Mieten sinken um bis zu 10 Prozent

In der Schweiz gibt es zu viele leere Wohnungen. Die Preise für ausgeschriebene Mietwohnungen könnten deshalb innert drei Jahren um bis zu 10 Prozent einbrechen.

Die Mieten sinken: Wohnungsblock in Zürich.

Die Mieten sinken: Wohnungsblock in Zürich.

(Bild: Keystone Steffen Schmidt)

Ernst Meier@tagesanzeiger

Die Lage auf dem Wohnungsmarkt hat sich geändert. Immer mehr Mietwohnungen stehen leer, gleichzeitig werden weiterhin neue Wohnungen gebaut. Die UBS geht in ihrer neuesten Immobilienstudie davon aus, dass die Leerstandsquote im nächsten Jahr mit knapp 3 Prozent ein neues Allzeithoch erreichen wird. «Entsprechend rechnen wir mit einem Preiseinbruch bei den ausgeschriebenen Wohnungen innert drei Jahren von bis zu 10 Prozent und in diesem Jahr von rund 2,5 Prozent», sagt Claudio Saputelli, Verantwortlicher für die UBS-Immostudie. Die Bestandesmieten (vermietete Wohnungen) dürften sich in den nächsten Jahren hingegen kaum ändern, wie Saputelli ergänzt: «Sie sind im historischen Vergleich nicht überhöht.»

Bei den Marktmieten (ausgeschriebene Wohnungen) liegen die Preise heute aber durchschnittlich rund 20 Prozent über dem Mittel aller Mietverträge. Falls die Bautätigkeit nicht deutlich einbreche oder eine neue grosse Einwanderungswelle erfolge, sei die Preiskorrektur unausweichlich. Die Nettoeinwanderung in die Schweiz hat in den letzten vier Jahren um 25’000 Personen (34 Prozent) abgenommen.

Risiken für Mieter und Vermieter

65’000 leere Wohnungen zählte das Bundesamt für Statistik Mitte vergangenen Jahres – das ist eine Zunahme zum Vorjahr von 8400 Wohnungen oder 15 Prozent. Derzeit besteht ein Überangebot von zwischen 10’000 und 12’000 Wohnungen. Dies zeigt bereits Folgen: Vermieter locken mit Vergünstigungen («Gratismonate») oder Anreizen wie Einkaufsgutscheinen. Laut Experten birgt dies jedoch auch Risiken – sowohl für den Mieter als auch für den Vermieter. «Es lockt Leute an, die weniger vom Objekt überzeugt und deshalb nicht an einem längerfristigen Mietvertrag interessiert sind», sagt Saputelli. Oftmals seien die Spezialangebote denn auch an vertragliche Bindungen geknüpft.


Video: «Immobilienpreise werden sinken»

Teures Wohneigentum: Der Preisanstieg beim Wohneigentum im Kanton Zürich sei vorbei. «Wir sind am Ende eines Zyklus angelangt, die Preise werden im nächsten Jahr um 0,5 Prozent zurückgehen», sagte ZKB-Analyst Peter Meier im Oktober 2017. (Video: Tamedia/SDA)


Wegen des Überangebots an Wohnungen und des erwarteten leichten Anstiegs der Zinsen rechnen die UBS-Ökonomen, dass die Preise für Renditeimmobilien ihren Höhepunkt vorläufig erreicht haben. Die Kaufpreise von Immobilien zu Anlagezwecken werden sinken, heisst es. Bei den Einfamilienhäusern würden die Preise hingegen weiter steigen; heuer um rund 0,5 Prozent. Grund: Die Finanzierungskosten bleiben dank tiefen Zinsen günstig und das Marktangebot an Eigenheimen relativ tief.

Auch bei den Eigentumswohnungen hat der jahrelange Preisanstieg ein Ende. Im vergangenen Jahr haben die Preise für Stockwerkeigentum erstmals seit vielen Jahren stagniert. Dies dürfte in diesem Jahr so bleiben. Der verschärfte Wettbewerb mit den Mietwohnungen lasse die Preise für Eigentumswohnungen stagnieren, heisst es in der neusten UBS-Immobilienstudie.

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