Zum Hauptinhalt springen

Trump ist «nicht glücklich» über Zinserhöhung

Die US-Notenbank zieht die Zinsschraube weiter an. Die Einschüchterungsversuche des US-Präsidenten lassen Fed-Chef Powell kalt.

Walter Niederberger, San Francisco
«Wir sind, wer wir sind, und werden es bleiben»: US-Notenbankchef Jerome Powell zur Kritik von Donald Trump an den steigenden Zinsen.
«Wir sind, wer wir sind, und werden es bleiben»: US-Notenbankchef Jerome Powell zur Kritik von Donald Trump an den steigenden Zinsen.
Carlos Barria, Reuters

Zum sechsten Mal seit dem Amtsantritt von Präsident Trump hat die US-Notenbank gestern die Zinsen angehoben, zum dritten Mal unter der Leitung von Jerome Powell. Sie folgte so exakt dem 2015 entworfenen Fahrplan und wies den nörgelnden Präsidenten zurück. «Wir sind, wer wir sind, und werden es bleiben», sagte Notenbankchef Jerome Powell zur Kritik von Trump an den steigenden Zinsen, «politische Faktoren lassen wir beiseite.»

Der US-Präsident hat sich nicht begeistert von der Zinserhöhung gezeigt. «Ich bin nicht glücklich damit», sagte Trump am Mittwochabend während einer Pressekonferenz.

Die Zentralbank habe die Zinsen erhöht, weil sich die USA wirtschaftlich gut entwickelten. Er sei besorgt, dass das Fed offenbar Gefallen daran finde, den Leitzins anzuheben. Er selber würde lieber das niedrige Zinsniveau nutzen, um Schulden abzuzahlen oder Arbeitsplätze zu schaffen.

«Ich sollte etwas Hilfe von der Notenbank bekommen»

Der Konflikt mit dem Präsidenten über die Zinspolitik war diesen Sommer offen ausgebrochen. «Diese Zinserhöhungen passen mir nicht, nein, passen mir gar nicht», ereiferte sich der Präsident im August. Trump brach so ein weiteres Mal die Tradition, wonach die politische Unabhängigkeit der Institution zu respektieren ist, und ging so weit, die Notenbanker in seinen Dienst im Handelskrieg gegen China stellen zu wollen. «Ich sollte etwas Hilfe von der Notenbank bekommen.» Diese Anmassung wies Powell gestern scharf zurück und betonte, dass die Wirtschaft genau nach Plan vorankomme und die Risiken ausgeglichen seien.

Wie optimistisch die Notenbank ist, zeigt sich daran, dass sie gestern den gleich zuversichtlichen Bericht zum Stand der Wirtschaft publizierte wie vor zwei Monaten. Demnach soll die Arbeitslosigkeit längerfristig unter dem Stand von 4 Prozent verbleiben und auch die Teuerung nahe beim Zielwert von 2 Prozent verharren. Es ist dies die optimistischste Einschätzung der US-Wirtschaft seit den 60er-Jahren.

Doch es lauern Risiken, wie Powell einräumte. Besonders zu denken geben der Notenbank die Handelskonflikte mit China, Kanada, der EU und Japan. Eskalieren sie, würden sie auch die amerikanische Wirtschaft bremsen und die Inflation anheizen. Die Ökonomen der UBS etwa rechnen mit einer starken Abkühlung in den kommenden Monaten, sollten die Importzölle auf chinesischen Gütern von über 500 Milliarden Dollar durchgesetzt werden. In diesem Fall würde die Wirtschaft im vierten Quartal nur noch um 1,2 Prozent wachsen, ein Viertel langsamer als bisher angenommen, und die Lage würde sich erst gegen Mitte 2019 normalisieren. Ein solches Szenario könnte den Fahrplan durcheinanderbringen und die Notenbank gemäss der UBS zwingen, auf die geplante Zinserhöhung im Dezember zu verzichten und erst im kommenden Frühjahr wieder aufnehmen.

«Risiko und Anlass zur Sorge»

Für Powell sieht es aber nicht nach einer solchen Wende aus. «Noch nicht. Wir beobachten die Lage aufmerksam. Wir hören von einem Mangel an Arbeitskräften und höheren Kosten. Aber wir sehen noch keine Auswirkungen auf die Inflation.» Die Handelskonflikte indessen seien ein «Risiko und ein Anlass zur Sorge». Wie die Notenbank auf eine Eskalation reagieren würde, wollte er nicht sagen.

Nach dem jüngsten Entscheid stehen die Leitzinsen in den USA nun bei 2,0, bis 2,25 Prozent. Gemessen an der Inflation, betreibt die Notenbank somit noch immer eine ausserordentlich lockere Zinspolitik, die auch dafür verantwortlich ist, dass die Aktienmärkte in den USA stetig nach oben ziehen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch