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Kritik an Wehrli wegen Lehrlingen

Nach der Schlappe bei der Abzockerinitiative steht Economiesuisse-Präsident Rudolf Wehrli erneut in der Kritik. Denn er bejaht zwar das duale Bildungssystem, aber bei Clariant arbeitet nur ein Lehrling.

Beschäftigt in seinem Unternehmen nur einen Lehrling: Economiesuisse- und Clariant-Präsident Rudolf Wehrli.
Beschäftigt in seinem Unternehmen nur einen Lehrling: Economiesuisse- und Clariant-Präsident Rudolf Wehrli.
Keystone

«Es macht wenig Sinn, dass ein Unternehmen Lehrstellen anbietet, die mehrheitlich nicht zu seinem Geschäftsmodell passen», sagte Economiesuisse-Chef Rudolf Wehrli heute gegenüber dem «Blick» (Artikel online nicht verfügbar). Er begründet damit, warum beim Chemiekonzern Clariant, den er präsidiert, auf 1035 Vollzeitstellen nur ein Lehrling beschäftigt wird.

Diese Personalpolitik sorgt beim Gewerkschaftsbund für Kritik: «Wehrli sabotiert das erfolgreiche System der Lehre», sagte Véronique Polito, Bildungsverantwortliche beim Gewerkschaftsbund, gegenüber der Zeitung. Dies sei ein Rückenschuss für alle Unternehmen, die Lehrlinge ausbilden, sagte die 35-Jährige und ergänzt: «Er steht damit für ein Wirtschaftssystem ein, in dem die Ausbildung nichts wert ist.»

Früher beschäftigte Clariant 12 Lehrlinge

Hintergrund der Diskussion ist Hayeks Gegenvorschlag zur 1:12-Initiative, den er vor gut einer Woche im «SonntagsBlick» präsentierte: Auf zwölf Beschäftigte soll jede Schweizer Firma einen Lehrling anstellen. Die Jugendlichen erhielten so Perspektiven und könnten sich so früh mit den Unternehmen identifizieren. «Das hilft dem ganzen Werkplatz», sagte der Swatch-Chef. Für den Vorschlag erhielt Hayek viel Lob aus Wirtschaftskreisen. Sogar Bundesrat Johann Schneider-Ammann war davon begeistert: «Die Idee ist typisch Hayek: konstruktiv, unerwartet und viel vernünftiger als jede Lohneingrenzung, die notabene sowieso umgangen werden könnte», sagte der FDP-Bundesrat.

Wehrli beteuert zwar, dass er voll hinter dem dualen Bildungssystem stehe: «Es ist ein ganz wesentlicher Standortfaktor, der unbedingt aufrechterhalten werden muss», sagte er gegenüber dem Blatt. Laut einem Firmensprecher absolvierten früher zwölf Lehrlinge eine Ausbildung bei Clariant. «Doch nach zahlreichen Restrukturierungen in den Jahren 2009 und 2010 sowie der Verlegung von grossen Teilen der Produktion nach Asien standen diese Ausbildungsstellen nicht mehr zur Verfügung.» Bei Firmen wie Lonza, Novartis oder Roche hingegen werden weiterhin Lehrlinge ausgebildet.

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