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Slowenien auf dem Weg in die Intensivstation

Noch beim Euro-Beitritt vor fünf Jahren galt Slowenien als «die Schweiz des Balkans». Jetzt wird das Land zu einer weiteren Hypothek für die EU, weil es die Rettung seiner strauchelnden Banken nicht bezahlen kann.

Eine Gefahr für die slowenische Volkswirtschaft: Eine Filiale der Nova Ljubljanska banka (NLB) in der Hauptstadt. (Archivbild)
Eine Gefahr für die slowenische Volkswirtschaft: Eine Filiale der Nova Ljubljanska banka (NLB) in der Hauptstadt. (Archivbild)
Keystone

Neuer Schlag für die Eurozone: Die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's haben ihre Bewertungen der Kreditwürdigkeit Sloweniens gesenkt. Zunächst nahm Moody's das Rating um drei Stufen zurück. Die Bewertung sei von «A2» auf «Baa2» verringert worden, teilte die Agentur am Donnerstagabend mit. Damit wird das Euro-Land nur noch zwei Stufen über dem sogenannten Ramschstatus eingestuft.

Am Freitag folgte S&P: Die Agentur senkte das Rating Sloweniens von «A+» auf «A». Beide Unternehmen begründeten die Abstufung mit Sorgen über das schwächelnde Bankensystem. Moody's nannte zudem eine gestiegene Anfälligkeit für externe Schocks als Grund.

Drei Banken in Gefahr

Konkret rechnet die Ratingagentur mit notwendigen Kapitalspritzen von zwei bis acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für die drei grössten Banken des Landes: Nova Ljubljanska banka (NLB), Nova Kreditna banka Maribor (NKBM) und Abanka Vipa. Denn die sässen auf immer mehr faulen Krediten. Bei einem BIP von 35,4 Milliarden (im Jahr 2010) wären dass zwischen 700 und 2,8 Milliarden Euro.

Der zweite Grund für die schlechtere Kreditwürdigkeit: Die Zinsen, die das Land Investoren für neue Kredite gewähren muss, sind bedrohlich angestiegen. Hinzu kommt das sich verschlechternde wirtschaftliche Umfeld, der Staat ist vergangenes Jahr wieder in die Rezession gerutscht. Zwar sei die Wirtschaft relativ gut entwickelt, aber hoch spezialisiert und stark vom Export abhängig, so die Moody's-Experten. Und 70 Prozent der Exporte gingen in die (zumeist schwächelnden) EU-Länder. Moody's glaubt deswegen nicht, dass das Land sein Defizitziel von 3,5 Prozent in diesem Jahr erreichen werde. Insgesamt erhöhe sich, so das Fazit, die Wahrscheinlichkeit, «dass Hilfe von aussen angefordert werden muss». Slowenien wäre damit das sechste Land unter dem Euro-Rettungsschirm.

Zinsen für Staatsanleihen steigen

Die slowenische Regierung reagierte enttäuscht auf die Abstufung durch Moody's. Diese sei nicht gerechtfertigt, teilte das Finanzministerium mit. Slowenien sei nach makroökonomischen Daten nicht mit den gefährdeten Euro-Ländern zu vergleichen.

Dennoch kam das Land am Freitag am Kapitalmarkt unter Druck: Die Zinsen für zehnjährige slowenische Staatsanleihen überschritten die psychologisch kritische Marke von 7 Prozent und erreichten damit das Niveau spanischer Papiere.

Seit September haben alle grossen Ratingagenturen die Bonität des Euro-Landes mehrfach wegen schleppender Reformen, dem steigenden Haushaltsdefizit und Risiken im Bankensektor herabgestuft. Das Land gehört seit 2007 zur Währungsunion. Wegen der Exportabhängigkeit seiner Wirtschaft wurde Slowenien von der Finanzkrise besonders hart getroffen.

dapd/sda/fko

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