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Rekordzinsen für Italien-Bonds – trotz Berlusconi-Rücktritt

Auch die neue Regierung kann die Märkte nicht beruhigen: Italien muss den Investoren für fünfjährige Staatsanleihen hohe Zinsen zahlen. Das Land platzierte Staatsanleihen im Volumen von drei Milliarden Euro.

Trotz des politischen Neustarts in Italien verlangen die Investoren Rekordzinsen für Staatsanleihen des klammen Mittelmeerstaats. Das Land platzierte fünfjährige Bonds im angestrebten Volumen von drei Milliarden Euro. Dafür wurde eine happige Rendite von 6,29 Prozent fällig.

Derart teuer war der Schuldendienst für italienische Anleihen dieser Laufzeit seit Einführung des Euro noch nicht. An den Märkten überwog zunächst die Erleichterung darüber, dass Italien die Anleihen im gewünschten Umfang an den Investor gebracht hatte.

1,46-fach überzeichnete Emission

Mit dem Volumen von drei Milliarden Euro wurde sogar das obere Ende der angestrebten Zielmarke für die 1,46-fach überzeichnete Emission erreicht. Danach beschlich die Investoren jedoch wieder die Sorge, dass die Refinanzierungskosten für das Land zu hoch werden könnten. In der Folge zogen die Renditen für zehnjährige Anleihen wieder an.

Dabei kommt dem Land bereits seit Monaten die Europäische Zentralbank (EZB) zur Hilfe: Mit Käufen von Anleihen von Euro- Problemstaaten stützt die EZB die Märkte und drückt de facto die Zinskosten der ins Visier der Anleger geratenen Länder. Händlern zufolge griff die Zentralbank auch am Montag mit Käufen italienischer Bonds wieder am Sekundärmarkt zu.

Tränen in die Augen

Für Ökonom David Schnautz von der Commerzbank ist das Ende der Fahnenstange für Italien am Anleihenmarkt bei einem anhaltend hohen Renditeniveau bald erreicht: «Die Zinsen treiben einem die Tränen in die Augen. Das lässt sich nur für eine überschaubare Zeit durchhalten.»

Die EU-Kommission und auch Bundesbank-Chef Jens Weidmann halten die hohen Bondzinsen Italiens zumindest kurzfristig für kein grösseres Problem. Weidmann forderte Italien jedoch auf, das Vertrauen in die öffentlichen Haushalte und die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen und dauerhaft zu sichern.

Sollten die Investoren jedoch nicht in den kommenden Monaten mehr Vertrauen in Italien fassen, könnten die hohen Zinskosten das Mittelmeerland teuer zu stehen kommen und das Wachstum nachhaltig ausbremsen. Nach Berechnungen der EU-Kommission erhöht ein Zinsanstieg um einen Prozentpunkt die Staatsausgaben in Italien um 0,2 Prozentpunkte des Bruttoinlandprodukts (BIP).

sda/AFP/dapd/rub/bru

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