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Umdenken – ein bisschen zumindest

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann macht sich auf ein «unruhiges Jahrzehnt» gefasst. Die Banken müssten sich neu ausrichten. Auch die US-Bank Morgan Stanley sieht grosse Risiken in Europa.

Warnt mantramässig vor dem Verlust der Wettbewernsfähigkeit: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann an der Euro Finance Week in Frankfurt. (14. November 2011)
Warnt mantramässig vor dem Verlust der Wettbewernsfähigkeit: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann an der Euro Finance Week in Frankfurt. (14. November 2011)
Keystone

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht die Finanzbranche vor einem «unruhigen Jahrzehnt». Wer immer noch glaube, die Branche könne zum Geschäftsgebaren von vor der Finanzkrise zurückkehren, «sollte sich schleunigst eines Besseren besinnen», mahnte Ackermann heute bei der «Euro Finance Week» in Frankfurt.

Die Schuldenkrise in Europa zwinge die Banken zur Neuausrichtung ihrer Geschäftsmodelle. Forderungen nach einer Zerschlagung grosser Banken erteilte der Chef des grössten deutschen Geldinstituts jedoch ebenso eine Absage wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

«Brandbeschleuniger» der Krise

Weidmann erinnerte daran, dass mit Lehman Brothers im Herbst 2008 eine reine Investmentbank «Brandbeschleuniger» der Krise gewesen sei. Eine Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken sei zudem schwerer umzusetzen, als das die aktuelle Protestwelle gegen die Finanzbranche Glauben mache.

Es gebe wirkungsvollere Massnahmen, um Banken und das Finanzsystem insgesamt krisenfester zu machen, befand Weidmann und nannte höhere Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen. Zudem plädierte er für zusätzliche Auflagen für systemrelevante Akteure – «egal ob es sich um eine Geschäfts- oder Investmentbank oder eine Versicherung handelt».

Ackermann warnt vor Fesseln

Ackermann warnte davor, Europas Banken zu viele Fesseln anzulegen: «Dabei verlieren wir die Wettbewerbsfähigkeit.» Allerdings müssten Banken durchaus ihre Geschäftsmodelle neu ausrichten. Staatsanleihen hätten ihren Status als risikofreie Anlage verloren haben, Schwellenländer würden wichtiger.

Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen sprach sich trotz der Euro- Schuldenkrise dafür aus, Staatsanleihen in den Bilanzen der Banken zunächst weiterhin als risikolos einzustufen. «Der Ansatz der Nullgewichtung von Staatsanleihen muss mittelfristig überdacht werden, aber nicht jetzt, nicht mitten in der Krise», sagte Asmussen, der zum 1. Januar 2012 ins Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) wechseln soll, um deren Chefökonom zu werden.

Bereinigung der Branche

«Viele Banken haben immer noch zu viele Problemaktiva in ihren Bilanzen», sagte Asmussen. Damit meine er ausdrücklich nicht Staatsanleihen: «Man kann niemandem einen Vorwurf machen, der Staatsanleihen aus den Euro-Ländern gekauft hat.»

Ackermann rechnet als Folge der Krise mit einer Bereinigung der Branche. «Die Wahrscheinlichkeit, dass Wettbewerber aus dem Markt ausscheiden oder sich mit anderen zusammentun, ist in unserer Branche grösser denn je», sagte der Deutsche-Bank-Chef.

Auch die Amerikaner sind alarmiert

Deutlich alarmierter äussert sich die US-Bank Morgan Stanley zu den Verhältnissen in Europa. Die schrumpfenden Bilanzen der europäischen Banken könnten zu einer schleichenden Kreditkrise in Südeuropa führen. In der Konsequenz sei auch die Kreditvergabe in Mittel- und Osteuropa bedroht, die Gewinnentwicklung der Unternehmen könne beeinträchtigt werden.

Morgan Stanley schätzt, dass die europäischen Banken ihre Verschuldung in den kommenden 18 Monaten zwischen 1,5 und 2,5 Billionen Euro (1500 bis 2500 Milliarden Euro oder 1800 bis 3000 Milliarden Franken) reduzieren müssen. Daraus ergäben sich Risiken für Geschäftskredite, Handelsfinanzierungen, Konsortialkredite und Teile des Investmentbankings.

Der Prozess werde den Bankmärkten in Spanien und Italien zu schaffen machen und sei sehr riskant für Mitteleuropa, hiess es in einer Studie der Investmentbank. Zu den Banken, deren Bilanzen nach Berechnungen von Morgan Stanley am meisten schrumpfen dürften, zählen die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Societe Generale und die UBS.

SDA/ami

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