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«Meine Mutter ist immer noch sehr wütend»

Der Schlagabtausch zwischen der Investmentbank Goldman Sachs und ihrem ehemaligen Angestellten Greg Smith geht weiter. Er sei kein Loser gewesen, sagt er im Interview zu seinem Enthüllungsbuch.

«Das betrifft alle direkt»: Porträt von Greg Smith in New York. (22. Oktober 2012)
«Das betrifft alle direkt»: Porträt von Greg Smith in New York. (22. Oktober 2012)
Reuters

Greg Smith rechtfertigt sein Buch mit den Anschuldigungen gegen seinen früheren Arbeitgeber Goldman Sachs. Es gehe ihm darum, das breite Publikum aufzuklären über die Vorgänge in einem verschwiegenen Unternehmen, sagt er der Nachrichtenagentur AP. Denn was in den Banken ablaufe, gehe alle an: Über die Pensionskassen, aber auch als individuelle Anleger, die Investmentfunds halten. «Wenn die Wallstreet nicht zur Verantwortung gezogen wird und sich unethisch verhält, dann betrifft uns das alle direkt», sagt Smith.

Sein in der «New York Times» erschienener Artikel hatte im März für Wirbel in und ausserhalb der Bankenszene geführt. Schon fast legendär wurde der Vorwurf, Angestellte der Bank hätten Kunden als Muppets bezeichnet (in Anlehnung an die Sendung «Muppet Show»). Nach seinem öffentlichen Kündigungsschreiben legte er nun mit einem Buch nach.

Goldman Sachs, die erfolgreichste US-Investmentbank, hatte das nicht tatenlos hingenommen. In einem Bericht wies sie Smith' Anschuldigungen zurück. In einer umfassenden internen Untersuchung habe man insbesondere keine Anhaltspunkte für eine Täuschung der Kunden gefunden.

Management «leugnet Problem immer noch»

Im Interview kritisiert Smith diese Haltung der Bank: «Mich enttäuscht am meisten, dass das Management das Problem immer noch leugnet.» Dabei hätten ihm Kunden geschrieben, sie stimmten mit ihm überein und vertrauten Goldman Sachs nicht wirklich. Selbst einige Goldman-Sachs-Direktoren hätten sich zunächst zustimmend geäussert. Ausserdem verweist Smith auf das Verfahren der Börsenaufsicht wegen mutmasslichen Betrugs. Goldman Sachs wurde vorgeworfen, den Kunden Papiere anzupreisen, während die Bank gleichzeitig auf sinkende Kurse spekulierte. Das Verfahren wurde nach einer Vergleichszahlung von 550 Millionen Dollar eingestellt.

Smith widerspricht auch der Darstellung, er sei ein Verlierer gewesen und sei mit seinem Schritt womöglich seiner Kündigung zuvorgekommen. «Meine Karriere bei Goldman Sachs lief gut», sagt der ehemalige Vizedirektor eines Handelsdesks der Grossbank in London. «Man sagte mir, mit meinem Bonus würde ich meine Vergleichsgruppe um zehn Prozent übertreffen.» Laut Goldman Sachs bezog Smith jedoch den tiefsten Lohn aller «Vice Presidents», die derselben Gruppe ehemaliger Praktikanten wie er angehört hatten. Ausserdem habe er seine Wichtigkeit gegenüber der Öffentlichkeit übertrieben.

Und wie hat die Familie auf die Kündigung und den Angriff auf Goldman Sachs reagiert? Smith hatte sie nicht zuvor über seinen Schritt informiert. «Meine Mutter wäre sehr wütend geworden», erklärt er. «Und ehrlich gesagt, ist sie immer noch sehr wütend.» Die Mutter sorge sich vor allem, weil er noch keinen neuen Job habe. «Es hat eine ziemliche Weile gedauert, bis ich ihr verständlich machen konnte, dass ich sehr stolz darauf bin», sagt Greg Smith.

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