Wirtschaft peilt Rentenalter 67 an

Arbeitgeberverband und Economiesuisse verlangen eine rasche und schlanke Reform der Altersvorsorge. Für Rentenalter 67 ködern sie die Gewerkschaften mit Angeboten.

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René Lenzin

Sie ist ein Mammutprojekt, die Rentenreform 2020 von Sozialminister Alain Berset. In diesen Tagen läuft die Vernehmlassung für den Umbau von AHV und beruflicher Vorsorge ab, und die wichtigsten Akteure bringen sich in Stellung.

Heute Dienstag haben der Arbeitgeberverband und der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse ihre gemeinsame Position präsentiert. Vom «Lösungsansatz der Schweizer Wirtschaft» spricht Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt – und dieser Ansatz hat es in sich: Bersets Gesamtpaket soll entschlackt, beschleunigt und mit einer allgemeinen Rentenaltererhöhung auf maximal 67 Jahre verknüpft werden. Was auf den ersten Blick als Horrorprogramm für Linke und Gewerkschaften daherkommen muss, könnte sich bei genauerem Hinsehen als interessante Reformvariante erweisen.

Mehrwertsteuer um 0,6 Prozent erhöhen

Der Vorschlag sieht eine zweigeteilte Reform vor: Der erste Teil umfasst das Rentenalter 65 für Männer und Frauen sowie die Senkung des Umwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge von heute 6,8 auf 6 Prozent. Als Kompensationsmassnahme schlagen die Verbände eine Mehrwertsteuererhöhung von 0,6 Prozent für die AHV sowie höhere Beiträge an die Pensionskassen vor. Ziel sei es, die Rentenhöhe für mindestens zehn Jahre zu garantieren, sagen Valentin Vogt und Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer.

Mit dem zweiten Teil wollen die Verbände die Finanzierung der AHV absichern: Gerät diese in Schieflage, steigt das Rentenalter schrittweise um maximal 24 Monate, das heisst auf maximal 67 Jahre. Im Sinne der Opfersymmetrie schlägt die Wirtschaft zusätzliche 0,4 Mehrwertsteuerprozente vor. Dieser Mechanismus soll die sogenannte Schuldenbremse ersetzen, welche Berset für die AHV plant. Sinkt der AHV-Fonds unter einen gewissen Stand, müssten gemäss Bersets Vorschlag automatisch höhere Lohnprozente erhoben und der Teuerungsausgleich bei den Renten ausgesetzt werden.

Widerstand gegen Erhöhung des Rentenalters zu erwarten

Vor allem der zweite Teil stösst auf heftigen Widerstand von Linken und Gewerkschaften, weil er einer faktischen Rentenkürzung gleichkommt. Mit dem Projekt der Wirtschaftsverbände müssten sie zwar eine stufenweise Erhöhung des Rentenalters akzeptieren. Gleichzeitig wäre aber die Rentenhöhe garantiert.

Diese Reformen sollen bereits 2018 in Kraft treten. «Alle wichtigen grösseren und kleineren Branchenverbände» würden diese «konstruktive Position mittragen, obwohl sie auch mit fiskalischen Opfern verbunden ist», sagt Valentin Vogt. Gefragt seien nun «Augenmass und Kompromissbereitschaft der Gewerkschaften und der Politik».

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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