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So will die SNB gegen die Corona-Krise handeln

Noch mehr Devisenkäufe, Banken unterstützen und weitere Massnahmen – aber keine Zinssenkung: Das Programm der Nationalbank.

Die Nationalbank betont, dass sie nun «verstärkt» am Devisenmarkt intervenieren: SNB-Präsident Thomas Jordan. Foto: Keystone
Die Nationalbank betont, dass sie nun «verstärkt» am Devisenmarkt intervenieren: SNB-Präsident Thomas Jordan. Foto: Keystone

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) tastet die Zinsen nicht an und führt damit ihre expansive Geldpolitik fort. Doch das Coronavirus macht zusätzliche Massnahmen notwendig.

Konkret belässt die SNB ihren Leitzins sowie den Zins auf Sichtguthaben bei -0,75 Prozent, wie sie am Donnerstag im Rahmen der geldpolitischen Lagebeurteilung mitteilte. Bekanntlich hatte sie mit Aufhebung des Euro-Mindestkurses am 15. Januar 2015 den Leitzins auf das aktuelle Niveau gesenkt.

In dieser ausserordentlichen Situation sei die expansive Geldpolitik der Nationalbank für die Gewährleistung angemessener monetärer Bedingungen in der Schweiz nötiger denn je. So will die SNB handeln:

  • Die Nationalbank betont, dass sie nun «verstärkt» am Devisenmarkt intervenieren wird, um zur Stabilisierung der Lage beizutragen.
  • Die Nationalbank arbeite zudem eng mit dem Bundesrat zusammen mit dem Ziel, die Wirtschaft bestmöglich zu unterstützen.
  • So soll der Spielraum der Banken zur Kreditvergabe gelockert werden. Die SNB erhöht ab 1. April den Freibetrag, ab dem die Banken Negativzinsen entrichten müssen. Der sogenannte Freibetragsfaktor steigt dabei von 25 auf 30.
  • Ferner prüft die SNB, ob der antizyklische Kapitalpuffer gelockert werden könne - trotz der Risiken am Hypothekar- und Immobilienmarkt. Denn die Banken hätten über die letzten Jahre substanzielle Kapital- und Liquiditätspuffer aufgebaut.
  • Und schliesslich wird die SNB bei Bedarf zusätzliche Massnahmen zur Sicherung der Liquidität treffen.

Wirtschaft wird schrumpfen

Das Coronavirus hat laut SNB auch in der Schweiz die kurzfristigen wirtschaftlichen Aussichten «stark eingetrübt», was zu einem starken Rückgang der Wirtschaftsaktivität in der ersten Jahreshälfte führen werde. Sobald die nationalen und internationalen Eindämmungsmassnahmen aufgehoben werden könnten, dürfte die Wirtschaftstätigkeit zwar allmählich zur Normalität zurückkehren.

Doch selbst unter dieser Annahme dürfte das BIP-Wachstum über das ganze Jahr gesehen «negativ ausfallen», so die SNB. Im Dezember noch hatte die Nationalbank für 2020 mit einem Wachstum zwischen 1,5 und 2 Prozent gerechnet.

Die Normalisierung der Lage ab der zweiten Jahreshälfte könnte daraufhin dann in einem stark positiven Wachstum im Jahr 2021 zum Ausdruck kommen, hofft die SNB weiter. Wie rasch sich die Weltwirtschaft erholen werde, hänge dabei entscheidend von der kombinierten Wirkung der gesundheits-, fiskal- und geldpolitischen Massnahmen ab.

Tiefere Inflationsprognose

Es gibt allerdings einen Vorbehalt: In der gegenwärtigen Situation sei die Einschätzung der wirtschaftlichen Aussichten äusserst schwierig, so die SNB. Die Prognosen unterlägen derzeit einer «unüblich grossen Unsicherheit».

Dies gelte auch für die Inflation. Die neue bedingte Inflationsprognose liegt tiefer als im Dezember. Der Hauptgrund dafür seien tiefere Erdölpreise, deutlich schwächere Wachstumsaussichten und der stärkere Franken. Für 2020 geht die SNB neu von einer Inflation von -0,3 Prozent aus (alt: 0,2%). Für 2021 werden nun 0,3 Prozent (alt: 0,5%) und für 2022 0,7 Prozent vorhergesagt.

SNB hat 2019 Devisen für 13,2 Milliarden Franken erworben

Die SNB hat auch im vergangenen Jahr an den Devisenmärkten interveniert, allerdings in beschränktem Ausmass. Insgesamt hat sie Fremdwährungen in der Höhe von 13,2 Milliarden Franken erworben, wie dem am Donnerstag veröffentlichten Geschäftsbericht 2019 zu entnehmen ist.

Zuletzt bzw. im laufenden Jahr 2020 hatten die Interventionen im Rahmen der Corona-Krise allerdings wieder deutlich zugenommen. Darauf deutet die Entwicklung der Sichtguthaben der Geschäftsbanken bei der Nationalbank hin, über welche die SNB wöchentlich Rechenschaft ablegt. Konkret waren diese allein in den letzten vier Wochen um knapp 13 Milliarden gestiegen.

Die Entwicklung der Sichtguthaben gilt bekanntlich als Indiz dafür, ob die SNB am Devisenmarkt interveniert, um den Franken zu schwächen. Die Zentralbank kauft Fremdwährungen und schreibt den Banken den entsprechenden Franken-Betrag auf deren SNB-Konten gut.

Damit dürfte das Niveau der Interventionen also allein in den letzten vier Wochen etwa gleich hoch gewesen sein wie im gesamten Jahr 2019. In der letzten Woche allein betrug der Anstieg 4,5 Milliarden Franken, was dem stärksten wöchentlichen Plus seit März 2017 entsprach.

Vor allem 2015 bis 2017 hohe Interventionen

Vor allem in den Jahren von 2015 bis 2017 bzw. nach Aufhebung des Euro-Mindestkurses (15.1.2015) hatte die SNB in hohem Mass intervenieren müssen, um den Franken zu schwächen bzw. die Exportwirtschaft vor einem allzu hohen Franken zu schützen. So hatte die SNB 2015 für 86,1 Milliarde, 2016 für 67,1 Milliarden und 2017 für 48,2 Milliarden Franken Devisen gekauft. Aber auch schon 2014, also im Jahr vor der Aufhebung des Mindestkurses, hatte sie Devisen in Höhe von 25,8 Milliarden erworben. 2018 war dann für die SNB ein in dieser Beziehung relativ ruhiges Jahr mit Devisenkäufen im Gegenwert von lediglich 2,3 Milliarden.

Die SNB wird später am Tag ihren neuesten geldpolitischen Entscheid bekannt geben. Angesichts der zuletzt getroffenen Massnahmen der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank in den letzten Tagen und Wochen wird der Entscheid der SNB mit grosser Spannung erwartet.

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