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Rätseln über Mini-Crash am Ölmarkt

Am Montag fielen die Preise für ein Barrel Rohöl innert Minuten um knapp fünf Prozent. «Ich mache das jetzt seit 14 Jahren, aber das war das Schnellste, das ich je erlebt habe», sagte ein Kenner.

Kämpfen und Schreien um den besten Preis: Händler an der Chicagoer Warenterminbörse.
Kämpfen und Schreien um den besten Preis: Händler an der Chicagoer Warenterminbörse.
Keystone

Am Montagabend sank der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent innerhalb von drei Minuten um fünf Dollar auf gut 116,6 Dollar. «Die Trader waren wie gelähmt vor Angst», sagt Peter Donovan, ein Händler in New York, gegenüber dem «Wall Street Journal». Dieses ist für Europa die wichtigste Rohölsorte. Auch das Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI), das hauptsächlich in den USA verwendet wird, verlor deutlich an Wert: Von ursprünglich mehr als 98 Dollar rutschte der Preis für ein Barrel innert Kürze auf unter 95 Dollar ab.

«Ich habe vier verschiedene Stellen angerufen, aber niemand wusste, was los ist», sagte Donovan. Über die Gründe für den Kurssturz wird auch einen Tag danach noch gerätselt. Für viele Börsianer ist er nur erklärbar mit Problemen bei den Handelsprogrammen. Der Chef des Rohstoff-Newsletters Barratt's Bulletin, Jonathan Barratt, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: «Wir gehen davon aus, dass es ein ‹Fat Finger› war», so der Branchenkenner. Mit diesem sogenannten Wurstfinger bezeichnen Börsenhändler Tippfehler und Fehlorders von einzelnen Händlern.

Von 131 auf 13'000 Bewegungen innert Minuten

Eine andere mögliche Fehlerquelle sehen einige Händler beim sogenannten Hochfrequenzhandel. Dabei steuert ein Computerprogramm den Handel mit Wertschriften in hohen Mengen. Die einzelnen Papiere werden nur sehr kurz gehalten, bevor sie weiterverkauft werden. «Ich mache das jetzt seit 14 Jahren, aber das war das Schnellste, das ich je erlebt habe», sagte der Risk-Manager John Gretzinger vom Finanzdienstleister INTL FCStone.

In den Minuten, in denen die Preise so stark sanken, wurden 13'000 Posten des Rohöls WTI und 10'000 Posten Brent bewegt. Kurz zuvor lagen die Bewegungen noch bei 131 beziehungsweise 152 Posten pro Minute.

Rohölgeschäfte werden nicht rückgängig gemacht

Das Phänomen von raschen Kursstürzen ist indes nicht neu: Bereits im Mai 2010 stürzte der amerikanische Dow-Jones-Index innerhalb weniger Minuten um 1000 Punkte ab. Im Nachhinein konnte eruiert werden, dass dieser «Flash Crash» durch eine einzelne Firma ausgelöst wurde, die mithilfe des automatischen Handelsprogramms Blitzverkäufe tätigte.

Obwohl die meisten fehlerbasierten Transaktionen im Nachhinein rückgängig gemacht werden, bleiben die Spuren trotzdem noch sichtbar. Viele Händler reagieren auf einen fallenden Kurs eines bestimmten Titels entweder mit Zukäufen oder Verkäufen. Diese Kursveränderung ist aufgrund ihrer Komplexität kaum mehr rückgängig zu machen. Beim Einbruch der Rohölpreise werden laut der Chicago Mercantile Exchange keine Geschäfte rückgängig gemacht.

Möglicherweise war eine Verschnaufpause nötig

Die Preise für das Barrel Rohöl haben sich am Dienstag stabilisiert, doch sie befinden sich noch immer im Minus. Der Rohstoffexperte der Commerzbank, Eugen Weinberg, zeigte sich in einer Aussage gegenüber «Spiegel online» skeptisch, dass der Kurseinbruch auf einer Fehlmanipulation eines Handelsprogramms basiert: «Wenn das ein Flash Crash ist, warum haben sich die Preise dann nicht erholt?», hinterfragt er. Möglicherweise habe der Ölmarkt nach monatelangem Anstieg eine Verschnaufpause benötigt.

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