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Medikamentenskandal: Jetzt geht Frankreich gegen Hersteller vor

Ein Epilepsie-Medikament hat Tausende Kinder schwer geschädigt, auch in der Schweiz. Nun wird wegen schwerer Täuschung ermittelt.

sda/red
Fahrlässige Körperverletzung? Frankreichs Justiz ermittelt gegen Sanofi.
Fahrlässige Körperverletzung? Frankreichs Justiz ermittelt gegen Sanofi.
Keystone

Frankreichs Justiz hat gegen den Pharmakonzern Sanofi wegen des umstrittenen Epilepsie-Medikaments Depakine ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Das gab der französische Pharmakonzern am Montagabend bekannt.

Das Medikament enthält den umstrittenen Wirkstoff Valproat, der bei der Einnahme durch Schwangere potenziell Missbildungen bei den Föten verursachen kann. Das Verfahren werde für das Unternehmen eine Gelegenheit sein, nachzuweisen, dass es seiner Informations- und Transparenzpflicht nachgekommen sei, hiess es in einer Mitteilung. Nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP wird gegen Sanofi wegen fahrlässiger Körperverletzung und schwerer Täuschung ermittelt.

Depakine hilft Epileptikern bei Krämpfen, kann bei Neugeborenen aber zu Schäden führen. Nach dem Bericht der Gesundheitsbehörden nahmen zwischen 2007 und 2014 knapp 15'000 Frauen das Medikament während der Schwangerschaft ein. Lesen sie hier über das Schicksal von betroffenen Schweizer Familien.

Entschädigung für Opfer

Das Medikament wird in Frankreich seit 1967 verkauft. Es kann bei Neugeborenen zu Geburtsschäden, zu einem erhöhten Risiko für Autismus, geistige oder körperliche Behinderung führen. Im Jahr 2016 entschied das französische Parlament, das Opfer des Medikaments entschädigt werden.

Laut einer Schätzung der französischen Arzneimittelaufsichtsbehörde ANSM vom April 2017 kamen bis zu 4100 Kinder in Frankreich wegen Valproat mit schweren Missbildungen auf die Welt. Demnach haben Frauen, die während der Schwangerschaft Valproat einnehmen, ein vierfach erhöhtes Risiko, ein Kind mit schweren Missbildungen zur Welt zu bringen.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits 2015 Vorermittlungen eingeleitet und den Fall ein Jahr später an Ermittlungsrichter weitergegeben. Es wird geprüft, ob Sanofi schwangere Patientinnen nicht ausreichend über die bekannten Risiken informiert hat. Das Unternehmen versicherte nun, weiterhin mit den Justizbehörden zusammenarbeiten zu wollen. Das eingeleitete Verfahren kann am Ende zu einem Strafprozess führen, falls die Ermittler ausreichend Beweise sehen. Andernfalls können sie das Verfahren auch wieder einstellen.

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