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Was die Koreaner von den Deutschen lernen können

Nordkorea steht vor dem Kollaps, warnt ein deutscher Wirtschaftsexperte. Südkorea müsse sich nun auf die Wiedervereinigung vorbereiten. Dabei könnte das Land von den Erfahrungen der Deutschen profitieren.

Massenexodus: DDR-Bürger fahren mit ihren Trabis am 11. November 1989 über die Grenze.
Massenexodus: DDR-Bürger fahren mit ihren Trabis am 11. November 1989 über die Grenze.
Keystone
Mauerfall: Tausende bejubelten 1989 die Öffnung der Grenze.
Mauerfall: Tausende bejubelten 1989 die Öffnung der Grenze.
Keystone
Strassenszene: Frauen verkaufen in Pyongyang Früchte.
Strassenszene: Frauen verkaufen in Pyongyang Früchte.
AFP
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Nordkorea ist im Umbruch, und wohin die Reise führt, ist für die internationale Gemeinschaft zurzeit schwierig abzuschätzen. Befürchtungen, dass die Machtübergabe des kranken Kim Jong-il an seinen Sohn Kim Jong-un das Ende des nordkoreanischen Staates einläuten könnte, sind unter Beobachtern gross. Entsprechend äussert sich der deutsche Wirtschaftsprofessor Ulrich Blum, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle und Berater der südkoreanischen Regierung, in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Blum sorgt sich, dass Nordkorea nächstens kollabiert. «Schon bald könnte das kommunistische Nordkorea wirtschaftlich so am Ende sein, wie vor 20 Jahren die DDR», schreibt Blum. Südkorea beschäftige sich deshalb schon seit Jahren mit einer Wiedervereinigung. Das Land könne dabei von den Erfahrungen der Deutschen profitieren, stellt er fest: «Wenn das steinzeit-kommunistische Regime im Norden eines nicht zu fernen Tages am Ende ist, können die Koreaner einiges von den Erfahrungen Deutschlands lernen, was bei einer Vereinigung ökonomisch richtig und falsch gemacht werden kann.»

Parallelen zwischen der DDR und Nordkorea

Der Wirtschaftsberater sieht einige Parallelen zwischen der DDR und Nordkorea. Bei beiden handelt es sich um kommunistische Regimes, und beide Länder haben respektive hatten laut Blum eine vergleichbare Alterstruktur: Verglichen mit ihren westlichen Bruderstaaten handelt es sich bei Nordkorea und der DDR um junge Länder. Grund dafür sind höhere Geburtenraten und eine erheblich frühere Sterblichkeit. Ähnlich ist auch die Verteilung der Bevölkerung: In der DDR lebte damals ein Viertel der deutschen Bevölkerung, in Nordkorea ist es ein Drittel der Gesamtbevölkerung.

Allerdings gibt es zwischen der damaligen DDR und dem heutigen Nordkorea auch gewaltige Unterschiede. Nordkorea steht laut Blum wirtschaftlich viel weiter im Abseits als die damalige DDR. Die Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung von Nordkorea betrage lediglich einen Zwanzigstel des Südens, in Ostdeutschland sei es 1989 ein Viertel des Westens gewesen. Die Wiedervereinigung Koreas würde die öffentliche Kasse deshalb besonders stark belasten. «Um einen grossen Exodus aus dem kommunistischen Landesteil zu vermeiden, müssten in Nordkorea – analog zur DDR – die Einkommen stabilisiert werden», schreibt Südkorea-Berater Blum.

Südkorea kann sich der Wiedervereinigung kaum entziehen

Westdeutschland hatte nach der Wiedervereinigung jährlich 75 Milliarden Euro in den Osten gepumpt, um dort ein soziales Niveau von rund 60 Prozent des Westens zu ermöglichen. Damit Südkorea dasselbe in Nordkorea erreicht, müsste das Land 250 Milliarden Dollar pro Jahr investieren. Das entspräche 20 Prozent des Bruttoinlandprodukts, in Deutschland machte der Geldtransfer 5 Prozent aus. «Auf diese Belastung ist Südkorea unzureichend vorbereitet», sagt der Wirtschaftsberater, stellt aber gleichzeitig fest: «Der Süden wird sich der Wiedervereinigung praktisch nicht widersetzen können.»

In diesem Prozess müsste Südkorea auf eine totale Neuaufstellung des Staates setzen: Die Bürokratie und die Aufgaben, welche die öffentliche Hand zu erfüllen hat, sollen neu definiert, das Bildungssystem angepasst, der Kommunikations- und Informationssektor neu ausgerichtet werden, sagt der Wirtschaftsexperte. In diesen Punkten kann Deutschland laut Blum als Vorbild dienen.

Fehler nicht wiederholen

Doch bei der deutschen Wiedervereinigung seien auch Fehler passiert, die sich in Südkorea nicht wiederholen sollen. Unter anderem müsse man darauf achten, dass man im Infrastruktur- und Immobiliensektor nicht Blasen aufbaue, wie das bei der deutschen Wiedervereinigung geschehen sei.

Wenn der Staat in den Ausbau der Infrastruktur investiere, könne dies überschnell steigende Löhne in der Bauwirtschaft zur Folge haben. Dieser Trend könne dann auf die restliche Wirtschaft überschwappen und sie zu sehr unter Druck setzen. Zudem müsse man darauf achten, dass es in Korea nicht zu einer Dauersubventionierung unwirtschaftlicher Industrien komme, schreibt Blum.

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