Japan rutscht überraschend in die Rezession

Die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt schrumpfte im dritten Quartal um 0,4 Prozent. Der Nikkei-Index gab deutlich nach. Ministerpräsident Shinzo Abe will reagieren.

Fällt um eineinhalb Prozent: Drei Männer beobachten den Nikkei-Index. (Archivbild)

Fällt um eineinhalb Prozent: Drei Männer beobachten den Nikkei-Index. (Archivbild)

(Bild: Reuters)

Die Hoffnungen auf eine Konjunkturerholung in Japan haben sich zerschlagen. Im dritten Quartal schrumpfte die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt überraschend um 0,4 Prozent, wie die Regierung in Tokio am Montag mitteilte. Experten waren dagegen von einem Zuwachs um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal ausgegangen.

Investoren reagierten auf die Zahlen verschreckt: Die Börse gab in Reaktion auf die unerwartet schlechten Konjunkturdaten deutlich nach. Der japanische Leitindex Nikkei gab knapp 3 Prozent nach und schloss bei 16'973 Punkten. Der breiter gefasste Topix verlor knapp 2,5 Prozent auf 1366 Punkte. Besonders Detailhandelsunternehmen zählten zu den Verlierern. So gaben Papiere der Kaufhauskette Takashimaya um mehr als 5 Prozent nach. Exportwerte wie Sony und Honda büssten ebenfalls deutlich ein. Der Yen hingegen stieg nach einem anfänglichen Taucher gegenüber dem Dollar um 0,65 Prozent auf 115,8 Yen pro Dollar.

Der Minister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik, Akira Amari, begründete die schlechten Wirtschaftsdaten vor allem damit, dass sich die private Nachfrage nicht so erholt habe wie erwartet. Die japanische Wirtschaft kämpft noch immer damit, dass die Mehrwertsteuer im April von 5 auf 8 Prozent angehoben wurde. Deswegen sank die Wirtschaftsleistung bereits im Frühjahr um 1,9 Prozent. Bei einem Rückgang auch im folgenden Quartal sprechen die meisten Experten von einer Rezession.

Mehrwertsteuererhöhung verschieben

Ein Vertrauter von Ministerpräsident Shinzo Abe hatte gesagt, dass der Regierungschef die zweite Stufe der Mehrwertsteuererhöhung von 8 auf 10 Prozent wohl verschieben wolle. Ausserdem könnte er Wahlen vorziehen, um mehr Rückhalt für seine Politik zu bekommen.

Die Mehrwertsteuer wurde im April von fünf auf acht Prozent angehoben und sollte eigentlich im Oktober 2015 auf zehn Prozent steigen. Die Entscheidung steht japanischen Medienberichten zufolge in dieser Woche an.

chk/sda

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