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Währungen der Schwellenländer auf Rekord-Talfahrt

Zum Wochenbeginn befinden sich die Währungen mehrerer Schwellenländer im Sinkflug. Die Notenbanken sind besorgt.

Der südafrikanische Rand fiel am Montag auf ein Fünf-Jahres-Tief, der russische Rubel sank gegenüber dem Euro auf seinen bislang tiefsten Wert. In der Türkei berief die Zentralbank angesichts der schwächelnden Lira eine Dringlichkeitssitzung ein. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem zeigte sich «besorgt».

Als Grund für die Turbulenzen wird neben Besonderheiten in den einzelnen Staaten die veränderte Geldpolitik der USA gesehen: Im Dezember hatte die US-Notenbank Fed entschieden, ihre ultralockere Geldpolitik zurückzufahren und das Volumen der monatlichen Anleihenkäufe ab Januar zu verringern. Dadurch wird es für Investoren wieder attraktiver, ihr Geld in den USA anzulegen anstatt in den Schwellenländern.

Entwarnung für Europa

«Natürlich sind wir aus der Sicht der Schwellenländer besorgt», sagte Dijsselbloem nach einer Sitzung der Euro-Finanzminister in Brüssel. «Ich bin aber nicht besonders besorgt über ein Ansteckungsrisiko.» Die sich erholende Eurozone sei in einer anderen Situation. EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn forderte die Schwellenländer auf, ihre Lage durch Strukturreformen zu verbessern.

Auch die Zentralbankchefs Deutschlands und Frankreichs, Jens Weidmann und Christian Noyer, sahen in den Turbulenzen eine Aufforderung an bestimmte Schwellenländer, ihre wirtschaftlichen «Fundamentaldaten» in Ordnung zu bringen, Ungleichgewichte abzubauen und Strukturreformen umzusetzen. Nach einem deutsch-französischen Wirtschaftsrat am Montag in Paris verwies Noyer darauf, dass nur einige Schwellenländer betroffen seien. Er ging nicht davon aus, dass Europa durch sie in Schwierigkeiten geraten könnte.

30 Schweizer Titel im Minus

Die Aufregung um die wirtschaftliche Lage und die Politik in einigen Schwellenländern ist zu Wochenbeginn auf die Börsen durchgeschlagen. Der Swiss Market Index (SMI) stand um 9.30 Uhr bei 8'113,75 Punkten. Die 30 wichtigsten Titel an der Schweizer Börse notieren alle im Minus. Marktteilnehmer beunruhigt, dass der SMI unter die charttechnisch wichtige Schwelle von 8130 Punkten gefallen ist. «Die Korrektur wurde seit langem erwartet, jetzt haben wir sie», sagte ein Händler. Von einem Ausverkauf könne aber nicht die Rede sein. Im Tagesverlauf konnten die Verluste eingedämmt werden. Der SMI schloss 0,85 Prozent tiefer bei 8132,16 Punkten.

In Tokio verlor auch der Nikkei deutlich. Der Tokioter Leitindex mit seinen 225 führenden Werten schloss 2,5 Prozent schwächer bei 15'005 Punkten - so tief wie seit Mitte November nicht mehr. Der breite MSCI-Index für asiatische Aktien ausserhalb Japans büsste 1,5 Prozent ein. Auch in den USA setzten die Börsen ihre Talfahrt fort. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,3 Prozent tiefer auf 15'837 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank 0,5 Prozent auf 1781 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 1,1 Prozent auf 4083 Punkte.

Furcht vor einer grossen Finanzkrise

Die verunsicherten Anleger suchten den Yen als sicheren Hafen. Der Dollar fiel vorübergehend auf 101,77 Yen, den tiefsten Kurs seit Anfang Dezember, stabilisierte sich später aber bei 102,47 Yen. Währungen von Schwellenländern wie Argentinien und der Türkei hatten vergangene Woche stark an Wert verloren. Dies hatte die Furcht vor einer grossen Finanzkrise geschürt.

In dieser Ungewissheit stiess Gold auf weiter wachsendes Interesse der Anleger. Nachdem der Preis für das Edelmetall bereits fünf Wochen in Folge zugelegt hat, waren am Montag für eine Feinunze zeitweise 1278,01 Dollar fällig - ein neues Zwei-Monats-Hoch. Der Preis gab später auf 1268,50 Dollar nach.

SDA/kle

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