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Leitzinsen in Eurozone bleiben auf Rekordtief – aber wohl nicht mehr lange

Dieser Entscheid ist mit Spannung erwartet worden. Jetzt ist bekannt: Die Leitzinsen der europäischen Zentralbank verharren auf ihrem Rekordtief. Im April ist dann aber eine Zinsererhöhung wahrscheinlich.

Sein Gremium hat entschieden: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.
Sein Gremium hat entschieden: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.
AFP

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält den Leitzins für den Euroraum auf dem Rekordtief von 1 Prozent. Mit diesem Beschluss machte die Bank in Frankfurt deutlich, dass sie trotz anziehender Öl- und Lebensmittelpreise keine Inflationsgefahren sieht.

Führende Währungshüter hatten zuletzt mehrfach betont, dass sie zwar vorrübergehend mit einer Teuerung über der wichtigen Marke von 2,0 Prozent rechnen, aber schon für das Jahresende wieder Preisstabilität erwarten.

Anhebung der Leitzinsen im April möglich

Die Europäische Zentralbank könnte den Leitzins für den Euroraum aber schon im April anheben. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte in Frankfurt am Main, die Zentralbank bewahre «stärkste Wachsamkeit» hinsichtlich der Preisentwicklung. Eine Anhebung des Leitzinses bei der nächsten Sitzung des Zentralbankrates sei möglich. Das bedeute aber keine Vorabfestlegung. Eine Anhebung des Leitzinses sei «nicht sicher, aber möglich», betonte Trichet.

Der wichtigste Zins zur Versorgung der Geschäftsbanken im Euro- Raum mit Zentralbankgeld verharrt bereits seit Mai 2009 auf seinem tiefen Niveau. Da die Inflation zuletzt anzog, rechnen einige Ökonomen inzwischen schon für dieses Jahr mit einer Zinserhöhung. Im Februar betrug die jährliche Teuerungsrate im Euroraum 2,4 Prozent - und lag damit so hoch wie seit Oktober 2008 nicht mehr.

Der Preisauftrieb beschleunigt sich seit Monaten. Grund sind vor allem steigende Öl- und Benzinpreise sowie teurere Lebensmittel. Die EZB sieht mittelfristig stabile Preise bei Werten von knapp unter 2,0 Prozent.

Lebensmittelpreise auf Rekordhöhen

Gemäss der UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) stiegen die Preise für Nahrungsmittel weltweit im Februar auf neue Rekordhöhen. Die Preise kletterten ausser für Zucker im achten Monat hintereinander. Bereits zuvor hatten sie auf dem höchsten Stand seit Einführung des Preisvergleichs 1990 gelegen.

Auch die Ölpreise haben seit Jahresbeginn um etwa 20 Prozent angezogen - nicht zuletzt wegen der politischen Unruhen im Nahen und Mittleren Osten, insbesondere in Libyen. Befürchtet wird, dass das Chaos auf andere Öl produzierende Länder der Region überschwappen und könnten.

Höhere Zinsen können den Preisauftrieb bremsen, sie verteuern aber auch Kredite. Daher könnten sie Gift für die Erholung der Konjunktur sein.

Dreht die EZB an der Zinsschraube, wird ein Aufschwung insbesondere in hoch verschuldeten Staaten wie Irland, Griechenland oder Portugal noch unwahrscheinlicher: Deren Wirtschaftsentwicklung wird bereits durch die öffentlichen Einsparungen schwer belastet.

dapd/sam

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