlangt.

dapd/AFP/ssc

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