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Nationalbank lässt Leitzins auf Rekordtief

Die Schweizerische Nationalbank führt ihre expansive Geldpolitik fort. Der Leitzins bleibt auf seinem niedrigen Stand. Trotz der offenen Geldschleusen bestehen kaum Inflationsgefahren.

Für den massgeblichen Dreimonats-Libor peilt die Schweizerische Nationalbank (SNB) unverändert einen Satz von 0,25 Prozent an. Am Mittag wurde der von ihr nur indirekt steuerbare Leitzins bei 0,17833 Prozent festgelegt.

Banken können sich bei der SNB nun seit zwei Jahren fast gratis mit Geld versorgen. Damit will die Nationalbank die Kreditvergabe und die Gesamtwirtschaft ankurbeln. Im laufenden Jahr erwarten die Notenbanker ein robustes Wachstum der Schweizer Wirtschaft um rund 2,0 Prozent. Bisher lautete die Prognose auf rund 1,5 Prozent.

Die Weltkonjunktur habe sich insbesondere in den USA und in Asien etwas dynamischer entwickelt, als im Dezember noch angenommen, erläuterte die SNB. Auch die Schweizer Wirtschaft sei im vierten Quartal 2010 trotz der anhaltenden Stärke des Frankens kräftiger als erwartet gewachsen.

Ferner deuteten positive Unternehmenserwartungen für die kommenden Monate auf eine günstige Wirtschaftsentwicklung hin. Die stagnierenden Warenexporte und die rückläufige Nachfrage ausländischer Touristen würden allerdings eine Wachstumsabschwächung im Jahresverlauf signalisieren.

Vorerst keine Inflationsgefahr

Trotz der weiterhin offenen Geldschleusen rechnet die SNB vorderhand kaum mit Inflation: Sie erhöhte die Teuerungsprognose für 2011 insbesondere wegen der höheren Ölpreise zwar von 0,4 auf 0,8 Prozent und für 2012 leicht von 1,0 auf 1,1 Prozent.

Damit liegt der Preisauftrieb aber noch deutlich unter der Schwelle von zwei Prozent, bis zu der Notenbanker von Preisstabilität sprechen. Diese Marke würde mit unverändertem Leitzins laut SNB aber gegen Ende 2013 überschritten.

Damit könne die gegenwärtige Geldpolitik nicht über den gesamten Prognosehorizont weitergeführt werden, hiess es. Die Teuerungsprognose sei zudem mit sehr hoher Unsicherheit behaftet. Inflationsgefahren bestünden vorab in Schwellenländern.

Trotz Abflauen der Finanzkrise verzichteten die Notenbanken der meisten Industriestaaten mit Verweis auf die noch fragile Erholung und die Schuldenkrise darauf, ihre Geldpolitik zu normalisieren. Die gegenwärtige Rekordtief-Phase in der Schweiz geht nun in das neunte Quartal.

Frankenstärke hemmt

Ökonomen haben bislang erwartet, dass die SNB im Sommer oder im Herbst erstmals wieder den Leitzins anheben wird. Allerdings würde sich der Franken tendenziell weiter aufwerten, sollte die SNB deutlich vor der Europäischen Zentralbank (EZB) oder der US- Notenbank Fed die Zinsschraube anziehen.

Die EZB hat für April eine Erhöhung angedeutet. Das war allerdings vor dem Japan-Schock. Wegen der Atomkatastrophe ist der Franken einmal mehr als sicherer Hafen gesucht: Am Donnerstag kostete ein US-Dollar erstmals weniger als 90 Rappen.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) kritisierte, dass die SNB trotzdem keine Interventionen bei Deflationsgefahr mehr in Aussicht stelle. Ohne Gegenmassnahmen gegen die Frankenstärke seien Löhne und Arbeitsplätze in Gefahr. Allerdings musste die SNB wegen Kurseinbussen nach Deviseninterventionen für 2010 einen Verlust von 19,2 Milliarden Franken ausweisen.

Hypokredite bleiben unter der Lupe

Solange die Zinswende auf sich warten lässt, bleiben auch Hypothekenkredite billig. Deren Wachstum hat sich zwar verlangsamt, bleibt aber hoch. Die Lage erfordere «nach wie vor die volle Aufmerksamkeit», schreibt die Nationalbank. Einige Ökonomen warnen bereits vor regionalen Hypoblasen.

Auch der Hauseigentümerverband (HEV) rät Banken und Kreditnehmern, die notwendige Sorgfalt bei der Tragbarkeitsberechnung walten zu lassen. Der Entscheid, den Leitzins zu belassen, sei hingegen positiv für die Eigentümer von Liegenschaften, wie auch für die Mieter von Wohnungen und Geschäftsräumen.

SDA/raa

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