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Gerüchte sorgen in Madrid für Unruhe

Bisher hat die spanische Regierung immer beteuert, keine Finanzhilfen aus dem Rettungsfonds zu benötigen. Nun scheint Madrid umzuschwenken. Offiziell weist man die Berichte jedoch zurück.

Schwieriger Start ins Amt: Der spanische Premierminister Mariano Rajoy.
Schwieriger Start ins Amt: Der spanische Premierminister Mariano Rajoy.
Reuters

Die spanische Regierung will offenbar an den Tropf des europäischen Rettungsfonds EFSF. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Morgen berichtete, soll Madrid schon am Wochenende Finanzhilfe beantragen. Die Agentur bezieht sich auf mehrere mit dem Vorgang vertraute Quellen.

Doch das Dementi folgte bald: Die spanische Regierung hat Berichte zurückgewiesen, nach denen telefonische Beratungen der Eurogruppe über Finanzhilfen für Spanien am Wochenende stattfinden sollen. «Ich weiss nichts über eine solche Telefonkonferenz», sagte die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums der Nachrichtenagentur AFP.

«Wir haben keine Neuigkeiten»

Neben Madrid hat sich auch die EU-Kommission und Berlin bemüht, Gerüchte über eine baldige Flucht Spaniens unter den Euro-Rettungsschirm zu entkräften. «Das kann ich nicht bestätigen», sagte Kommissionssprecher Amadeu Altafaj Tardio in Brüssel. «Wir haben keine Neuigkeiten über irgendwelche Anfragen aus Spanien für finanzielle Hilfe, also gibt es auch keinen Raum für Spekulationen.» Die deutsche und spanische Regierung wollten zumindest inhaltlich keine Stellung zu Gerüchten nehmen, wonach das Land schon am Wochenende Hilfen für seinen taumelnden Bankensektor beantragen könnte.

«Wir schauen mal»

«Die Entscheidung liegt bei der spanischen Regierung», wiederholte der deutsche Bundesregierungssprecher Steffen Seibert die bekannte Linie Deutschlands. «Wenn sie fällt, stehen die Instrumente Europas bereit.» Auch der Sprecher des Finanzministeriums, Martin Kotthaus, gab sich abwartend: «Wir schauen mal, was Spanien entscheidet oder nicht entscheidet.» Das Land habe schon viel erreicht und sei auf einem guten Weg, müsse aber selbst über weitere Schritte befinden.

Zwar trat die EU-Kommission den Spekulationen über einen baldigen Antrag Spaniens für europäische Finanzhilfen entgegen. Falls ein solcher Antrag kommen sollte, stünden die entsprechenden Instrumente aber bereit und könnten nach den bekannten Regeln angewendet werden, sagte Altafaj Tardio, Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn. Zu einem eventuellen Ad-Hoc-Treffen der Euro-Gruppe wollte er sich indes nicht äussern.

Die spanische Regierungssprecherin betonte, ein Plan zur Sanierung der Institute werde erst dann vorgelegt, wenn der Internationale Währungsfonds (IWF) und die zwei beauftragten Beratungsfirmen ihren Bericht zur Lage der Geldhäuser vorgelegt hätten. Ansonsten gelte: «Die spanische Regierung kommentiert keine Gerüchte.»

40 bis 100 Milliarden Euro

Am Montag wird der IWF seinen Bericht zur Situation im Land vorstellen. Der Report der beiden Beratungsunternehmen Roland Berger und Oliver Wyman wird für den 17. und 18. Juni erwartet. Zur Rettung des gesamten spanischen Bankensektors wären schätzungsweise zwischen 40 und 100 Milliarden Euro nötig.

Sollte Spanien tatsächlich einen Hilfsantrag zur Rekapitalisierung seiner strauchelnden Banken stellen, wäre es nach Irland, Griechenland und Portugal das vierte Land, das unter den Euro-Rettungsschirm EFSF flüchtet. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sah dazu noch vor einem Monat keinen Anlass. «Die Spanier sagen: Wir schaffen es alleine und ich glaube ihnen das», sagte der CDU-Politiker.

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